Mittelpunkt - Newsletterausgabe März 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
Digitalisierung ist im Jahr 2019 DAS zentrale Thema der zahlreichen Fachveranstaltungen und Tagungen in der Suchthilfe und Suchtprävention, in Hamburg und bundesweit. Im Suchthilfesystem wurde die Digitalisierung bislang vor allem in Bezug auf ihre Auswirkungen auf Abhängigkeitserkrankungen betrachtet: Computerspielsucht, Internetabhängigkeit, Online-Poker usw., also Probleme, die durch die sogenannte disruptive (das Nutzungsverhalten vollständig ändernde) Innovation, entstehen. Natürlich nutzen auch die allermeisten Beratungsstellen das Internet zum Beispiel zur Darstellung ihrer Leistungen, doch „das Internet“ ist für einige doch eher ein ungeliebtes Kind, das einem Zeit raubt, die man doch besser für die Beratung der Klient*innen nutzen könnte.

Die technologische wie auch demografische Entwicklung macht jedoch sehr deutlich, dass sich die Suchthilfe und-prävention den Möglichkeiten der Digitalisierung noch mehr öffnen muss. Insbesondere im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention, aber auch im Bereich der Therapie sind inzwischen eine Vielzahl „kommerzieller“ Anbieter den öffentlich geförderten Fach- und Beratungsstellen einige Schritte voraus. Wir hoffen, dass die vielen spannenden Veranstaltungen und Initiativen in diesem Jahr dazu beitragen werden, einen konstruktiven und zukunftsgerichteten Diskurs zu den Möglichkeiten, aber natürlich auch Grenzen digitaler Suchthilfeangebote zu führen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Zeit und interessante Veranstaltungen!

Herzliche Grüße

Christiane Lieb
Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Interaktiver Selbsttest bei exzessivem Medienkonsum

Um zu erkennen, ob das eigene Konsum-, Spiel- oder Nutzungsverhalten noch im grünen Bereich liegt oder in eine Sackgasse führt, ist meist eine Rückmeldung von außen wichtig – zum Beispiel durch ein Gespräch in einer Beratungsstelle. Eine weitere gute Möglichkeit, schnell eine Einschätzung zu bekommen, sind interaktive Selbsttests. SUCHT.HAMBURG bietet solche - selbstverständlich anonyme und kostenfreie – Selbsttests auf den Internetseiten www.automatisch-verloren.de, www.rauschbarometer.de sowie www.webfehler-hamburg.de an und Interessierte können damit ihr Glücksspiel-, Alkoholkonsumverhalten sowie ihren Umgang mit Medien testen.

Ein problematisches Verhalten entwickelt sich in der Regel schleichend, viele kennen das vielleicht von ihrer eigenen Mediennutzung. Denn ein ausgewogener und selbstbestimmter Umgang mit dem Internet stellt heutzutage nicht nur für Jugendliche eine Herausforderung dar, sondern auch immer mehr Erwachsene signalisieren einen Kontrollverlust. 64 Prozent haben das Gefühl, im Internet Zeit zu verschwenden und sogar ein Drittel der befragten 18-24-Jährigen fürchten bereits „internetabhängig“ zu sein, so eine aktuelle Studie des Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet.

Wann also ist Zeit abzuschalten? Dazu haben Interessierte auf unserem Online-Angebot „Time to Balance“ unter www.webfehler-hamburg.de seit kurzem die Möglichkeit, mit einem Selbsttest eine erste Einschätzung ihrer Mediennutzung zu erhalten. Ein weiterer Test gibt verunsicherten Eltern eine Rückmeldung, ob ihre Tochter/ihr Sohn bereits zu hohe Bildschirmzeiten hat. Neben dem Selbsttest können sich Hilfesuchende auf der Online-Plattform informieren, eine für sie passende Beratungsoption wählen, um sich direkt mit einer Fachperson oder anderen Betroffenen in Verbindung zu setzen. Gerade vor dem Hintergrund stetig neuer Angebote im Netz, die Eltern immer wieder vor neue Herausforderungen stellen, können sie hier zeitnah und niedrigschwellig Tipps und Hilfestellungen bekommen, bevor sich Probleme im Familienalltag verfestigen.

