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Suchtprävention und Netzprojekte

Das Stichwort Vernetzung ist mittlerweile in aller Munde. PCs. Handys, E-Mail und Internet sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Neue Anwendungen wie Google haben unsere Arbeitsweise maßgeblich verändert. Im Bereich Suchtprävention, aber auch Suchthilfe waren es vor allem EU-Projekte wie das europäische Netzwerk PrevNet, gegründet 1998 zur „Förderung des Einsatzes der Telematik in der Suchtprävention", die dazu beigetragen haben, innovative Mediennutzung auch in Deutschland voranzutreiben, die Potenziale der neuen Techniken in unserem Bereich zu entdecken und neue Anwendungen zu entwickeln.
Im Zuge von Arbeitsverdichtung und gleichzeitig gestiegenen Anforderungen an Schnelligkeit im Informationsfluss einerseits und der wachsenden Bedeutung neuer Medien im beruflichen wie im privaten Alltag andererseits haben Webangebote und verwandte Anwendungen zusätzlich an Bedeutung gewonnen.

 

Entwicklungsprozess

Vor allem die skandinavischen Länder hatten früh (Ende der 90er Jahre) die Potenziale der neuen Medien für Gesundheitsförderung, Suchtprävention und -hilfe erkannt. Während im föderalen Deutschland noch die wenigsten Fachkräfte am Arbeitsplatz über einen Internetzugang verfügten, wurden in Ländern wie Finnland und Schweden, aber auch in den Niederlanden bereits die ersten interaktiven Anwendungen entwickelt.
Die technische Ausstattung und die Infrastruktur in den für die Suchtprävention relevanten Bereichen – Gesundheitswesen, Kinder- und Jugendarbeit, Schule und Suchthilfe – hinkte hierzulande beträchtlich hinterher wie eine bundesweite Befragung 2002 im Vorfeld des deutschen Netzwerkes PrevNet im Auftrag der BZgA zeigte. Nicht einmal 40 Prozent der befragten Einrichtungen verfügten zu der Zeit über eigene Internetauftritte. Auch die Kompetenzen der Fachkräfte in Hinblick auf den Umgang mit neuen Medien waren wenig ausgeprägt.
Neben den Internetangeboten für Fachkräfte richteten sich die ersten suchtpräventiven Webangebote in Deutschland an die Gruppe der „Partydrogen“-Konsumierenden (so z.B. die Hamburger EU-Projekte Ecstasy und Urban Vibe sowie www.partypack.de, www.drugscouts.de): zu einem großen Teil junge, gebildete Erwachsene mit hoher Medienaffinität. Erst nach und nach gerieten mit der schrittweisen Überwindung der digitalen Spaltung andere Zielgruppen in den Fokus (siehe www.lina-net.de).

 
Vernetzung
 

Trends und Tendenzen

  • Das Informationsangebot im Internet differenziert sich weiter aus: Seiten und Portale für spezielle Zielgruppen, Settings und Aktionen ergänzen traditionelle Webseiten.
  • Beratungsangebote per Email oder in Foren gibt es seit einiger Zeit, im Vormarsch sind jedoch Online-Beratungsangebote (Live-Chats) zu allen Lebenslagen.
  • Interaktive Webseiten sind weiterhin rar. Hier liegen die größten Entwicklungspotenziale - sowohl für Fachportale als auch für Zielgruppenangebote. Strukturmaßnahmen bieten weiterhin große Chancen in Hinblick auf Informationsverarbeitung, Wissenmanagement, Qualität und Steuerung.
  • Immer öfter kommen auch e-Interventionsprogramme zu Alkohol, Tabak, Cannabis, Schnupftabak, Essstörungen, aber auch zu chronischen Krankheiten wie Diabetes zum Einsatz.
  • In den Niederlanden kommt die gesamte Kette - von der Information über Tests, e-Interventionen, Online-Beratung bis hin zur Therapie - zur Anwendung, und zwar nicht nur bei Suchtprävention und -hilfe, sondern auch in der Psychotherapie.
  • Die Verbreitung von sozialen Netzwerken nimmt rasant zu und verändert die Nutzungsgewohnheiten: Vernetzung, Blogs usw. nehmen auch im professionellen Bereich zu (vgl. hierzu beispielsweise den Vortrag von Dr. Leonhard Dobusch im Rahmen einer PrevNet-Veranstaltung im Juli 2010 in Hamburg).
 

Projekte von BfS und HLS

HLS und BfS haben von Anfang an auf die neuen Medien gesetzt und immer wieder wegweisende Projekte in diesem Bereich realisiert - ganz gleich ob es um Internetseiten für Zielgruppen ging wie beim Ecstasy-Project oder bei Urban Vibe oder um Fachaustausch und Wissensmanagement wie bei PrevNet, der Fortbildungswiese oder dem Rauschbarometer. Auch hier setzten frühe Ansätze wie die Publikation der Protokolle der Open-Space-Konferenz Suchtprävention (2001) in virtuellen und interaktiven Foren, der Transfer des Kursbuches Sucht in eine Online-Datenbank, Angebote für Fachkräfte wie die frühere AG Internet oder die Vernetzung über die Ländergrenzen hinaus in europäischen Netzwerken Maßstäbe.
Aktuell sind es Projekte wie Lina-Net und Trink-Kompass, die sich die ständig ausweitenden Potenziale der neuen Technologien zu Nutze machen und Standards setzen.

 

Ansprechpartnerin:

Gabi Dobusch
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Mediennutzung

In Deutschland liegt der Anteil der Internetnutzenden bei 67,1% (2009): 43,5 Mio sind online – Tendenz weiter steigend. Größere Wachstumspotenziale liegen nur noch bei der Älteren: 96,1% der 14- bis 29-Jährigen nutzen regelmäßig das Web, 84,2% der 30- bis 49-Jährigen und 40,7% der Über-50-Jährigen.

 

EU-Projekt: Quality of Web Services - PrevNet Tool

EU-Project: PrevNet Quality

Hamburger Teilprojekt (2003) zur Konzeption und Realisierung eines webbasierten Tools zur (Selbst-)Überprüfung von Webangeboten im Gesundheitsbereich

 

Zielgruppenspezifische Webangebote BfS (1)

Screenshot UV

Von 2003 bis 2006 informierte das 3-sprachige Portal "Urban Vibe", das als EU-Projekt vom BfS in Kooperation mit Manchester und Amsterdam realisierte wurde, rund um Partydrogen.

 

Zielgruppenspezifische Webangebote BfS (2)

Beiträge zum Alkoholwettbewerb

In 2000 veranstaltete das BfS auf Basis der Kampagne „Alkohol. Irgendwann ist der Spaß vorbei“ einen Wettbewerb für junge Leute online (Relaunch in 07 in Koop. mit Brandenburg), der zu einer kreativen Beschäftigung mit dem Thema Alkohol aufforderte.

 

Suchtprävention Norddeutschland

Open Space Suchtprävention

Ein frühes Beispiel aus den Anfängen der virtuellen Vernetzung von Fachkräften im Bereich Suchtprävention: Die Open-Space-Konferenz in Schwerin 2001 wurde im Netz dokumentiert und die Protokolle der AGs durch Foren für die Fach-Community erweitert.