Liebe*r Leser*in,

hinter uns liegt ein überaus arbeitsreiches Jahr, in dessen Verlauf wir zahlreiche Maßnahmen und Aktivitäten mit großen Erfolg angestoßen und umgesetzt haben. Wir sind damit sehr zufrieden und einige der Aktivitäten sind auch in der 20. Ausgabe unseres Newsletters Mittelpunkt dokumentiert. Ein Highlight unseres Jahres war sicherlich die Jahrestagung GENDER.FRAU.SUCHT, deren ausführliche Zusammenfassung Sie gleich im Anschluss finden. Was war Ihr persönliches Highlight des Jahres?

Natürlich sind auch wir nach wie vor mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigt und vor allem die Arbeit in unmittelbar persönlichem Kontakt mit Menschen ist davon spürbar beeinträchtigt. Ich hoffe, dass Sie und Ihre Mitarbeitenden, Familien und Klient*innen die vergangene Zeit gut überstanden haben und dass Sie über die anstehenden Feiertage wieder Energie für das bevorstehende neue Jahr 2022 aufladen können.

Alles Gute und herzliche Grüße

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Dokumentation der Online-Jahrestagung "GENDER.FRAU.SUCHT. – Genderfragen in (Post-) Corona-Zeiten" am 17. November 2021

Am 17. November 2021 fand unsere inzwischen zweite Jahrestagung im Onlineformat statt, die mit fast 100 Teilnehmenden in der Hamburger Fachöffentlichkeit und darüber hinaus großen Anklang fand. Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigen sich beim Konsum- und Suchtverhalten und wie kann vor diesem Hintergrund eine gendersensible Suchthilfe gelingen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Tagung. Das Programm bot neben drei Impulsvorträgen im Hauptraum ausreichend Raum für Diskussionen in Form einer virtuellen Podiumsrunde sowie die Möglichkeit zu Kleingruppendiskussionen in einem „Praxischeck“ am Vormittag. Der Nachmittag widmete sich mit zwei Parallelsessions dem breiten Spektrum von Genderfragen und Sucht in insgesamt acht verschiedenen Workshops.

Eröffnet wurde die Tagung nach einem Grußwort von Dr. Sigrun Bever, Fachabteilung Drogen und Sucht, Sozialbehörde Hamburg mit einem Vortrag von Prof. Dr. Heino Stöver, Frankfurt University of Applied Sciences. Prof. Dr. Stüber machte deutlich, dass sich die Ursachen für Substanzgebrauchsstörungen zwischen den Geschlechtern zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. In Hamburg ist gendersensibles Arbeiten in den Einrichtungen der Suchthilfe seit vielen Jahren fest verankert, bundesweit betrachtet sollte es unbedingt zur Regel und nicht, wie bisher, als „nice to have“ betrachtet werden. Denn Suchtarbeit kann nämlich nur dann effizient und erfolgreich sein, wenn sie zielgruppenspezifisch und lebensweltnah ist und sich an den individuellen Erfahrungen, Bedürfnissen und Ressourcen der Klient*innen orientiert, führte Prof. Dr. Stöver weiter aus.

Im zweiten Vortrag des Tages führte Dr. Brigitta Lökenhoff von der Landesfachstelle Frauen und Familie BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW aus, dass die Corona-Pandemie bei vielen Frauen mit Suchtproblemen als Krisenverstärker wirkte. So erlebten viele Frauen seitdem (noch) häufiger Gewalt in Beziehungen, auch die materiellen Sorgen haben bei vielen von ihnen zugenommen. Das wahre Ausmaß der psychischen und emotionalen Schäden wird sich erst zeigen, wenn sich die Lebenssituationen der Klientinnen und die Arbeitsbedingungen für die Beratungsfachkräfte wieder „normalisiert“ haben, so die Einschätzung von Dr. Lökenhoff.

Ergänzt wurden die beiden Inputs am Morgen von einer anregenden virtuellen Podiumsrunde mit Katrin Bahr (Condrobs), Dietrich Hellge-Antoni (Fachabteilung Drogen und Sucht, Sozialbehörde), Susanne Herschelmann (Kajal - Frauenperspektiven e.V.), Cornelia Kost (4Be TransSuchtHilfe – Therapiehilfe gGmbH), Birgit Landwehr (Frauenperspektiven e.V.) und Prof. Dr. Heino Stöver (Frankfurt University of Applied Sciences). Die Diskutant*innen machten in ihren Eingangsstatements deutlich, warum die geschlechtssensible Suchtarbeit und -prävention essentiell für eine gelingende Behandlung sind. Alle waren sich einig, dass die geschlechtsspezifischen Lebenswelten und damit verbundenen Herausforderungen ihrer Klient*innen immer und ausnahmslos in der Beratung und Behandlung von Suchterkrankungen berücksichtigt werden müssen, aber leider zu häufig nicht der optimale Rahmen für eine geschlechtsspezifische Suchtberatung und -behandlung - insbesondere für Frauen - gesetzt wird.

Nach der Mittagspause informierte Frau Dr. Monika Vogelgesang von der Median-Klinik Münchwies in ihrem Beitrag über Möglichkeiten der geschlechtssensiblen Therapie von Abhängigkeitserkrankungen. Sie verwies darauf, dass alkoholabhängige Frauen im Unterschied zu Männern häufiger heimlich trinken, insbesondere weil ihrem Konsum weniger Verständnis entgegengebracht wird und Alkoholabhängigkeit bei Frauen deutlich schambesetzter ist. In der frauenspezifischen Suchttherapie kommt es deshalb unter anderem darauf an, gesellschaftliche Normen – zum Beispiel hinsichtlich der Selbstwertdefinition von Frauen über das Aussehen, dem Streben nach „Perfektion“ oder der Erfüllung von Erwartungen anderer Menschen – zu hinterfragen und achtsam gegenüber eigenen Bedürfnissen zu sein. Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden dann die Möglichkeit, sich in acht themenspezifischen Workshops auszutauschen, deren Zusammenfassung Sie hier herunterladen können. Die Tagungsvorträge können hier heruntergeladen oder auf unserem YouTube-Kanal angesehen werden.

Digitaler Selbsthilfeabend zu Internetabhängigkeit und (digitalem) Glücksspiel am 27. Oktober

Am 27.Oktober 2021 veranstaltete SUCHT.HAMBURG einen digitalen Selbsthilfeabend zum Thema Internetabhängigkeit und digitales Glücksspiel, um noch stärker auf die Selbsthilfe aufmerksam zu machen, Hilfestrukturen aufzuzeigen und Betroffene miteinander zu vernetzen. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit KISS Hamburg durchgeführt und von der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Hamburg unterstützt.

Maren Puttfarcken, Geschäftsführerin der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Hamburg, eröffnete den Abend mit einem Grußwort zu Mediennutzungszeiten von Erwachsenen aus der hauseigenen Studie „Schalt mal ab, Deutschland!“. 75% der Erwachsenen im norddeutschen Raum sind der Studie zufolge dauerhaft online. Anschließend rückte Claudia Schröder von KISS Hamburg das Bild der Selbsthilfe ins rechte Licht und zeigte auf, dass die Selbsthilfe vielfältiger und bunter als ein vermeintlich trostloser Stuhlkreis ist, wie es in Filmen oder Serien manchmal dargestellt wird. Selbsthilfegruppen gibt es zu verschiedenen Themen und sie sind offen für jedes Alter. Wer auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe ist, findet bei KISS Hamburg Unterstützung.

Im Gespräch mit dem Gründer einer Selbsthilfegruppe für Computerspielsucht wurde über dessen Erfahrungen mit der Diagnose Computerspielabhängigkeit und dem Weg in die Selbsthilfe gesprochen. Seine Selbsthilfegruppe befindet sich derzeit noch in der Gründungsphase und ist offen für neue Mitglieder. Interessierte sind hier jederzeit herzlich willkommen. Die Selbsthilfegruppe Gamblers Anonymous (GA) blickt dahingegen bereits auf eine lange Tradition zurück. Mit der Schließung der Spielhallen im Zuge der Lockdowns habe das digitale Glücksspiel an Aufschwung gewonnen. Gleichzeitig wurde die Erreichbarkeit von Betroffenen deutlich erschwert, die Gruppentreffen der GAs finden wieder regelmäßig statt.

Abschließend gewährte Hubert Tepaß vom LUKAS Suchtselbsthilfezentrum Hamburg West einen Einblick in die Therapie von Computerspiel- und Glücksspielabhängigen, in der auch mit gemischten Therapiegruppen gearbeitet wird. Auch hier sind die Auswirkungen der Pandemie spürbar, die Therapiegruppen sind ausgelastet und es sei kein Ende der Nachfrage in Sicht.

Wir danken allen Aktiven und Teilnehmer*innen für einen gelungenen Abend der Selbsthilfe. Interessierte an der Selbsthilfe oder Selbsthilfegruppen können diese unter folgenden Kontaktdaten erreichen:

KISS Hamburg: https://www.kiss-hh.de/

Selbsthilfegruppe Computerspielsucht: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gamblers anonymous: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

24. Jahresbericht und Basisdaten zur Suchthilfe in Hamburg (BADO)

Wie häufig werden die Angebote von Hamburger Suchthilfeeinrichtungen in Anspruch genommen und welche Probleme und Fragestellungen stehen dabei im Vordergrund? Zuverlässige Antworten auf diese Fragen liefert seit nunmehr 24 Jahren der jährlich erscheinende Bericht „Basisdatendokumentation im Suchtbereich“, kurz BADO genannt, der im Oktober 2021 veröffentlicht wurde. Das diesjährige Schwerpunktthema widmet sich „Personen, die in den vergangenen neun Jahren das Hilfesystem erstmals aufsuchten“. Dabei werden die Zeiträume ‚2012-2014‘, ‚2015-2017‘ und ‚2018-2020‘ miteinander verglichen. Die Zahlen beziehen sich jeweils auf neue Klient*innen in zuwendungsgeförderten Suchtberatungsstellen in Hamburg.

Mit Spannung erwartet wurde unter anderem auch die Frage, wie sich die Einschränkungen der Corona-Pandemie auf die Nachfrage nach Suchtberatung und -hilfe auswirkten und wie das Suchthilfesystem mit den Herausforderungen umging. Da die Coronapandemie zu massiven Mobilitätseinschränkungen und einer Reduktion direkter Kontakte führte, waren Beratungen nur unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen möglich. Die Suchthilfe zeigte sich hier sehr kreativ und hielt ihre Angebote mit einem Wechsel zwischen persönlichem Gespräch und virtuellen Kontakten aufrecht. Die Angebote wurden weiterhin nachgefragt, so dass für das Jahr 2020 insgesamt 15.016 unterschiedlichen Personen dokumentiert wurden. Damit wurden in 2020 nur etwa 400 Personen weniger erreicht als im Jahr 2019 mit 15.435 Personen.

In 2020 suchten mit etwa 30 % die meisten Menschen wegen einer Alkoholproblematik Hilfe und Unterstützung in der Suchtberatung. Der Anteil der Opioidkonsumierenden liegt bei 24 % und ging im Vergleich zum Vorjahr mit 25 % leicht zurück. 19 %  der Hilfesuchenden waren wegen einer Cannabisproblematik in Behandlung, leicht gestiegen ist die Zahl der Konsument*innen Kokain mit 12 %, weitere 13 % weisen eine Glücksspielproblematik auf. (Quelle und weitere Informationen BADO e.V. Martens, M., Neumann-Runde E. (2021). Suchthilfe in Hamburg Statusbericht der Hamburger Basisdatendokumentation 2020; Herausgeber: BADO e.V.; abrufbar unter www.bado.de)

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Relaunch der Webseite www.bleib-stark.com

Vor inzwischen sieben Jahren wurden mit BLEIB STARK! BLEIB DU SELBST! zahlreiche Aktivitäten zur Cannabisprävention in Hamburg initiiert und über die Jahre weiterentwickelt. Auch und gerade weil bundesweit derzeit Diskussionen über eine Regulierung der Abgabe von Cannabis für Erwachsene geführt werden, ist die Prävention von Cannabiskonsum bei Jugendlichen in Hamburg präsent und nachgefragt. Vor diesem Hintergrund wurde die Internetseite www.bleib-stark.com von SUCHT.HAMBURG vor kurzem grundlegend überarbeitet. Die Webseite richtet sich an 14- bis unter 18-Jährige Jugendliche in Hamburg. Auf der Webseite werden die wichtigsten Fragen zum Thema Cannabis authentisch und werturteilsfrei beantwortet. Ergänzt wird das Informationsangebot unter anderem von dem Social Media Kanal @bleibstarkhh via Instagram, um junge Menschen auch über diesen Kanal zu erreichen und anzusprechen.

Bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien

Vom 13. bis 19. Februar 2022 findet die inzwischen 13. bundesweite Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien statt. In Deutschland wachsen fast 3 Mio. Kinder und Jugendliche mit einem suchtkranken Elternteil auf. Die häufigste Suchterkrankung stellt dabei die Alkoholabhängigkeit eines oder beider Elternteile dar. Jedes sechste Kind lebt zeitweilig in einer alkoholbelasteten Familie.

Ziel der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien (COA-Aktionswoche) ist es, die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Medien auf die Kinder zu richten, die in Deutschland unter einem Suchtproblem ihrer Eltern leiden. Initiatoren der COA-Aktionswoche sind NACOA Deutschland und Such(t)- und Wendepunkt e.V. aus Hamburg. Auch wir (SUCHT.HAMBURG) sind in der COA-Aktionswoche wieder mit unterschiedlichen Aktionen aktiv. Ausführliche Informationen unter www.coa-aktionswoche.de

Jahresbericht der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD)

Im November wurde der sogenannte REITOX-Bericht der DBDD veröffentlicht, der einen vollständigen Überblick über das Konsumverhalten zu illegalen Drogen in Deutschland bietet. Im diesjährigen Bericht werden mehrere Studien zum Konsum von Cannabis und anderen illegalen Substanzen während der Corona-Pandemie vorgestellt. Es zeigt sich ein uneinheitliches Bild: die Auswirkungen der Pandemie unterscheiden sich je nach Lebenssituation und vorherigem Konsumverhalten. Die Corona-Pandemie hat in Deutschland auch Auswirkungen auf das Suchthilfesystem. Auch wenn keine repräsentativen Daten zu der Situation des Suchthilfesystems verfügbar Hamburg sind, geht aus Umfragen hervor, dass unter anderem Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen dazu führten, dass Beratungs- und Behandlungsangebote nur noch reduziert und/oder eingeschränkt möglich waren. Online-Angebote wurden, wo möglich, ausgebaut, um die Betroffenen weiterhin unterstützen zu können. Mehr Informationen und Quelle: https://www.drogenbeauftragte.de/presse/detail/dbdd-bericht-zur-situation-illegaler-drogen-erschienen-1/ und www.dbdd.de

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Grundlagen der Suchtprävention II - Web-Seminar am 21. Januar 2022 Mehr Informationen und Anmeldung

Persönlichkeitsstörungen mit Berücksichtigung des Gender-Aspekts am 27. Januar 2022 Mehr Informationen und Anmeldung

Essstörungen im Jugendalter. Prävention und Intervention im Kontext Schule am 10. Februar 2022 Mehr Informationen und Anmeldung

Aufwachsen mit alkoholbelasteten Eltern – Grundlagenfortbildung am 16. Februar 2022 Mehr Informationen und Anmeldung

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft – Web-Seminar am 3. März 2022 Mehr Informationen und Anmeldung

Essstörungen bei jugendlichen Mädchen - Online-Seminar zu den Ursachen von Essstörungen am 3. März 2022 Mehr Informationen und Anmeldung

Termine

COA-Aktionswoche 2022 vom 13. bis 19. Februar 2022 Mehr Informationen

Save the Date: Kongress Armut und Gesundheit – Was jetzt zählt vom 22. bis 24. März 2022 digital Mehr Informationen

43. fdr+sucht+kongress zum Thema “SUCHT im Netzwerk” am 2. und 3. Mai 2022 Mehr Informationen

Bundesweite Aktionswoche Alkohol vom 14. bis 22. Mai 2022 Mehr Informationen

Save the Date: Suchttherapietage „Warum erreichen wir die Zielgruppen nicht: Unpassende Angebote oder Krankheitsimmanent?“ online vom 7. bis 9. Juni 2022 Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 24. Januar 2022

AK Vielfalt 27. Januar 2022

AK Enter 2. Februar 2022

AK Sucht.Jugend 9. Februar 2022

FASD-Netzwerktreffen 27. April 2022

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell auch unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Wenn Sie unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen möchten, verwenden Sie bitte die folgende Bankverbindung

SUCHT.HAMBURG gGmbH
Hamburger Sparkasse
IBAN: DE70 2005 0550 1026 2240 46
BIC: HASPDEHHXXX

V.i.S.d.P.: Christiane Lieb

Am 17. November 2021 fand die inzwischen zweite Jahrestagung im Onlineformat statt, die mit fast 100 Teilnehmenden in der Hamburger Fachöffentlichkeit und darüber hinaus großen Anklang fand.

Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigen sich beim Konsum- und Suchtverhalten und wie kann vor diesem Hintergrund eine gendersensible Suchthilfe gelingen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt unserer diesjährigen Tagung. Das Programm bot neben drei Impulsvorträgen im Hauptraum ausreichend Raum für Diskussionen in Form einer virtuellen Podiumsrunde sowie die Möglichkeit zu Kleingruppendiskussionen in einem „Praxischeck“ am Vormittag. Der Nachmittag widmete sich mit zwei Parallelsessions dem breiten Spektrum von Genderfragen und Sucht in insgesamt acht verschiedenen Workshops.

Die Web-Konferenz wurde mit einem Vortrag von Prof. Dr. Heino Stöver von der Frankfurt University of Applied Sciences eröffnet, der deutlich machte, dass sich die Ursachen für Substanzgebrauchsstörungen zwischen den Geschlechtern zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. In Hamburg ist gendersensibles Arbeiten in den Einrichtungen der Suchthilfe seit vielen Jahren fest verankert, bundesweit betrachtet sollte es unbedingt zur Regel und nicht, wie bisher, als „nice to have“ betrachtet werden. Denn Suchtarbeit kann nämlich nur dann effizient und erfolgreich sein, wenn sie zielgruppenspezifisch und lebensweltnah ist und sich an den individuellen Erfahrungen, Bedürfnissen und Ressourcen der Klient*innen orientiert, führte Prof. Dr. Stöver weiter aus.

Frau Dr. Brigitta Lökenhoff von der Landesfachstelle Frauen und Familie BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW berichtete in ihrem Vortrag darüber, dass die Corona-Pandemie bei vielen Frauen mit Suchtproblemen als Krisenverstärker gewirkt hat. So erlebten viele Frauen seitdem (noch) häufiger Gewalt in Beziehungen, auch die materiellen Sorgen haben bei vielen von ihnen zugenommen. Das wahre Ausmaß der psychischen und emotionalen Schäden wird sich erst zeigen, wenn sich die Lebenssituationen der Klientinnen und die Arbeitsbedingungen für die Beratungsfachkräfte wieder „normalisiert“ haben, so die Einschätzung von Frau Dr. Lökenhoff.

Die beiden Inputs am Morgen wurden ergänzt von einer überaus lebhaften virtuellen Podiumsrunde mit Katrin Bahr (Condrobs München), Dietrich Hellge-Antoni (Fachabteilung Drogen und Sucht, Sozialbehörde FHH), Susanne Herschelmann (Kajal - Frauenperspektiven e.V. Hamburg), Cornelia Kost (4Be TransSuchtHilfe – Therapiehilfe gGmbH Hamburg), Birgit Landwehr (Frauenperspektiven e.V. Hamburg) und Prof. Dr. Heino Stöver (Frankfurt University of Applied Sciences).

Die Diskutant*innen machten in ihren Eingangsstatements deutlich, warum die geschlechtssensible Suchtarbeit und -prävention kein „nice to have“ sind, sondern essentiell für eine professionelle Suchtarbeit ist. Alle waren sich einig., dass die geschlechtsspezifischen Lebenswelten und damit verbundenen Herausforderungen ihrer Klient*innen immer und ausnahmslos in der Beratung und Behandlung von Suchterkrankungen berücksichtigt werden müssen und zu häufig leider immer noch nicht der optimale Rahmen für eine geschlechtsspezifische Suchtberatung und -behandlung insbesondere für Frauen gesetzt wird.

Ein spannender Aspekt der Diskussion war die Debatte um Männlichkeit und Weiblichkeit als binäre Ordnungsprinzipien unserer Gesellschaft die gleichzeitig das Konsum- und Suchtverhalten prägen. So ist Männlichkeit zum Beispiel mit „Risikofreude“ konnotiert, Weiblichkeit etwa mit Selbstkontrolle. Menschen, die eine für ihr zugewiesenes Geschlecht „untypische“ Suchterkrankung entwickeln, werden zusätzlich stigmatisiert. Unter anderem deswegen trinken Frauen zum Beispiel häufig heimlich. Nicht-binäre Menschen kommen in dieser binären Ordnung meist gar nicht vor bzw. werden nicht mitgedacht. Hier besteht deutlicher Entwicklungsbedarf, nicht nur in der Suchthilfe sondern in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen, sowie im Bildungs- und anderen Hilfesystemen. Die offenen Diskussionspunkte wurden zum Teil im anschließenden Praxischeck weiter diskutiert

Nach der Mittagspause informierte Frau Dr. Monika Vogelgesang von der Median-Klinik Münchwies in ihrem Beitrag über Möglichkeiten der geschlechtssensiblen Therapie von Abhängigkeitserkrankungen. Sie verwies darauf, dass alkoholabhängige Frauen im Unterschied zu Männern häufiger heimlich trinken, insbesondere weil ihrem Konsum weniger Verständnis entgegengebracht wird und Alkoholabhängigkeit bei Frauen deutlich schambesetzter ist. In der frauenspezifischen Suchttherapie kommt es deshalb unter anderem darauf an, gesellschaftliche Normen – zum Beispiel hinsichtlich der Selbstwertdefinition von Frauen über das Aussehen, dem Streben nach „Perfektion“ oder der Erfüllung von Erwartungen anderer Menschen – zu hinterfragen und achtsam gegenüber eigenen Bedürfnissen zu sein.

Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden dann die Möglichkeit, sich in acht themenspezifischen Workshops auszutauschen, deren Zusammenfassung Sie hier herunterladen können.

Vorträge zum Download:

Prof. Dr. Heino Stöver - Gender und Sucht. Wie kann gendersensible Suchtarbeit gelingen?

Dr. Brigitta Lökenhoff - Suchtmittelkonsum und frauenbezogene Suchthilfe in der Pandemie

Dr. Monika Vogelgesang - Geschlechtspezifische Therapie von Abhängigkeitserkrankungen

Die Vortäge können auch auf unserem YouTube-Kanal angesehen werden

Alkohol und illegale Drogen haben nichts im Straßenverkehr zu suchen. Man gefährdet nicht nur sich, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer*innen. Immer wieder kommt es zu Unfällen, weil Fahrzeugführer*innen sich angetrunken oder unter dem Einfluss von illegalen Substanzen ans Steuer setzen.

Ist das bei Ihnen persönlich auch ein Thema oder interessieren Sie sich aus beruflichen Gründen dafür?

Dann finden Sie im folgenden unsere Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene, Erwachsene und Eltern sowie Fachkräfte.

Jugendliche und junge Erwachsene

Angesprochen werden Fahranfänger*innen mit dem Projekt „Mobil? Aber sicher!“. So genannte Peers (Gleichaltrige) klären in der Fahrschule über die Risiken von Rauschfahrten auf, geben Informationen darüber, wie sich der Konsum psychoaktiver Substanzen auf das Fahrverhalten auswirkt und machen die jungen Fahranfänger*innen fit mit zukünftigen Trink-Fahrkonflikten souverän umzugehen. Mehr Informationen unter gibt es hier. LogoMAS

Haben Sie als Fahrschule Interesse an einer kostenlosen Einheit zum Thema „Alkohol und illegale Drogen im Straßenverkehr?“ – Melden Sie sich gern bei uns! Kontakt

Erwachsene

Alkoholische Getränke sind bei Geselligkeiten, Feiern und Festen aller Art kaum wegzudenken. Haben Sie auch schon mal gedacht, nach ein oder zwei Gläschen kann ich noch ohne Probleme Auto fahren? Dem ist nicht so, auch wenn sich viele sich nach ein oder zwei Gläsern Alkohol ganz „normal“ fühlen und sich hinter das Steuer oder auf ihr Motorrad setzen. Doch die Kombination von Alkoholkonsum und aktiver Teilnahme am Straßenverkehr kann bereits ab 0,3 Promille strafrechtlich geahndet werden.

Deshalb: Trinken Sie am besten gar keinen Alkohol, wenn Sie noch am Straßenverkehr teilnehmen möchten! Wenn Ihnen das nicht leicht fällt, können Sie hier testen, ob Ihr Alkoholkonsum noch im grünen Bereich liegt.

Eltern

Logo BSRauschfahrten sind nicht nur ein Thema von jungen Fahranfänger*innen. Regelmäßig setzen sich auch Erwachsene, Eltern angetrunken ans Steuer. „Es ist ja nur ein kurzer Weg“ und „Ich pass besonders auf“ sind Sätze, die in so einem Zusammenhang immer wieder fallen und über die eigentliche Gefahr hinwegtäuschen sollen. Junge Menschen orientieren sich auch hier am Verhalten der Eltern. Je nachdem wie diese mit dem Thema Konsum und Autofahren umgehen, kann dies für einen bewussten Umgang förderlich sein oder das Risiko deutlich steigern. Eltern für ihre Vorbildfunktion zu sensibilisieren ist Ziel von Elternveranstaltungen, die wir regelmäßig im Rahmen unseres Cannabispräventionsprojektes BLEIB STARK! BLEIB DU SELBST! durchführen.

Unter www.bleib-stark.com können Sie sich unmfassend informieren.

Fachkräfte

Das Thema Alkohol und illegale Drogen im Straßenverkehr bietet eine gute Möglichkeit mit Jugendlichen suchtpräventiv zu arbeiten. Die Erfahrung zeigt, dass hier viel Unwissenheit und Mythen bestehen, welche Folgen Konsum haben kann, sogar dann, wenn man noch gar nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis ist.

SUCHT.HAMBURG unterstützt Fachkräfte und Einrichtungen dabei suchtpräventive Aktivitäten umzusetzen. Von Aktionstagen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit über Stadtteilfeste bis hin zu Fortbildungen über Inhalten und Methoden, wie sich suchtpräventive Aktivitäten umsetzen lassen. Sprechen Sie uns gern an! Kontakt

Sie wollen das Thema in ihrer Einrichtung aufgreifen, aber benötigen noch Materialien? Hier finden Sie unsere Angebote im Shop

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Mittwoch 10. November 2021

Am 10. November 2021 wird der zweite Aktionstag Suchberatung stattfinden. Die DHS plant und koordiniert den Aktionstag Suchtberatung gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden.

Ziel ist es, Suchtberatungsstellen und Politik in den Kommunen miteinander in einen Dialog zu bringen. Mehr Informationen unter www.dhs.de