Rauschbarometer - Rat und Hilfe rund um Alkohol, Drogen und Sucht in Hamburg

Unser Internetangebot Rauschbarometer ist im Jahr 2018 gefördert von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg vollständig überarbeitet und neugestaltet worden und bietet Rat und Hilfe für alle, die sich über den eigenen Konsum oder das eigene Verhalten Sorgen machen.

Unter www.rauschbarometer.de finden von Suchtproblemen betroffene Menschen oder deren Angehörige schnell und einfach Informationen zur nächstgelegenen Suchtberatungsstelle in Hamburg. In einer der 13 allgemeinen suchtmittelübergreifend beratenden Einrichtungen in Hamburg lässt sich dann in einem ersten Gespräch kostenlos und auf Wunsch auch anonym abklären, ob Handlungsbedarf besteht. Diese Suchtberatungsstellen sind regional verankert und arbeiten mit vielen weiteren Hilfeangeboten im Umfeld zusammen. Bei Bedarf vermitteln sie an spezialisierte Beratungsstellen oder Therapieeinrichtungen und helfen gegebenenfalls auch beim Klären der Kostenübernahme.

Wer sich nicht sicher ist, ob der eigene Alkoholkonsum noch im Rahmen bleibt oder riskant ist, kann beim Rauschbarometer auch einen interaktiven Alkoholselbsttest machen und erhält im Ergebnis eine erste Einschätzung dazu, ob ein gesundheitsgefährdendes Konsumverhalten vorliegt oder nicht. Der Alkoholselbsttest steht neben Deutsch auch in englischer, französischer, polnischer, russischer auch in türkischer Sprache zur Verfügung. Für Kinder und Jugendliche, für Mädchen und für Frauen gibt es in Hamburg übrigens eigene Beratungsangebote rund um Alkohol, Drogen und Sucht. Auch auf diese Angebote wird im Rauschbarometer hingewiesen. Die Hilfesuchenden haben die freie Wahl!

Aktionswoche Alkohol? Weniger ist besser! vom 18. bis 26. Mai 2019

Im Mai findet die inzwischen siebte bundesweite Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!“ statt, die in diesem Jahr den Schwerpunkt auf „Alkohol im Betrieb“ legt. Wie in den vorangegangenen Jahren finden in Hamburg auch in diesem Jahr vielfältige Aktionen statt. Traditionell beginnt die Aktionswoche in Hamburg mit einer Auftaktveranstaltung, die am 20. Mai bei der GLS-Bank von der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. ausgerichtet wird. SUCHT.HAMBURG wird im Laufe der Aktionswoche mit den Peer-Educators von „Mobil? Aber sicher!“ in Hamburger Fahrschulen aktiv sein, um junge Fahrschülerinnen und Fahrschüler für die Risiken und Unvereinbarkeit des Konsums von Alkohol und Drogen und der aktiven Teilnahme im Straßenverkehr zu informieren und zu sensibilisieren.

Die klassischen Pfade verlassen wollen wir mit unserer Veranstaltung „Zur Sache: Höchstleistung im Job und in der Freizeit mit Alkohol, Kokain und MDMA?“ am 20. Mai bei GWA St.Pauli e.V.:
Wir alle haben gefühlt zu wenig Zeit, um den Anforderungen von außen und den Ansprüchen an uns selbst gerecht zu werden. Diese Entwicklung zeigt sich z.B. beim Drogenkonsum, der immer auch ein Abbild gesellschaftlicher Veränderungen darstellt: LSD-Microdosing für die Kreativität, Dippen fürs Wir-Gefühl und Kokain zum Unterdrücken von Versagensängsten? Verschaffen Alkohol, Drogen und Medikamente mehr Zeit und Energie zum Arbeiten, Feiern und Erholen?

Gerade den Kreativbranchen, wie zum Beispiel Musik, Film, Theater, Medien und Werbung wird nachgesagt, dass Substanzkonsum eine große Rolle spielt. Konzerte, Premieren, Empfänge und andere Feiern geben grundsätzlich die Gelegenheit, Alkohol und andere psychoaktive Substanzen zu konsumieren. Aber ist das wirklich so? Welchen Stellenwert hat der Konsum von Alkohol, Cannabis, Kokain etc. in der Kreativbranche? Welche Motive für Konsum liegen vor? Welche als positiv erlebten Effekte kann der Konsum auf Menschen haben, die einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt sind? Welche Probleme können sich daraus ergeben? Inwiefern beeinflussen die Arbeitsverhältnisse das Risiko für ein ausuferndes Konsumverhalten?

Diese Fragen wollen wir aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und die jeweiligen Erfahrungen und Gesichtspunkte Raum geben.
Gäste:
• Jörg Böckem, Journalist und Autor
• Michael Bloedhorn, Facharzt für Psychiatrie, Therapiehilfe e.V.
• Weitere Gäste aus der Musik- und Werbebranche werden erwartet

Wir freuen uns auf Ihr Kommen! Informationen und Anmeldung

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Neue Veröffentlichungen von SUCHT.HAMBURG
Ab sofort stehen allen Interessierten und Fachkräften Infocards zu den Themen Alkohol, Cannabis, Medikamente und Rauchen in den Sprachen Arabisch, Deutsch, Farsi, Kurdisch und Türkisch zur Verfügung. Die Infocards wurden mit freundlicher Genehmigung von der Berliner Fachstelle für Suchtprävention gGmbH adaptiert und können ab sofort in unserem Shop unter https://www.sucht-hamburg.de/shop bestellt werden. Für Hamburger*innen und Einrichtungen, die in Hamburg ansässig sind, sind die Infocards kostenfrei.

Taufrisch aktualisiert sind auch unsere Informationen für Fachkräfte des Suchtkrankenhilfesystems in Hamburg über die „Angebote in Fremd- und Muttersprachen der Suchtprävention und Suchthilfe Hamburg“ sowie über die „Muttersprachige Selbsthilfegruppen in Hamburg“. Diese Informationen richten sich vor allem an Fachpersonen (Suchtberater*innen, Sozialarbeiter*innen usw.) für die direkte und schnelle Vernetzung und Kooperation im Einzelfall. Hierfür bietet das Hamburger Suchthilfesystem eine Vielfalt an (Mutter-) Sprachen und die deutsche Gebärdensprache an. Die Informationen können unter https://www.sucht-hamburg.de/information/publikationen heruntergeladen werden.

4be-Transsuchthilfe in Hamburg
Seit Februar findet jeden Mittwoch von 15:00 bis 17:00 Uhr eine offene Sprechstunde in der "Kaffeewelt" im Georg-Asmussen-Haus in der Böckmannstraße 3, 20099 Hamburg (St. Georg) für Menschen statt, die sich jenseits des binären Geschlechter Spektrums - wie nicht binäre Menschen - verorten und im Hilfesystem bisher nicht angebunden sind. Im Rahmen der Sprechstunde sind Peers anwesend, die bedarfsentsprechend die Kontaktarbeit in dem Kaffee als Treffpunkt durchführen. Zu den Aufgaben der Peers gehören konkret die Kontaktaufnahme durch neue Medien wie Facebook und Twitter, durch die dgti und durch die konkrete Selbsthilfearbeit in den Gruppen.

QuaSiE- Qualifizierte Suchtprävention in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe
Die erste Phase des Bundesmodellprojekts QuaSiE, das von der LWL-Koordinationsstelle Sucht umgesetzt wurde ist beendet. Im Rahmen des Projekts wurde in den beteiligten Einrichtungen der stationären Jugendhilfe die Entwicklung von für einen qualifizierten Umgang mit Substanzkonsum notwendigen verhältnispräventiven Strukturen angestoßen. Hierzu zählen die Entwicklung von Regelwerken, Konzeptionen, die Arbeit an einer einheitlichen pädagogischen Haltung oder Qualifizierung der Fachkräfte in Grundlagen zu Sucht und (jugendlichem) Substanzkonsum sowie Gesprächsführung. Es wurden ebenso ein praxisnaher Wegweiser „Nah dran! Erarbeitet, der unter https://www.lwl-ks.de/de/publikationen-der-lwl-koordinationsstelle-sucht/ zum Download zur Verfügung steht. Das erfolgreiche Projekt geht in eine zweite Förderphase QuaSiE 2.0., in der die beteiligten Träger bei der Umsetzung und Weiterentwicklung verhältnispräventiver Strukturen weiter beraten werden wird sowie die Vernetzung mit der regionalen Suchthilfe weiterentwickelt und verstetigt wird.

