Mittelpunkt - Newsletterausgabe Dezember 2019

Liebe Leser*in,

schon wieder ist ein arbeitsreiches Jahr vorüber und einige von Ihnen fragen sich möglicherweise wo die Zeit geblieben ist, schreiben noch letzte wichtige Berichte oder bereiten anstehende Aufgaben des Jahres 2020 vor.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie spätestens in der kommenden Woche die notwendige Zeit finden innezuhalten, das Jahr Revue passieren zu lassen und die hoffentlich freien Tage so zu verbringen, wie Sie es sich wünschen. Vielleicht gehört auch die Lektüre unseres Newsletters dazu, dann erwarten Sie Berichte zur Auswertung der Statistik der ambulanten Suchthilfe in Hamburg, zu den Tagungen der Drogenbeauftragten und der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, Erkenntnisse zum Thema eZigarettenkonsum von Jugendlichen sowie zahlreiche Veranstaltungs- und Fortbildungshinweise.
Ich bedanke mich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und freue mich, auch im kommenden Jahr wieder mit Ihnen gemeinsam für die Anliegen der Suchtkrankenhilfe und Suchtvorbeugung aktiv zu sein.

Herzliche Grüße

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Ambulante Suchthilfe in Hamburg hat im Jahr 2018 15.068 Personen beraten und betreut!

Anfang Dezember wurde der Ergebnisbericht der Basisdatendokumentation der ambulanten Suchthilfe (BADO) in Hamburg veröffentlicht. Über 15.000 Personen suchten demnach in 2018 eine ambulante Suchthilfeeinrichtung in Hamburg auf, 30 Prozent davon sind Frauen. Nahezu unverändert sind die Angaben (Mehrfachnennungen) der Klient*innen zu den konsumierten Hauptdrogen: 66 % der Klient*innen nannten Alkohol, 46 % Cannabis, 33 % Kokain, 29 % Opioide/Heroin, 15 % Amphetamine, jeweils 14 % Sedativa bzw. Crack und 6 % Halluzinogene als Hauptdrogen, weitere 13 % hatten eine Glücksspielproblematik (Quelle: BADO e.V. [Hrsg.] 2019: Suchthilfe in Hamburg. Statusbericht 2018 der Hamburger Basisdatendokumentation in der ambulanten Suchthilfe und der Eingliederungshilfe. Hamburg).

In einer speziellen Auswertung durch Forscher*innen des Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung in Hamburg wurde analysiert, wie sich die Klient*innen der Suchthilfeeinrichtungen auf zu 13 Regionen zusammengefasste 98 Stadtteile in Hamburg verteilen. In diesem Zusammenhang wurden Erreichungsquoten mit stadtteilspezifischen Sozialdaten korreliert. In diese Sonderauswertung flossen die Daten von 35.620 verschiedenen Klient*innen ein, die in den Jahren 2014 – 2018 in einer Suchthilfeeinrichtung beraten wurden. Als zentrale Erkenntnisse nennen die Forscher*innen:

  • Die Erreichungsquote (bezogen auf die Einwohnerzahl) war insgesamt hoch. Es wurden etwa 2,7 % der Hamburger*innen (Altersgruppe 18 - 64 Jahren) in Einrichtungen der Suchthilfe beraten oder betreut.
  • Die Erreichungsquote hängt von verschiedenen von Faktoren ab, wie z.B. der nicht bekannten Anzahl von Personen mit einer Suchtproblematik, der unterschiedlichen kulturell oder durch die Schwere der Erkrankung bedingten Erreichbarkeit von Menschen mit Suchtproblemen, dem Vorhandensein und der Bekanntheit von Suchthilfeeinrichtungen.
  • Die Erreichungsquoten für Frauen und Männer waren nahezu gleich.

Darüber hinaus gibt einen sehr starken Zusammenhang zwischen dem Sozialindex und den Erreichungsquoten in den 98 berücksichtigten Stadtteilen: Je größer die Problemlagen laut Sozialindex für die Stadtteile sind, desto mehr Klient*innen werden aus diesen Stadtteilen erreicht.

Weitere Informationen zur BADO und Downloadmöglichkeit unter www.bado.de.

Kinder und Jugendliche greifen eher zur Zigarette, wenn sie vorher E-Zigaretten geraucht haben

Eine aktuelle Studie des Instituts für Therapieforschung Nord zum E-Zigarettenkonsum und späterem Konsum konventioneller Zigaretten zeigt, dass Kinder und Jugendliche eher zur Zigarette greifen, wenn sie vorher E-Zigaretten geraucht haben (Quelle: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1041-9970).

Dies bestätigen auch vertiefende Auswertungen zum Dampfen und Rauchen der aktuellen SCHULBUS-Studie von SUCHT.HAMBURG. Nicht nur dass das Dampfen von eZigaretten und eShishas insgesamt auf dem Vormarsch ist, sondern mit zunehmender Dauer des eZigarettengebrauchs steigt auch der Anteil derer, die von nikotinfreien auf nikotinhaltige Liquids umsteigen. Im Weiteren betrachtete Theo Baumgärtner in der speziellen Auswertung diejenigen Dampfer*innen, die auch angeben schon mal Tabak konsumiert (65% der Dampfer*innen) zu haben. Von diesen sogenannten Dual Usern geben etwa 35% an, mindestens ein Jahr vor dem Konsum eines tabakhaltigen Produktes bereits gedampft zu haben. Es mehren sich also die Hinweise, dass eZigaretten den Einstieg in den späteren Tabakkonsum begünstigen.

Wenngleich nun vor kurzem das in Deutschland längst überfällige Werbeverbot für Tabakwaren und eZigaretten auf den Weg gebracht wurde, soll es aufgrund einer Übergangsfrist noch bis Ende 2023 Werbung für eZigaretten geben. Und die spricht insbesondere Jugendliche an, wie vor kurzem auch die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig in einem Interview (https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/e-zigaretten-drogenbeauftragte-fordert-werbeverbot-a-1291400.html) kritisierte.

Für die Suchtprävention bedeutet dies unter anderem, dass im Umgang mit eZigaretten kein Unterschied zur Tabakprävention gemacht werden darf und neben der Arbeit mit Jugendlichen auch deren Eltern und Fachkräfte verstärkt in den Blick genommen werden müssen.

Den ausführlichen Artikel mit dem Titel „Ist Dampfen das neue Rauchen?“ von Theo Baumgärtner finden Sie in der 51. Ausgabe unserer ZEITUNG für Suchtprävention, die im Januar 2020 erscheinen wird.

"Sucht im Fokus - Kommunen engagiert vor Ort!" - Jahrestagung der Drogenbeauftragten des Bundes am 25. November 2019 und Workshop der Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht am 26. November 2019 in Berlin

Im November ludt Daniela Ludwig, die neue Drogenbeauftragte des Bundes, zur Jahrestagung "Sucht im Fokus - Kommunen engagiert vor Ort!" ein. Mehr als 300 Expertinnen und Experten aus der Suchthilfe, Suchtprävention, dem Gesundheitswesen und Wissenschaft waren der Einladung gefolgt.

Im Rahmen der Tagung wurden Fragen um die Sicherstellung der notwendigen Unterstützung für suchtkranke Menschen, Vernetzung von Suchhilfe und Suchtberatung mit den Kommunen und auch die Digitalisierung in Suchthilfe- und -prävention diskutiert. Dazu die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig: „Wir müssen sicherstellen, dass die Suchthilfe und Beratung, die Prävention und Hilfe vor Ort auch in Zukunft funktioniert! Natürlich sind die Anforderungen an die Kommunen nicht immer vergleichbar, aber vieles lässt sich durch gutes Netzwerken und Lernen voneinander besser und schneller bewältigen. Auch die Möglichkeiten der Digitalisierung als Ergänzung zur persönlichen, klassischen Beratung spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese Potentiale gilt es zu nutzen, um die Hilfsangebote – analog und digital - zukünftig noch wirkungsvoller zu machen.“ (Quelle: https://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2019/iv-quartal/jahrestagung-der-drogenbeauftragten-2019-sucht-im-fokus-kommunen-engagiert-vor-ort.html)

Ein Tag später ludt die Deutsche Drogenbeobachtungstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) in Berlin zum Workshop „Sucht sucht Verbündete – Kommunen als Gestalter und Partner“ ein. In dem Workshop diskutierten etwa 50 Expert*innen aus den Ländern über die Rolle von Kommunen beim Umgang mit dem Themenkomplex Drogen und Sucht im städtischen Raum.

Gerade in den größeren Städten haben sich die Herausforderungen in den letzten Jahren, wie etwa wahrgenommene Veränderungen im öffentlichen Raum und die noch stärkere Notwendigkeit vernetzter Behandlung aufgrund vielfältiger sozialer Probleme, zum Teil deutlich verändert.

Überaus anregend war in diesem Rahmen die Vorstellung des Konzeptes „Sicher gemeinsam – Herausforderungen im öffentlichen Raum in Wien“ durch Isabella Lehner-Oberndorfer von der Sucht- und Drogenkoordination Wien (https://sdw.wien). Das Konzept hat unter anderem zum Ziel, Suchtentwicklung zu verhindern oder zu mindern, Menschen mit einer Suchtproblematik sollen in das gesellschaftliche Leben integriert sein, der Kreislauf aus Arbeitslosigkeit, Sucht und sozialer Desintegration durchbrochen und Marginalisierung verhindert werden. Im Fokus steht dabei ein sozial verträgliches Mit- oder Nebeneinander aller Nutzer*innengruppen im öffentlichen Raum.

Als Erfolgsfaktoren wurden neben der Kooperation mit einer Vielzahl strategischer Partner*innen aus der Suchthilfe, dem Gesundheitswesen, den Verkehrsbetrieben, der Stadtreinigung uvm. die geteilte Verantwortung und das gemeinsame Handeln ausgehend vom Bürgermeister der Stadt Wien für die Lösung von sozialen Problemen und den konkreten Problemlagen im öffentlichen Raum benannt.

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Zusammenfassung der Tagung zu Partizipation und Teilhabe in der Suchthilfe am 13. November 2019 von SUCHT.HAMBURG

Das Bundesteilhabegesetz fordert die Umsetzung von Inklusion im Sinne der Förderung von gleichberechtigter Teilhabe für alle Menschen mit oder ohne Beeinträchtigungen, was zu Veränderungen von Strukturen und Abläufen in den Einrichtungen der Suchthilfe führt. Aus diesem Anlass standen partizipative Ansätze in Suchtprävention und Suchthilfe im Fokus unserer Jahrestagung am 13. November 2019. Eine ausführliche Zusammenfassung und die Vorträge zum Download finden Sie hier. Die beiden Impulsvorträge können auch in unserem YouTube-Kanal angesehen werden.

Alkohol? Kenn dein Limit! Unterrichtsmaterial

Das neue Unterrichtsmaterial der BZgA zur Kampagne Alkohol-kenn dein Limit! zum Thema Klassenreisen mit dem Titel „Abgefahren – es geht auch ohne“ erscheint Anfang des Jahres 2020. Es enthält Unterrichtsvorschläge zur Vorbereitung alkohol- und drogenfreier Klassenreisen für die Sekundarstufen 1 und 2 und ein kleines Manual mit Tipps und Hilfestellungen.

Ein heikles Thema gezielt ansprechen – Fortbildung zu Methoden motivierender Gesprächsführung am 23. und 24. Januar 2020

Die zweitägige Fortbildung bietet eine Einführung in die Grundlagen zur motivierenden Gesprächsführung nach Miller und Rollnick und enthält zahlreiche Übungssequenzen. Sie richtet sich an die Kooperationspartner der Netzwerke rund um Schwangerschaft, Familie und Sucht lina-net und connect, sowie an weitere Interessierte aus diesen Arbeitsfeldern. Ziel ist es, dass es den Fachkräften in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern gelingt, den Konsum von Suchtmitteln und die damit verbundenen Risiken mit ihren Klient*innen und Betreuten anzusprechen und einen Weg zur Veränderung des Verhaltens mit ihnen zu entwickeln. Informationen und Anmeldung

Kita-MOVE - Motivierende Kurzintervention im Elterngespräch

Gespräche mit Eltern sind nicht immer einfach, gerade, wenn es um persönliche Themen wie Erziehung und Gesundheit geht. Und: Im pädagogischen Alltag gibt es zwar häufige, aber meist nur kurze „zwischen Tür und Angel“-Begegnungen mit den Eltern. Kita-MOVE unterstützt pädagogische Fachkräfte aus Kindertagesstätten, Familienzentren und den Frühen Hilfen dabei, in solchen Situationen Eltern auch zu vermeintlich „schwierigen“ Themen positiv anzusprechen und Impulse für Veränderungen zu geben.

