Das Bundesteilhabegesetz fordert die Umsetzung von Inklusion im Sinne der Förderung von gleichberechtigter Teilhabe für alle Menschen mit oder ohne Beeinträchtigungen, was zu Veränderungen von Strukturen und Abläufen in den Einrichtungen der Suchthilfe führt. Aus diesem Anlass standen partizipative Ansätze in Suchtprävention und Suchthilfe im Fokus der Jahrestagung am 13. November 2019.

Den Auftakt machte Prof. Dr. med. Gerhard Trabert, Hochschule RheinMain mit einemFachvortrag zum Thema Stärkung der psychosozialen Gesundheit von chronisch mehrfach beeinträchtigten Menschen. Prof. Dr. Trabert legte in seinem Vortrag einen Schwerpunkt auf strukturelle Benachteiligungen, denen chronisch kranke Menschen ausgesetzt sind und die mit sozialer Arbeit nicht beseitigt werden können. Ein wesentlicher Aspekt sei es im weiteren, die vielfältigen Ressourcen, über die – auch - chronisch kranke Menschen verfügen, in der Arbeit stets mit einzubeziehen und damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Selbstwertgefühls der Betroffenen zu leisten. Als Beispiel berichtete er von einem Projekt, bei dem Obdachlose Spenden für Kinder in Weißrussland sammelten.

Zu partizipativen Ansätzen in der Suchtprävention berichtete danach Dr. Petra Narimani, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin. Dr. Narimani benannte Partizipation als Vorbedingung für Inklusion und machte darauf aufmerksam, dass dies keine neue Methode sei. Sie benannte dabei unter anderem Action Research (Aktionsforschung nach Kurt Lewin) als eine Methode, die als Spirale sich wiederholender Schritte gut in der Suchthilfe und Suchtprävention eingesetzt werden kann.

In einer anregenden Podiumsdiskussion diskutierten Dr. Petra Narimani, Birgit Schröder (Der Paritätische Hamburg), Payam Abassi (Narcotics Anonymous) und Dietrich Hellge-Antoni (Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz) nach den Impulsvortägen gemeinsam mit dem Publikum, wie inklusiv die Suchthilfe bereits sei und welche Herausforderungen es noch zu überwinden gilt. Eine Frage die sich den Suchtberater*innen zukünftig wahrscheinlich häufiger stellen wird ist, wie weit das Recht auf Teilhabe gehen kann, wenn es um Therapieziele geht und der bzw. die Klient*in zum Beispiel kontrolliert weiter konsumieren möchte, wenngleich dies aus Sicht der Suchtberater*in nicht zielführend wäre.

Zusammenfassung der Workshopsessions am Nachmittag:

gesundhigh – ein Präventionsprogramm (Alida-Schmidt-Stiftung)
Vor dem Hintergrund eines Leitungswechsels in der Einrichtung entstand für die betreuen Frauen/ Klientinnen das Gesundheitsprojekt gesundhigh. In insgesamt sieben Workshops innerhalb eines Jahres wurde mit allen Mitarbeitenden eine gemeinsame Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragestellungen der Zusammenarbeit und Inhalte begonnen mit dem Ziel, die Gesundheit der Klientinnen zu fördern. In dem Projekt wurden Fragen bearbeitet wie z.B. wie sich die intrinsische Motivation der Klientinnen aktivieren lässt, wie sich die Ziele der Klientinnen besser berücksichtigen lassen, interaktive Methoden entwickelt und ein Peer-to-peer-Ansatz ausprobiert.

Rosa – Fallbesprechung einer Familie in der eine Suchtmittelabhängigkeit besteht (IGLU Beratungsstelle, Palette e.V.)
Im Workshop stellten zwei Mitarbeiterinnen der IGLU Beratungsstelle anhand des Falls Rosa aus ihrer Beratungsarbeit vor, wie ein aus ihrer Erfahrung relativ typischer Lebensweg eines Kindes aus einer drogenbelasteten Familie aussieht. Danach beschäftigten sich die Workshop-Teilnehmer*innen in vier Arbeitsgruppen u.a. mit der Frage, inwiefern Rosa partizipativ auf ihrem Lebensweg begegnet wurde und wie man selbst als Fachkraft in seinem eigenen Arbeitsfeld mit Rosa gearbeitet. Die Erkenntnis der Workshop-Teilnehmer*innen fiel relativ ernüchternd aus: Leider ist ein partizipatives Arbeiten in Familien mit Drogenproblemen noch nicht selbstverständlich.

Partizipation von Kindern suchtbelasteter Eltern (Such(t)- und Wendepunkt e.V.)
Im Workshop wurde einerseits die Arbeit von Such(t)- und Wendepunkt e.V. (SuW) vor der Fragestellung vorgestellt, wie partizipativ der Anbieter von Familienhilfe für alkoholbelastete Familien bereits arbeitet. Einen Schwerpunkt im Workshop stellte die Vorstellung der Wochenendfreizeiten für 8-13jährige Kinder aus alkoholbelasteten Familien dar. In die Vorbereitung und Ausgestaltung der vom Verein 4- bis 6-mal jährlich angebotenen Wochenendausflüge werden die Kinder einbezogen. Auf diese Weise fand SuW heraus, dass den Kindern Zeit für freies Spiel besonders wichtig ist.

Geistige Behinderung und Suchterkrankung – Chancen und Grenzen Partizipativer Ansätze (TGJ Suchtberatung)
Robert Scheibe von der TGJ Suchtberatung diskutierte in der von ihm geleiteten Session mit den anwesenden Teilnehmer*innen die besonderen Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit „Geistiger Behinderung und Suchterkrankung“ ergeben. Durch die zunehmende Ambulantisierung in der Behindertenhilfe nehmen auch die Anforderungen an die betroffene Personengruppe zu, so dass bestimmte Aufgaben nunmehr allein oder mit weniger Unterstützung als im bisher elterlichen oder stationären Wohnumfeld bewältigt werden müssen. Die gewonnene Eigenverantwortung und Unabhängigkeit der Betroffenen geht allerdings auch mit einem erhöhten Risiko der Entwicklung von Suchtproblemen einher, die eine adäquate Präventions- und Unterstützungsstrategie durch die Systeme der Behinderten- und Suchtkrankenhilfe bedürfen.

Partizipation am Beispiel einer fremdsprachigen Selbsthilfegruppen der Narcotics Anonymous (NA)
Payam Abassi stellte im Rahmen eines Forums einen partizipativen Ansatz am Beispiel einer fremdsprachigen Selbsthilfegruppe vor. Es wurde herausgearbeitet, wie wichtig die gemeinsame und gemeinschaftliche Unterstützung der Mitglieder im Meeting für die Stabilisierung im Rahmen einer Entwöhnung oder aber auch zur Förderung der Motivation, den eigenen Konsumstatus zu verändern sein kann. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Faktor, dass auch Besucher*innen, die schon lange in Deutschland (Hamburg) leben, des hier persischsprachigen Meetings ein Heimat- und Zughörigkeitsgefühl entwickeln, dass ihnen weitere Sicherheit und Stabilität gibt. Im Forum fand ein überaus anregender Austausch zu der eigenen Geschichte von Payam Abassi, aber auch der Verbreitung und Rolle der NAs besonders im persischsprachigen Raum und für die erfolgreiche Nachsorge einer Suchtbehandlung statt.

Planspiel: Partizipation Betroffener – Fachausschuss Suchtselbsthilfe NRW (Blaues Kreuz Deutschland e.V.)
Ziel des Projektes Partizipation Betroffener ist es, ein gemeinsames Verständnis von Betroffenenkompetenz in allen Feldern der haupt- und ehrenamtlichen Suchthilfe zu entwickeln und daraus Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, um die Fähigkeiten, Erfahrungen und Bedarfe Betroffener systematisch zur Weiterentwicklung des Suchthilfesystems in NRW, insbesondere in den Kommunen einzubinden. Für die Erhebung der Kompetenzen wurde ein Planspiel entwickelt und umgesetzt und erste Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Die Workshopteilnehmer*innen waren besonders beeindruckt, wie gut die verschiedenen Akteure der haupt- und ehrenamtlichen Suchthilfe einbezogen werden konnten und dass die Selbsthilfe intensiv in die Erarbeitung der Suchthilfekonzeption der Stadt Krefeld einbezogen wurde.

Vorträge zum Download:

Prof. Dr. Gerhard Trabert - Psychosoziale Gesundheit von chronisch mehrfach beeinträchtigten Menschen stärken. Aber wie?

Dr. Petra Narimani - Partizipative Ansätze in der Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe: Möglichkeiten, Chancen, Herausforderungen

Die beiden Vortäge können auch auf unserem YouTube-Kanal angesehen werden

Ergänzende Informationen und Datenquellen zum ‚Standpunkte-Beitrag‘ in der Hamburger Morgenpost zum Thema E-Zigarettenwerbung:

zitierte Textquellen:

https://vd-eh.de/vdeh-zeigt-sich-irritiert-ueber-forderungen-von-pruefer-storcks-nicht-die-werbung-ist-das-problem-sondern-die-durchsetzung-der-gueltigen-jugendschutzbestimmungen/.

http://www.das-kartell.net

http://www.reemtsma.com/reethink/stories/praeventionsexperte-jazbinsek-die-werbung-fuer-e-zigaretten-muss-versagen-der-bundesregierung-auffangen/

verwendete Prävalenzzahlen:

Verbreitung der Nutzung von E-Zigaretten und E-Shishas unter Jugendlichen in verschiedenen Regionen Deutschlands

 E Konsumprvalenz

verwendete Datenquellen:

Baumgärtner, T. & Hiller, Ph. (2017). Suchtmittelgebrauch, Computerspiel- und Internetnutzung, Glücksspielerfahrungen und Essverhalten von 14- bis 17-jährigen Jugendlichen in der Freien Hansestadt Bremen. Deskriptive Ergebnisse der SCHUL¬BUS-Untersuchung in Bremen und Bremerhaven 2016/17. Hamburg: Sucht.Hamburg gGmbH.

Baumgärtner, T. & Hiller, Ph. (2019a). SCHULBUS Bayern – Schüler- und Lehrerbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln 2017/18. Zusammenfassende Ergebnisse einer Untersu¬chung unter 14- bis 17-Jährigen in Nürnberg und München sowie in den Landkreisen Miltenberg, Dillingen und Weilheim-Schongau. Hamburg: Sucht.Hamburg gGmbH.

Baumgärtner, T. & Hiller, Ph. (2019b). Epidemiologie des Suchtmittelgebrauchs unter Hamburger Jugendlichen 2004 bis 2018 Basisbericht der Schüler*innen- und Lehrkräftebefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln – SCHULBUS 2018. Teilband Schüler*innenbefragung. Hamburg: Sucht.Hamburg gGmbH.

Orth, B. & Merkel, C. (2019). Rauchen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse des Alkoholsurveys 2018 und Trends. BZgA-Forschungsbericht. Koln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklarung. doi: 10.17623/BZGA:225-ALKSY18-RAU-DE-1.0.

Kamphausen, G., Werse, B., Klaus, L. & Savari, L. (2018). MoSyD Jahresbericht 2017. Drogentrends in Frankfurt am Main. Centre for Drug Research (CDR), Frankfurt.

Kraus, L., Piontek, D., Seitz, N.-N. & Schoeppe, M. (2016). Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen 2015 (ESPAD): Befragung von Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klasse in Bayern (IFT-Berichte Bd. 188). München: IFT Institut für Therapieforschung.

Alle Informationen als PDF-Download

SCHULBUS

Im September 2019 wurde der Basisbericht der SCHULBUS-Studie zum Substanzkonsum der Hamburger Jugendlichen vorgelegt.

Die Ergebnisse der aktuellen Schüler*innen- und Lehrer*innenbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS) aus 2018 zeigen, dass sich der Policy-Mix der Suchtprävention in Hamburg bewährt.In den letzten Jahren kamen Maßnahmen der Verhaltensprävention ebenso zum Einsatz wie parallel auch Maßnahmen der Verhältnisprävention. Gerade die Kombination zeigt nun Wirkung.

Beim Alkoholkonsum der Jugendlichen schlägt sich die erfreuliche Entwicklung nicht nur beim allgemeinen Konsum nieder, sondern auch beim dem als problematisches Trinkmuster definierten Binge Drinking. Nur noch 17 Prozent der Jugendlichen gaben 2018 an, im letzten Monat mehr als fünf alkoholische Getränke bei einer Trinkgelegenheit konsumiert zu haben (= Binge Drinking). In 2012 hatten noch 31 Prozent der Jugendlichen angegeben, Rauschtrinken zu praktizieren. Auch die Fallzahlen der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Alkoholintoxikation in Hamburg sind nochmals gesunken.

Ebenso erfreulich ist die fast parallel verlaufende Entwicklung beim Tabakkonsum von Jungen und von Mädchen. In den letzten 30 Tagen hatten 34 Prozent der Jungen und 21 Prozent der Mädchen geraucht. Damit stabilisieren sich die Konsumwerte bei beiden Geschlechtern weiterhin auf dem in 2015 erreichten niedrigen Niveau. In 2012 hatten noch 50 Prozent der Jungen und 34 Prozent der Mädchen angegeben, im letzten Monat geraucht zu haben.

Deutlich zugenommen hat allerdings die Beliebtheit von E-Zigaretten und E-Shishas. Die Anzahl der jungen Dampfer*innen hat sich in den letzten drei Jahren um sechs Prozentpunkte auf 17 Prozent in 2018 erhöht.

Ausführliche Ergebnisse der SCHULBUS-Untersuchung finden sich im Basisbericht. Der Bericht kann darüber hinaus im Shop bestellt werden.

Baumgaertner Hiller 2016 SCHULBUS Bericht 2015

Praktikant*in gesucht

Zur Verstärkung unserer Fachstelle suchen wir ab August 2020 eine Praktikant*in:

Unser Angebot:

  • Kennenlernen der Arbeitsfelder der landesweiten Fachstelle für Suchtfragen
  • Überblick über evidenzbasierte Ansätze der Suchtprävention und Suchthilfe, ihre Praxis und Umsetzung
  • Einblick in die strukturellen und fachpolitischen Zusammenhänge von Suchtprävention, Suchthilfe sowie der Arbeit der Fachstelle
  • Teilnahme an internen und externen Gremien und Arbeitskreisen, Kennenlernen von und Einbindung in vorhandene, aktuelle Vorhaben und Projekte

Ihre Aufgaben:

  • Unterstützung der Mitarbeitenden der Fachstelle zum Beispiel durch Recherchetätigkeiten und strukturierte Aufbereitung von Daten und Informationen
  • Mitarbeit bei der Erstellung von Konzepten, Strategien und Berichten
  • Organisation, Begleitung und Nachbereitung von Veranstaltungen, Gremien und Arbeitsgruppen
  • Mitarbeit bei der Organisation, Durchführung und Auswertung von Evaluationen
  • Verteilerrecherche und –pflege, Unterstützung der Telefonzentrale, Kopier- und Scantätigkeiten
  • Mitwirken an den administrativen Abläufen

Ihre Qualifikationen:

  • Sie sind Student*in eines sozial- , gesundheits-, erziehungswissenschaftlichen Studiums oder eines anderen passenden Studienganges
  • Sie suchen einen Platz für Ihr Pflichtpraktikum über drei bis sechs Monate oder ein freiwilliges Praktikum zur beruflichen Orientierung für maximal drei Monate
  • Sie haben ein ausgeprägtes Interesse an den Themenfeldern Gesundheitsförderung, soziale Ungleichheit und den Themen Suchtprävention und Suchthilfe
  • Sie sind offen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Arbeitsfeldern der Fachstelle und bringen eigene Ideen mit
  • Ausgeprägte organisatorische und kommunikative Fähigkeiten
  • Analytisches Denken und ggf. Kenntnisse im Umgang mit Methoden der empirischen Sozialforschung

Voraussetzungen:

  • Eingeschriebener Student (m/w/d) BA/MA/Diplom
  • Sehr gute Deutsch und MS Office-Kenntnisse
  • Engagement, Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit

Wir bieten:

  • Spannende Aufgaben und zahlreiche Einblicke in die praktischen Abläufe einer Fach- und Koordinierungsstelle für Suchtprävention und Suchthilfe
  • Erfüllung aller Anforderungen Ihrer Praktikumsordnung
  • Eine abwechslungsreiche Tätigkeit in einem heterogenen Team
  • Eigenverantwortliches Arbeiten und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen
  • Die Möglichkeit auch Ihre Abschlussarbeit aus einem Themenfeld des Praktikums heraus zu wählen

Einsatzort:          Hamburg, SUCHT.HAMBURG gGmbH

Beginn:                ab sofort

Dauer:                 3 Monate, bei Pflichtpraktika entsprechend der Studienordnung 3 bis 6 Monate

 

Kontakt: Christiane Lieb

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Liebe Leser*in,

vor kurzem wurden die Ergebnisse unserer aktuellen Schüler*innen- und Lehrer*innenbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS) veröffentlicht. Erfreulich sind nicht nur Rückgänge im Konsum beispielsweise der Droge Nr. 1 Alkohol, sondern die Ergebnisse unterstreichen auch, dass der sogenannte Policy-Mix der Suchtprävention wirkt. Damit ist gemeint, dass durch ein Bündel an Maßnahmen, das verhaltens- und verhältnispräventive Aktivitäten umfasst, der Konsum von Tabak bei Jugendlichen deutlich und nachhaltig reduziert werden konnte. Dies ist vielleicht ein guter Ansatz zur Intensivierung für die neue Drogenbeauftragte des Bundes  Daniela Ludwig, die vor kurzem ihre Tätigkeit in Berlin aufgenommen hat.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und kommen Sie gut durch den Herbst!

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

SCHULBUS: Alkohol- und Tabakkonsum der Hamburger Jugendlichen stabil auf niedrigem Niveau

Die Ergebnisse unserer aktuellen Schüler*innen- und Lehrer*innenbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS) aus 2018 zeigen, dass sich der Policy-Mix der Suchtprävention in Hamburg bewährt hat. In den letzten Jahren kamen Maßnahmen der Verhaltensprävention ebenso zum Einsatz wie parallel auch Maßnahmen der Verhältnisprävention.

Gerade die Kombination zeigt nun Wirkung: Beim Alkoholkonsum der Jugendlichen schlägt sich die erfreuliche Entwicklung nicht nur beim allgemeinen Konsum nieder, sondern auch beim dem als problematisches Trinkmuster definierten Binge Drinking. Nur noch 17 Prozent der Jugendlichen gaben 2018 an, im letzten Monat mehr als fünf alkoholische Getränke bei einer Trinkgelegenheit konsumiert zu haben (= Binge Drinking). In 2012 hatten noch 31 Prozent der Jugendlichen angegeben, Rauschtrinken zu praktizieren. Auch die Fallzahlen der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Alkoholintoxikation in Hamburg sind nochmals gesunken.

Ebenso erfreulich ist die fast parallel verlaufende Entwicklung beim Tabakkonsum von Jungen und von Mädchen. In den letzten 30 Tagen hatten 34 Prozent der Jungen und 21 Prozent der Mädchen geraucht. Damit stabilisieren sich die Konsumwerte bei beiden Geschlechtern weiterhin auf dem in 2015 erreichten niedrigen Niveau. In 2012 hatten noch 50 Prozent der Jungen und 34 Prozent der Mädchen angegeben, im letzten Monat geraucht zu haben.

Deutlich zugenommen hat allerdings die Beliebtheit von E-Zigaretten und E-Shishas. Die Anzahl der jungen Dampfer*innen hat sich in den letzten drei Jahren um sechs Prozentpunkte auf 17 Prozent in 2018 erhöht.

Weitere Ergebnisse aus der SCHULBUS-Studie:

Cannabisprodukte stellen nach wie vor die am weitesten verbreiteten Drogen unter den illegalen Suchtmitteln dar. Im Vergleich zum Jahr 2015 sind sowohl das Kiffen als auch der aktuelle Gebrauch von anderen illegalen Drogen in 2018 leicht angestiegen.

Unter den Medikamenten gelten die Schmerzmittel als die am häufigsten von den Jugendlichen eingenommenen Präparate. Ohne dass bei der Erhebung der Prävalenzzahlen danach unterschieden wurde, ob die jeweilige Einnahme mit oder ohne Vorliegen einer ärztlichen Verordnung erfolgte, ergibt die Auswertung der Daten, dass die Verbreitung des aktuellen Gebrauchs von Schmerzmitteln spürbar rückläufig ist, während die Verwendung von Beruhigungs- und Aufputschmitteln auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau der Vorjahre verbleibt.

Nachdem der Anteil der Jugendlichen, die aktuell an Glücksspielen um Geld teilgenommen haben, von 2012 nach 2015 signifikant angestiegen war, lässt sich für 2018 wieder ein leichter Rückgang feststellen.

Für den Bereich der PC-Spiele lässt sich anhand einer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) entwickelten Skala der Anteil der Hamburger Jugendlichen, die eine problematische Nutzung von PC-Spielen betreiben, mit rund 5% angeben. Dies entspricht unverändert in etwa den Werten, die bereits in den vorangegangenen SCHULBUS-Untersuchungen ermittelt wurden.

Dagegen lassen sich in 2018 im Vergleich zu den Erhebungen der Jahre 2012 und 2015 mit 14% nochmals spürbar mehr Jugendliche identifizieren, bei denen gemäß der Compulsive Internet Use Scale (CIUS) eine problematische Nutzung der verschiedenen Internetanwendungen vorliegt.

Den ausführlichen Ergebnisbericht finden Sie auf unserer Webseite unter https://www.sucht-hamburg.de/information/publikationen oder im Webshop.

Glücksspiele und Computerspiele - zwei verschiedene Paar Schuhe? Fortbildung von SUCHT.HAMBURG anlässlich des Aktionstags gegen Glücksspielsucht am 25. September

Gambling und Gaming - Glücksspiele und Computerspiele - haben für viele Menschen erstmal nicht viel miteinander zu tun. Bei den meisten Games geht es nicht um (finanzielle) Gewinne und man muss pro Spiel auch kein Entgelt entrichten. Beides, Entgelt und Gewinn, sind typische Kennzeichen von Glücksspielen, die zudem immer vom Zufall abhängig sind, zumindest überwiegend.

Und doch ist die Trennlinie zwischen Computer -und Glücksspielen gar nicht so einfach zu ziehen. Denn viele Glücksspiele werden ebenfalls online gespielt und einige sind als Geschicklichkeitsspiele „getarnt“. Sie entpuppen sich erst auf den zweiten Blick als Glücksspiel. Und es gibt auch Computerspiele, die einzelne Glücksspiel-Elemente aufweisen.

Auch für Suchtberaterinnen und –berater ist es nicht ganz einfach ist, in der sich ständig verändernden Angebotswelt der Glücks- und Computerspiele den Durchblick zu behalten. Im Jahr 2017 wurden von den Hamburger Berater*innen der ambulanten Suchthilfe 1.725 Personen wegen einer Glücksspielproblematik beraten. Zur Beratungsnachfrage von Personen mit einer Computerspielsucht liegen bundesweit noch keine Erkenntnisse vor, für Hamburg erwarten wir diese für Herbst/Winter 2019 mit der Veröffentlichung der Basisdatendokumentation der ambulanten Suchthilfe (BADO).

Um ein wenig Licht in dieses Spieledunkel zu bringen, fand am Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 25. September eine Fortbildung für Suchtberatungskräfte an einem realen Geldspielgerät und an unterschiedlichen aktuellen Computerspielen mit dem Ziel statt, die Anreizsysteme und Suchtfaktoren von Glücks- und Computerspielen besser kennenzulernen. Denn die Tricks und Finessen, mit denen die Geldspielgerätehersteller und Computerspieleentwickler arbeiten, um die Glücksspieler*innen und Gamer*innen möglichst lange und häufig zu binden, werden häufig erst dann sichtbar und nachempfindbar, wenn man die Spiele über einige Zeit und einige Levels erleben kann. Zu den Geldspielgeräten referierte zum Einstieg Jürgen Trümper, Arbeitskreis gegen Spielsucht e.V., Unna, zum Thema Computerspielsucht und Gaming Henning Fietze und Johannes Karstens, Offener Kanal SH AöR, Kiel.

Die spürbare Sogwirkung und somit das Suchtpotenzial, das von diversen Anreizsystemen aber auch dem Spielen im und mit einem Team ausgeht, hat die Fachkräfte, die an der Fortbildung teilgenommen haben, sehr beeindruckt und deren Sensibilität hinsichtlich der Risiken von Glücks- und Computerspielen nochmals erhöht.

Wir danken allen Beteiligten für die überaus gelungene Veranstaltung, die von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz finanziell unterstützt wurde.

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Daniela Ludwig als neue Drogenbeauftragte des Bundes ernannt

Daniela Ludwig (CSU) wurde im September 2019 vom Kabinett zur Nachfolgerin von Marlene Mortler berufen. Zu ihren Schwerpunkten werden die Förderung und Unterstützung von Initiativen und Aktivitäten der Sucht- und Drogenprävention gehören. Zudem zählt es zu ihren Aufgaben, neue Wege und Schwerpunkte in der Sucht- und Drogenpolitik zu entwickeln, um gesundheitliche, soziale und psychische Probleme zu vermeiden oder abzumildern. Frau Ludwig möchte nach eigener Aussage einen offenen Austausch mit allen Playern aus dem Drogen-und Suchtbereich pflegen, auch wenn dazu kontroverse Debatten geführt werden müssen. Wir gratulieren Frau Ludwig zu ihrem Amt und wünschen viel Erfolg für ihre Tätigkeit.

Fachtagung Fremdbestimmen.Mitbestimmen.Selbstbestimmen - Partizipation in der Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe

Partizipation und Teilhabe sind zentrale Qualitätsmerkmale in der Gesundheitsförderung, Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe und stellen erfolgversprechende Strategien zur Verbesserung der Lebenssituation chronisch erkrankter Menschen dar. Sie bedeuten für alle beteiligten Akteur*innen aber auch eine große Herausforderung. So muss u.a. der Blick über den eigenen Tellerrand erweitert, eingetretene Pfade des gewohnten Agierens verlassen und die bisherige Sicht auf die jeweilige Klientel gegebenenfalls korrigiert werden.

In unserer Jahrestagung 2019 wollen wir die Möglichkeiten und Chancen partizipativer und teilhabeorientierter Ansätze in der Suchtkrankenhilfe und Suchtprävention vorstellen, diskutieren und bewerten. Mit Hilfe von zwei Fachvorträgen wird zunächst eine gemeinsame Wissensgrundlage zum Themenfeld geschaffen. Diese Grundlagen werden dann im Rahmen einer Podiumsrunde vertieft, in der die vorgestellten Konzepte mit der gelebten Praxis abgeglichen und debattiert werden.

Nach der Mittagspause haben alle Teilnehmer*innen anhand von Praxisbeispielen sowie durch Anwendungs- und Beteiligungsphasen die Möglichkeit, ausgewählte partizipative Ansätze kennenzulernen und zu erproben. Ziel ist es, die Umsetzung einer partizipativen und teilhabeorientierten Arbeitsweise vor Ort zu fördern. Alle Teilnehmer*innen können sich ganz im Sinne eines partizipativen Ansatzes aktiv auch noch an der Ausgestaltung unserer Tagung beteiligen. Melden Sie sich gern bei uns, wenn Sie sich aktiv einbringen wollen.

Alle weiteren wichtigen Informationen und das Anmeldeformular zur Jahrestagung finden Sie hier.

Neue Informationen zu den Themen Neue psychoaktive Substanzen (NPS) und Methamphetamin von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

Aus der Reihe „Basisinformationen“ informiert umfassend und ausführlich der neue Ratgeber „Neue Psychoaktive Substanzen“. Dargestellt werden u.a. folgende Themen: Geschichte der NPS, rechtliche Lage, Verbreitung und Konsumformen, Vertrieb und Handel, besondere Risiken und Folgeschäden, Wirkgruppen sowie Hinweise für Eltern und Informationen zu Hilfeangeboten.

Zwei weitere neue Veröffentlichungen sind in der Informationsreihe „Die Sucht und ihre Stoffe“ zu „Methamphetamin“ und zu „Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS)“ erschienen. Die Broschüren geben einen Überblick zu Fakten, Wirkung und Risiken der Suchtsubstanzen. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten finden sich unter www.dhs.de

Neue Veröffentlichungen von SUCHT.HAMBURG

Materialien in einfacher Sprache für den Alltag in der Suchthilfe

Im Alltag der Suchthilfe kommen viele Fachbegriffe zum Einsatz. Was in Beratung, Behandlung und Therapie passiert und wozu lange Fragebögen ausgefüllt werden sollen, ist häufig nicht einfach zu erklären. Komplizierte Sätze, mit Fremdwörtern gespickte Formulare und verschiedenste Abkürzungen können Klient*innen und Angehörige verunsichern und führen leicht zu Missverständnissen. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde von SUCHT.HAMBURG und dem Arbeitskreis Vielfalt nach und nach Fact Sheets zu gängigen Begriffen in einfacher Sprache entwickelt. Unterstützt wurde SUCHT.HAMBURG dabei vom Büro für leichte Sprache in Hamburg.

Bisher wurden vier Info-Blätter erarbeitet, die auf der Webseite unter www.sucht-hamburg.de kostenlos als Download zur Verfügung stehen. Je nach Bedarf werden weitere Fact Sheets erarbeitet und veröffentlicht, wir informieren an dieser Stelle darüber.

Suchtprävention in Hamburg – Band 3

Spezifische Informationen zu suchtpräventiven Konzepten, Projekten und Maßnahmen der letzten Jahre können ab sofort in dem frisch erschienenen Hamburger Suchtpräventionsbericht entnommen werden. Auf 44 Seiten werden suchtpräventive Strukturen in Hamburg beschrieben, mit dem Thema befasste Einrichtungen vorgestellt und ausgewählte Suchtpräventionsangebote beschrieben. Der Bericht wird herausgegeben SUCHT.HAMBURG, dem SuchtPräventionsZentrum des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung sowie dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters und ist ab sofort kostenlos unter https://www.sucht-hamburg.de/shop erhältlich ist.

SCHULBUS Basisbericht 2018

Der Basisbericht zum Suchtmittelgebrauch, Computerspielverhalten, Internetnutzung, Glücksspielerfahrungen und Essverhalten von Jugendlichen in Hamburg im Jahr 2018 enthält detaillierte Auswertungen zur Schüler*innenbefragung des Jahres 2018. Der Bericht kann in unserem Webshop kostenpflichtig bestellt oder kostenfrei heruntergeladen werden.

ZEITUNG für Suchtprävention

Im August 2019 ist 50. und somit Jubiläumausgabe unserer ZEITUNG für Suchtprävention erschienen. In der 50. Ausgabe geht es vorrangig um die Themen Suchtprävention in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, Rauchen und Dampfen. Die ZEITUNG kann in unserem Shop heruntergeladen oder bestellt werden.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Essstörungen bei jugendlichen Mädchen – Ursachen am 22. Oktober Informationen und Anmeldung

Trinken, dampfen, rauchen, kiffen...Informationen und Tipps für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen am 5. November Informationen und Anmeldung

Nicht gern zu Haus - Aufwachsen mit alkoholabhängigen Eltern - Elterninformationen und praktische Hilfen am 13. November Informationen und Anmeldung

Motivierende Gesprächsführung bei exzessivem Medienkonsum – Praxisansatz am 5. Dezember Informationen und Anmeldung

Ein heikles Thema gezielt ansprechen - Methoden motivierender Gesprächsführung vom 23. bis 24. Januar 2020 Informationen und Anmeldung

KlarSicht-Präventionsparcours Koffervariante - Fortbildung für MultiplikatorInnen in Schule und Jugendarbeit am 7. und 14. Februar 2020 Informationen und Anmeldung

Mehr aktuelle Fortbildungsangebote in Hamburg finden Sie auf unserem Fortbildungsportal

Termine

Für Kurzentschlossene: Das Bundesteilhabegesetz im Blick: Partizipation abhängigkeitskranker Menschen per Gesetz?! am 23. Oktober in Kassel Mehr Informationen

„Migrant*innen und Geflüchtete in der Suchthilfearbeit – Basisseminar“ der Deutschen Aidshilfe e.V. vom 25. bis 27. Oktober in Berlin Mehr Informationen

Jahrestagung von SUCHT.HAMBURG am 13. November 2019 in Hamburg Mehr Informationen und Anmeldung

Sucht und Trauma – eine komplexe Herausforderung für LSBTIQ*Geflüchtete und ihre Helfer*innen und Berater*innen in der Community vom 17. bis 19. Oktober in Reinhausen bei Göttingen Mehr Informationen

SUCHT IM FOKUS - Kommunen engagiert vor Ort. Tagung der Drogenbeauftragten des Bundes am 25. November in Berlin Mehr Informationen

  1. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle vom 4. bis 5. Dezember 2019 in Heidelberg Mehr Informationen

Save the Date: Einladungstagung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Qualität in der Suchtprävention 14. und 15. Mai 2020 in Lübeck

Gremien von SUCHT.HAMBURG

AK Vielfalt 24. Oktober 2019

AK Sucht.Jugend 6. November 2019

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 19. November 2019

AK Enter 21. November 2019

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

 

Im September 2019 erschien der Bericht Suchtprävention in Hamburg - Band 3.

Der Bericht liefert Informationen zu suchtpräventiven Konzepten, Projekten und Maßnahmen der letzten Jahre. Auf 44 Seiten werden Strukturen beschrieben, mit dem Thema befasste Einrichtungen und Suchtpräventionsangebote vorgestellt. Kontaktangaben runden den Bericht ab, der von den drei Fachstellen für Suchtprävention in Hamburg, SUCHT.HAMBURG, dem SuchtPräventionsZentrum des LI und dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters herausgegeben wurde.

Bericht steht zum Download bereit oder kann im Shop bestellt werden.