Neue Materialien der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
Die DHS hat zwei neue Broschüren „Wenn Glücksspielen zum Problem wird! Sportwetten, Spielautomaten, Roulette, Online-Glücksspiele“ für die Zielgruppe junger glücksspielender Männer in Türkisch und Arabisch veröffentlicht. Im Weiteren erschien auch zum Themenfeld Glücksspiel eine Arbeitshilfe für Fachkräfte der Migrationshilfen, Ehrenamtliche in der Sucht-Selbsthilfe und Angehörige die Arbeitshilfe mit dem Titel "Glücksspielen - Sportwetten, Spielautomaten, Roulette, Online-Glücksspiele - Suchtrisiko bei jungen Männern".
In Paschtu ist vor kurzem auch die Publikation „Informationen zu Alkohol und anderen Drogen – Beratung und Hilfe“ erschienen. Die Broschüre ist bereits in mehreren Übersetzungen erschienen und informiert Interessierte über Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten und die medizinischen sowie rechtlichen Grundlagen des Substanzmittelkonsums.
Die Materialien der DHS können hier heruntergeladen oder bestellt werden.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Trauma: Wissensgrundlagen und Handlungshinweise für den Umgang mit psychisch traumatisierten Kindern und Jugendlichen am 26. April Information und Anmeldung

Illegale Drogen - Substanzen, Wirkungen, Risiken am 7. Mai Information und Anmeldung

Wie umgehen mit Beratungsabbrüchen? Praktische Suchtarbeit im Umgang mit kulturellen Unterschieden am 8. Mai Information und Anmeldung

Einführung in das systemische Elterncoaching am 25. Mai Information und Anmeldung

Suchtgefährdung bei Jugendlichen - Epidemiologie, Risikofaktoren, Erklärungsmodelle am 13. Juni Information und Anmeldung

Mehr aktuelle Fortbildungsangebote in Hamburg finden Sie auf unserem Fortbildungsportal

Termine

Der Armutskongress 2019 am 10. und 11. April in Berlin Mehr Informationen

eHealth und psychische Erkrankungen - 4. Fachtagung: Schnittstellen zwischen Arbeitsschutz, Rehabilitation und Psychotherapie 9. und 10. Mai in Dresden Mehr Informationen

Auftaktveranstaltung zur Aktionswoche in Hamburg am 20. Mai Mehr Informationen

Zur Sache: Höchstleistung im Job und in der Freizeit mit Alkohol, Kokain und MDMA? Diskussionsrunde am 20. Mai in Hamburg Mehr Informationen und Anmeldun

fdr-sucht-kongress "Hey Alex, ich habe ein Suchtproblem! Digitaler Aufbruch in der Suchthilfe" am 20. und 21. Mai in Frankfurt Mehr Informationen

Bundesweite Aktionswoche „Alkohol? – Nicht am Arbeitsplatz!“ vom 18. bis 26. Mai Mehr Informationen

Lina Jahrestreffen am 5. Juni in Hamburg Mehr Informationen

Suchttherapietage mit dem Schwerpunkt „Suchttherapie und -prävention: Alles nur noch online?“ vom 11. bis 14. Juni in Hamburg Mehr Informationen

Heidelberger Kongress - "analog - digital: Herausforderungen für die Suchtbehandlung des Fachverbands Sucht e.V. vom 26. bis 28. Juni Mehr Informationen

Save the Date: Jahrestagung von SUCHT.HAMBURG am 13. November 2019 in Hamburg

Gremien von SUCHT.HAMBURG

AK Sucht.Jugend 3. April 2019
FASD-Netzwerktreffen 3. April 2019
AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 8. April 2019
AK Enter 25. April
AK Vielfalt 23. Mai 2019


Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine