Mittelpunkt - Newsletterausgabe Mai 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

so erfreulich es ist, dass der nun Frühling auf den im Norden doch recht langen Winter gefolgt ist, so pünktlich ist vor kurzem auch das Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. erschienen. Im Jahrbuch Sucht werden stets die aktuellsten Daten zu verschiedenen Suchtformen zusammengestellt: Wie viel wird in Deutschland getrunken, geraucht, gespielt und anderweitig konsumiert? Und wie hoch ist der Prozentsatz der Suchtkranken in der Bevölkerung? Für viele ist das Jahrbuch Sucht eine unverzichtbare Veröffentlichung, wir haben uns in diesem Jahr für Sie mit den aktuellen Zahlen zum Glücksspielmarkt aus dem Jahrbuch Sucht beschäftigt.

Im Weiteren erwarten Sie in unserem Newsletter wie gewohnt kompakte Informationen zu aktuellen Entwicklungen und Veranstaltungen in Hamburg und darüber hinaus. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und verbleibe mit den besten Grüßen

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Deutschland wie es trinkt, raucht, kifft und zockt! Jahrbuch Sucht 2018 veröffentlicht!

In diesem Jahr haben wir uns für Sie die Entwicklungen auf dem Glücksspielmarkt intensiv angesehen: Die Zahlen zum Glücksspielverhalten in Deutschland haben es in sich. Denn wie bereits in den Vorjahren ist der Gesamtumsatz mit Glücksspielen angestiegen. Wie groß der „Umsatzkuchen“ inzwischen geworden ist, zeigt ein Vergleich mit dem Jahresumsatz aus 2002. Dieser betrug damals 27,539 Milliarden Euro. Auch schon ein hoher Betrag, aber doch deutlich niedriger als die mehr als 45 Milliarden (die genaue Summe beträgt 45,203 Milliarden) aus dem aktuellen Erhebungsjahr. Die entsprechenden Daten für 2017 liegen übrigens noch nicht vor, sie werden dann im nächsten Jahrbuch 2019 veröffentlicht.

Etwa zwei Drittel des Umsatzes (66,2 Prozent) auf dem Glücksspielmarkt wurden im Jahr 2016 mit Geldspielautomaten gemacht. Auch hier gab es einen ziemlich satten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr: fast 9 Prozent. Und das obwohl die Zahl der aufgestellten Geräte in Spielhallen und Gaststätten sogar leicht (um etwa 3.000 Automaten) zurückgegangen ist. Damit gab es im Jahr 2016 noch 264.000 Geldspielautomaten in Deutschland. Die meisten davon, etwa 70 Prozent, stehen in Spielhallen, der Rest in Gaststätten.

Es dürfte spannend werden, wie sich die Umsatzzahlen gerade in diesem Segment des Glücksspielmarkts entwickeln werden. Denn laut Gesetzgebung soll eine ganze Reihe von Spielhallen schließen, um die geforderten Mindestabstände zwischen Spielhallen sowie zwischen Spielhallen und Einrichtungen für Jugendliche (zum Beispiel Schulen) zu gewährleisten. Zu sehr vielen Schließungen ist es bisher allerdings noch nicht gekommen. Vielerorts haben Kommunen Duldungen erlassen und etliche Betreiber berufen sich auf Härtefallregelungen. Auch in Spielbanken ist der Umsatz übrigens gestiegen, um immerhin 3,6 Prozent, auf 6,4 Milliarden Euro.

Es wird also mehr Geld gemacht mit Glücksspielen. Dann könnte man doch davon ausgehen, dass auch mehr Menschen in Deutschland spielen, oder? Die Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeichnen jedoch ein anderes Bild vom Glücksspielverhalten in Deutschland. Demnach ist der Bevölkerungsanteil, der überhaupt Erfahrungen mit Glücksspielen hat, seit dem Jahr 2009 zurückgegangen. Etwa dreiviertel aller Befragten (75,3 Prozent) gaben im Jahr 2017 an, schon einmal in ihrem Leben ein Glücksspiel gespielt zu haben. Im Jahr 2009 waren es noch fast 12 Prozent mehr. Und auch der Prozentsatz derjenigen, die schon mal an einem Geldspielautomaten gestanden haben, ist in dieser Zeit kleiner geworden. Mehr Umsatz, weniger Spielende: Offenbar gaben die einzelnen Spielerinnen und Spieler mehr Geld für Glücksspiele aus.

Wie vielen Menschen entgleitet ihr Spielverhalten? Auch darüber gibt das Jahrbuch Auskunft. Sogar gleich mehrfach, denn es liegt eine ganze Reihe von Untersuchungen darüber vor, wie viele problematische und pathologische Spielerinnen und Spieler es in Deutschland gibt. Sie unterscheiden sich zum Beispiel im Altersspektrum der Befragten oder beim Erhebungsjahr. Die zuletzt veröffentlichte Untersuchung der BZgA kam auf etwas mehr als 500.000 Menschen in Deutschland, die die Kontrolle über ihr (Glücks-) Spielen verloren haben. Sie gelten als entweder „problematische“ oder „pathologische“ Spielerinnen und Spieler. Damit hat etwa jede/r Hundertste in Deutschland ein Problem mit Glücksspielen.

Neues Online-Beratungsportal - Time to Balance

Immer on? Wenn Computerspiele nicht mehr nur eine Leidenschaft sind, sondern die Kontrolle über ihre Nutzung verloren zu gehen droht, wenn sich im Alltag alles um Soziale Medien, Chats oder Dating-Portale dreht, exzessiv pornographische Inhalte genutzt werden, oder wenn die Mediennutzung des Kindes zu einem großen Ausmaß den Alltag bestimmt und Anlass zur Sorge bietet, dann ist es Zeit, eine neue Balance zu finden.

Mit dem Slogan Time to Balance wird erwachsenen Betroffenen und Angehörigen unter www.webfehler-hamburg.de direkt und unkompliziert Unterstützung bei dem Thema Internetabhängigkeit angeboten. Das Internetangebot soll auch jene ermutigen, die sich noch nicht direkt an eine Suchthilfeeinrichtung wenden wollen und so eine Brücke in weiterführende Hilfe bauen. Anonym und kostenlos können sich Hilfesuchende auf der Webseite informieren und eine für sie passende Beratungsoption wählen. Dabei steht die gegenseitige Unterstützung von Betroffenen im Zentrum von Time to Balance. Im moderierten Gruppenchat können sich Betroffene und Angehörige zu alternierenden Schwerpunktthemen austauschen und Hilfestellungen im Umgang mit Internetabhängigkeit geben. Im Forum können Fragen gestellt, beantwortet und neue Kontakte geknüpft werden. Das Online-Portal unterstützt so dabei, sich selbst zu organisieren. Die gegenseitige Unterstützung bei der Bewältigung dieses oft ausweglos erscheinenden Problems kann helfen, Halt zu finden. Ebenfalls besteht die Möglichkeit sich direkt mit einer Fachperson in der 1:1 Sprechstunde auszutauschen oder eine E-Mail-Beratung in Anspruch zu nehmen. Die grundlegende Erneuerung des Internetangebots www.webfehler-hamburg.de ist mit Hilfe der überaus großzügigen Förderung der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Hamburg möglich geworden.

Erste Ergebnisse der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) veröffentlicht

Vor kurzem sind erste Ergebnisse der Studie KiGGS Welle 2 veröffentlicht worden. Die Ergebnisse der 2. Welle werden in Fachkreisen unterschiedlich bewertet. Einheitlich ist dabei die Bewertung des Trends in Bezug auf das Rauchen in der Schwangerschaft und das Rauchverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland als rückläufig und somit positiv. Uneinheitlich werden die Ergebnisse in Bezug auf Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter bewertet.

Dabei ist zunächst positiv zu bewerten, dass im Vergleich zur KiGGS-Basiserhebung von vor über zehn Jahren kein weiterer Anstieg der Übergewichts- und Adipositasprävalenzen zu beobachten ist.  In kinderärztlichen Praxen sei zudem ein Rückgang beziehungsweise eine Stabilisierung der Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas zu beobachten. Negativ zu bewerten ist jedoch, dass sich die Prävalenzen insgesamt betrachtet auf einem überaus hohen Niveau bewegen und somit eine bedeutende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit sind. Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozialem Status sind deutlich häufiger von Übergewicht und Adipositas betroffen, als Heranwachsende mit einem hohen sozialen Status, Jungen häufiger als Mädchen. Die ausführlichen Ergebnisse und alle weiteren Informationen zur KiGGS-Studie finden sich unter www.kiggs-studie.de.

 Weitere Neuigkeiten und Materialien

SCHULBUS-Untersuchung in Bremen und Bremerhaven

Die Stadt Bremen hatte sich bereits im Jahr 2005 an einer Erhebungswelle im Rahmen unserer SCHULBUS-Studie beteiligt. In 2005 konnte parallel zur damaligen Befragung von rund 1.200 Hamburger Schülerinnen und Schüler etwa die gleiche Anzahl von gleichaltrigen Bremer Jugendlichen systematisch zu ihren Erfahrungen im Umgang mit Suchtmitteln befragt werden. Im Jahr 2016 wurde SUCHT.HAMBURG durch die Bremer Senatorin für Kinder und Bildung mit der Durchführung der SCHULBUS-Untersuchung in Bremen und Bremerhaven beauftragt. Die Feldphase wurde in 2017 abgeschlossen und die Ergebnisse im Februar 2018 veröffentlicht. Der Ergebnisbericht findet sich unter www.sucht-hamburg.de/information/publikationen.

Ein neues Netzwerk – Hilfen für Kinder mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD)

Ein sehr wichtiges, heikles und bislang vollkommen unterschätztes Thema ist der Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft und die Auswirkungen auf das Ungeborene. Alkohol ist ein Zellgift, für das es keine risikolose Schwellendosis gibt. Pränatal erworbene Beeinträchtigungen durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft sind irreparabel und können lebenslange Folgen für die geistige, seelische und körperliche Entwicklung eines Menschen haben. In Deutschland werden jedes Jahr um die 10.000 Kinder mit FASD geboren.

Um betroffenen Kindern, ihren Eltern und Pflegefamilien eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen und ihnen die passende Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen,  hat Sucht.Hamburg gemeinsam mit 49 Akteurinnen und Akteuren aus Gesundheitsdiensten, Jugendhilfe, Suchthilfe, Kita und Schule, Sozialwesen und Rechtswesen ein neues Fachkräftenetz ins Leben gerufen.

Deutscher Suchtkongress 2018 in Hamburg

Der diesjährige Deutsche Suchtkongress findet vom 17. bis 19. September 2018 auf dem Campus Lehre des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in der Freien und Hansestadt Hamburg statt. Der Kongress hat sich in den vergangenen zehn Jahren als zentraler Ort des interdisziplinären wissenschaftlichen Austauschs und der intensiven und inspirierenden Kommunikation innerhalb unseres Fachgebiets etabliert. Schwerpunkt in diesem Jahr wird "Sucht bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen" sein. Weitere Themenschwerpunkte sind Ätiologie und Risikofaktoren von Suchterkrankungen, Suchtprävention und Suchtpolitik, Versorgungsforschung und Versorgungspraxis, interventionelle Suchtforschung und besondere Patientengruppen in der Suchttherapie.

Alle weiteren Informationen zum Deutschen Suchtkongress und Anmeldemöglichkeiten finden Sie auf der Kongresswebseite.

Studie des IFT-Nord zeigt: Konsum von E-Zigaretten kann Jugendliche zum Experimentieren mit Tabakzigaretten anregen

Eine vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführte Studie mit dem Titel "E-Zigaretten und der Einstieg in den Konsum konventioneller Zigaretten" zeigt, dass der Konsum von E-Zigaretten Jugendliche zum Rauchen von Tabakzigaretten anregen kann. Junge Nie-Raucher experimentierten häufiger mit konventionellen Zigaretten, wenn sie zuvor E-Zigaretten konsumiert hatten. Der Einfluss scheint stärker zu sein für Jugendliche, die ein generell niedrigeres Risiko haben, mit dem Rauchen zu beginnen. Die 6-monatige Beobachtungszeit erlaubt allerdings keine Aussage darüber, ob die Nutzung von E-Zigaretten mit der Entwicklung von Tabakabhängigkeit verbunden ist. Den im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Artikel über die Studie können Sie hier einsehen.