SUCHT.HAMBURG bietet am 24.3., 25.3. und 6.4.2020 eine dreitägige Fortbildung des bundesweit agierenden Projektes Kita-MOVE an. Die Fortbildung bietet hilfreiche Instrumente, um diese Alltagssituationen und Gesprächsanlässe kompetent und gezielt zu nutzen. Erzieher*innen und Pädagog*innen werden in ihrer Professionalität im Elternkontakt gestärkt und gleichzeitig entlastet. Die Fortbildung knüpft an vorhandenes Wissen an, gibt Neues dazu und lässt viel Raum zum Ausprobieren. Kita-MOVE versteht sich als Angebot vor dem Angebot, weil es dazu beitragen kann, Eltern partnerschaftlich zu begegnen und sie für die Annahme von externen Hilfen zu gewinnen. Weitere Informationen zu Kita-MOVE finden sich unter www.kita-move.de. Informationen zur Fortbildung finden Sie hier.

Nächster Kurs des Hamburger Basiscurriculums Jugend und Sucht ab Mai 2020

Am 8. Mai 2020 startet ein neuer Durchgang des über zwei Jahre laufenden Basiscurriculums Jugend und Sucht. Innerhalb dieser Zeitspanne können Fortbildungsangebote der Module Theorie – Information – Grundwissen sowie Praxisansätze – Interventionen belegt werden, um sich für den Abschluss in 2022 zu qualifizieren. Bei dem Angebot für Hamburger Fachkräfte aus den Bereichen Jugendhilfe und Schule sowie angrenzender Bereiche handelt es sich um eine Kooperation von der Beratungsstelle Kompaß, Kajal, DZSKJ, SPZ und SUCHT.HAMBURG. Anmeldungen sind unter www.suchtpraevention-fortbildung.de bzw. www.basiscurriculum-hamburg.de ab April 2020 möglich.

Positionspapier der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. zur Bürgerschaftswahl

Zur Bürgerschaftswahl im Februar 2020 hat die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) insgesamt 19 Forderungen an die Politik formuliert, um die Bedürfnisse und Auffassungen der Drogen- und Suchtkrankenhilfe in Hamburg zu verdeutlichen. Von einer verlässlichen Anpassung der Tarifsteigerungen in der Hamburger Suchtkrankenhilfe über guten Jugendschutz und Werbeverbote bis hin zu besserem Gesundheitsschutz durch kontrollierte Abgabe von Cannabis reichen die Forderungen der HLS, die diese anlässlich der Wahl Anfang 2020 an die Politik stellt. Ausführliche Informationen

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Ein heikles Thema gezielt ansprechen - Methoden motivierender Gesprächsführung vom 23. bis 24. Januar 2020 Informationen und Anmeldung

KlarSicht-Präventionsparcours Koffervariante - Fortbildung für Multiplikator*innen in Schule und Jugendarbeit am 7. und 14. Februar 2020 Informationen und Anmeldung

Eigenständig werden - Unterrichtsprogramm für die Jahrgangsstufen 1-4, 5&6 am 8. Februar 2020 Informationen und Anmeldung

Aufwachsen mit alkoholbelasteten Eltern – Grundlagenfortbildung am 10. Februar 2020 Informationen und Anmeldung

Dissozialität und Drogenkonsum - Schwerpunkt: Lebenswelt Jugendstrafvollzug am 19. März 2020 Informationen und Anmeldung

Trauma: Wissensgrundlagen und Handlungshinweise - für den Umgang mit psychisch traumatisierten Kindern und Jugendlichen am 3. April 2020 Informationen und Anmeldung

Mehr aktuelle Fortbildungsangebote in Hamburg finden Sie auf unserem Fortbildungsportal

Termine

Fachtagung „Digitalisierung konkret" am 12. Februar 2020 in Kiel Mehr Informationen

Einladungstagung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Qualität in der Suchtprävention 14. und 15. Mai 2020 in Lübeck

42. fdr+sucht+kongress des Fachverbandes Drogen- und Suchthilfe e.V. (fdr+) 25. bis 26. Mai 2020 in Berlin Mehr Informationen

Save the Date: Suchttherapietage „Veränderte Gesellschaft, veränderte Sucht: Therapie und Prävention wie gehabt?“ vom 02. bis 05. Juni 2020 in Hamburg Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 27. Januar 2020

AK Sucht.Jugend 5. Februar 2020

AK Vielfalt 20. Februar 2020

FASD-Netzwerktreffen 29. April 2020

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine