Qualität in der Suchtprävention
Zur Verteidigung evidenzbasierter Suchtprävention gegen ihre glühenden Verfechter und rigorosen Verächter
Suchtprävention als die Gesamtheit aller intendierten, systematisch betriebenen Aktivitäten zur Verbesserung der Möglichkeiten des Sich-Zurechtfindens in der konsum-, erlebnis- und leistungsorientierten Gesellschaft bleibt - wie andere wohlfahrtsstaatliche Angebote auch - nicht davor verschont, sich durch den Nachweis ihres Erfolges zu legitimieren. Gerade angesichts knapper Haushaltskassen greifen auch hier zunehmend die Regeln des (konkurrierenden) Wettbewerbs Platz und dies mündet dann - wie so oft, wenn "Markt und Menschenbild" aufeinander treffen - fast zwangsläufig in die scheinbar unversöhnliche Debatte darüber, ob und inwieweit sich "betriebswirtschaftliches Denken" überhaupt auf sozial engagiertes Handeln sinn- und verantwortungsvoll übertragen lässt. Trotzdem: Auch die Anbieter sozialer Dienstleistungen kommen nicht umhin, ihre überzeugend klingende Leitsätze und die daraus konkret abgeleiteten Konzepte zur Suchtvorbeugung auf den Prüfstand einer kritischen Inventarisierung zu stellen. Klar ist dabei allerdings auch, dass man dort, wo die Grenzen des Messbaren zu den Grenzen des Machbaren erklärt werden, oft nicht mehr angemessen auf die Herausforderungen der sich stetig verändernden Gesellschaft reagieren kann. Vor diesem Hintergrund plädiere ich gleichsam für eine grundsätzliche Wirksamkeitsvermutung von suchtpräventiven Maßnahmen, solange diese schlüssig und plausibel begründet sind. Mit Blick auf die Funktion von Evaluation bedeutet dies dann eine Umkehrung der Beweislast: Evaluation dient in dieser Perspektive nicht mehr der Verifikation – also dem Nachweis der Wirksamkeit von Maßnahmen, sondern ihr kommt vielmehr die Funktion der Falsifikation zu – also der Beweisführung der möglichen Unwirksamkeit von konkreten Programmen oder Projekten. Der Vorteil dieser Sicht auf die Funktion von Evaluation liegt in der dadurch möglich gewordenen Legitimation der Durchführung von Suchtpräventionsmaßnahmen, deren Effekte zwar nicht empirisch belegt oder belegbar sind, die aber zumindest aufgrund von Plausibilitätsannahmen als langfristig erwartbar erscheinen.
Projekte
- * SCHULBUS - Schüler- und Lehrerbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln
- * ID-PS - Erprobung der Adaption eines Screening-Instruments zur Identifikation problematischer GlücksspielerInnen in der Hamburger Spielbank
- * Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Maßnahmen der Spielsuchtprävention für das schulische Setting
- * Dot.sys - Dokumentationssystem der Suchtvorbeugung
- * Jugendlicher Alkoholkonsum
- * Bedarfserhebung zur Versorgung älterer Drogenabhängiger in Hamburg
- * Leitungs- und Fachkräftebefragung in den Systemen der Hamburger Suchtkranken- und Altenhilfe zum Fortbildungsbedarf im Bereich der Versorgung und Pflege von älteren Menschen mit einer Suchtproblematik