Neues Onlineberatungsprogramm IRIS - Ohne Alkohol und Tabak durch die Schwangerschaft

Das Universitätsklinikum Tübingen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben ein neues kostenloses Online-Beratungsprogramm für werdende Mütter entwickelt. Mit IRIS sollen Schwangere, denen der Verzicht auf Alkohol und Tabak schwer fällt, persönlich unterstützt werden, während ihrer Schwangerschaft alkohol- und rauchfrei zu bleiben. Die IRIS-Onlineberatung begleitet Schwangere individuell von der Vorbereitung des Konsumverzichts durch alle Phasen des Ausstiegs. Die teilnehmenden Frauen durchlaufen die klassischen Schritte einer Beratung, können diese aber online und in ihrem persönlichen Tempo gestalten. Weitere Informationen unter https://www.iris-plattform.de/

Broschürenreihe in Leichter Sprache der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) erweitert

Die DHS hat ihre Broschürenreihe in leichter Sprache um zwei weitere Ratgeber ergänzt. Mit „Glücksspiele sind riskant“ und „Medikamente – ab wann sind sie riskant?“ behandelt die Reihe nun fünf epidemiologisch überaus relevante Themen. Die Materialien in Leichter Sprache können auf der Webseite der DHS heruntergeladen oder bestellt werden. www.dhs.de

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Suchtmittel zwischen Verbot und Freigabe - Herausforderungen für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen am 23. Mai 2018 Information und Anmeldung

Prävention und Behandlung von Suchtproblemen bei Flüchtlingen – Das PREPARE-Netzwerk Fachtag am 24. Mai 2018 Information und Anmeldung

Suchtselbsthilfe in Hamburg stärken – Fortbildungsreihe für Suchtselbsthilfe-Aktive am 30. Mai 2018 Information und Anmeldung

Gender in der Suchtprävention - Der geschlechterbezogene Ansatz in der Suchtprävention: Umsetzung und Methoden am 31. Mai 2018 Information und Anmeldung

Basiscurriculum Jugend und Sucht 2018-2020  - Auftaktveranstaltung am 8. Juni 2018 Information und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention II – Aufbauseminar am 19. Juni 2018 Information und Anmeldung

Mehr aktuelle Fortbildungsangebote in Hamburg finden Sie auf unserem Fortbildungsportal

Termine

23. Suchttherapietage vom 22. bis zum 25. Mai 2018 in Hamburg - Schwerpunkt „Suchtmittel zwischen Verbot und Freigabe – Chancen und Risiken für Prävention und Therapie" Mehr Informationen

Eltern mit Mut tun Kindern gut! Gesprächsabende für Mütter von Kindern und Jugendlichen, die selbst und/oder deren Partner*innen ein Alkoholproblem haben ab 6. Juni 2018 in Hamburg Mehr Informationen

Fachtagung zum Projektabschluss „Landungsbrücke – Übergänge meistern. Seelisches Wohlbefinden von jungen Menschen fördern“ am 7. Juni 2018 in Hamburg Mehr Informationen und Anmeldung

Ich hab`s geschafft – Ein Dokumentarfilm über Essstörungen – Filmpremiere am 11. Juni 2018 im Kino Metropolis in Hamburg Mehr Informationen Mehr Informationen

Lina Jahrestreffen von SUCHT.HAMBURG am 20. Juni 2018 in Hamburg Mehr Informationen

31. Heidelberger Kongress des Fachverbandes Sucht e.V. "Sucht und Komorbidität - Sucht als Komorbidität" vom 20. bis 22. Juni 2018 in Heidelberg Mehr Informationen und Anmeldung

Deutscher Suchtkongress vom 17. bis 19. September 2018 in Hamburg Mehr Informationen und Anmeldung

Gemeinsamer Fachkongress der DHS und des fdr+ "Sucht: bio-psycho-SOZIAL" vom 8. bis 10. Oktober 2018 in Berlin Mehr Informationen und Anmeldung

Gremien von SUCHT.HAMBURG

AK Vielfalt 17. Mai 2018

AK Enter 29. Mai 2018

AK Sucht.Jugend 6. Juni 2018

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 18. Juni 2018

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

 

Impressum:

Sucht.Hamburg gGmbH

Repsoldstr. 4 | 20097 Hamburg

Tel: 040/ 284 99 18-0

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Internet: www.sucht-hamburg.de

V.i.S.d.P.: Christiane Lieb