Die Suchthilfeeinrichtungen in Hamburg bieten weiterhin professionelle Unterstützung bei Suchtproblemen auch in Zeiten des Corona-Virus an. Die Beratung findet aktuell meist telefonisch oder auch per Videochat statt, ist kostenlos und anonym. Betroffene und Angehörige sollten sich auch jetzt nicht scheuen, bei Bedarf die Einrichtungen zu kontaktieren.

Die aktuellen Sprechzeiten der allgemeinen Suchtberatungsstellen finden sich in dieser PDF-Datei sowie unter www.rauschbarometer.de und https://www.kursbuch-sucht.de/beratung/allgemein.

Liebe*r Leser*in,

seit unserem letzten Newsletter hat sich innerhalb kürzester Zeit fast alles verändert. Die Welt steht einerseits still und andererseits wird an zahlreichen Stellschrauben gedreht, um alles Wichtige am Laufen zu halten. Das Wichtigste ist aktuell die Versorgung von kranken und hilfebedürftigen Menschen und daran haben auch die Kolleg*innen, die in der Suchthilfe tätig sind einen großen Anteil. Unser Dankeschön geht an Euch, die ihr weiterhin eure Klient*innen betreut, sie unterstützt und versorgt, persönlich, telefonisch oder digital!

In eigener Sache: Leider mussten auch wir eine Vielzahl von Veranstaltungen absagen und einige Angebote vorrübergehend einstellen. Wir sind weiter für Sie da und Sie erreichen uns wie gewohnt telefonisch oder per E-Mail.

Bleiben Sie gesund!

PS: In unserem aktuellen Newsletter finden sie wie üblich Informationen zu aktuellen Entwicklungen in der Suchthilfe und Suchtprävention in Hamburg und darüber hinaus.

Herzliche Grüße

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Informationen zum Coronavirus für Fachkräfte in der Suchthilfe

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) stellt auf ihrer Webseite ab sofort wichtige Informationen zum Coronavirus für alle Fachkräfte in der Suchthilfe zur Verfügung. Unter dem direkten Link https://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/informationen-fuer-fachkraefte-in-der-suchthilfe.html finden sich derzeit:

  • Gemeinsame Presseerklärung von Fachgesellschaften und Verbänden der Suchtkrankenbehandlung
  • Schreiben der DG Suchtmedizin an die Kassenärztliche Vereinigung
  • Anschreiben der Drogenbeauftragten an substituierende Ärzte
  • Stellungnahme der Suchtfachverbände „Therapie von Abhängigkeitserkrankten muss dringend fortgeführt werden“
  • Sars-CoV/Covid-19 Pandemie und Substitutionstherapie - Hinweise für substituierende Ärzte DGS
  • „Hilferuf der ambulanten Drogen-Aids- und Suchthilfe. COVID 19 - Schnelle Hilfen für Drogengebrauchende und Obdachlose!“ Akzept e.V., Deutsche Aidshilfe und jes-Bundesverband
  • Schreiben der DHS an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie (COVID-19) auf die ambulante medizinische Rehabilitation Abhängigkeitskranker sowie die (Reha-)Nachsorge
  • Stellungnahme des fdr+ „Notwendigkeit für Vereine, Verbände, Zielgruppen bzw. Institutionen und deren Arbeitsbereiche im Zusammenhang mit dem erhöhten Auftreten des Sars-CoV-2- Virus und den angeordneten Einschränkungen bzw. veränderten (Arbeits-) Bedingungen“
  • Informationen zur Opioid-Substitution und Sars-CoV2/Covid-19 – Hinweise für substituierende Ärzte
  • Hinweise der Konferenz der Vorsitzenden von Qualitätssicherungskomissionen der Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland
  • und viele weitere.

Die Informationen zum Coronavirus für Fachkräfte in der Suchthilfe werden von der DHS fortlaufend aktualisiert. Vielen Dank an die DHS für diesen Service!

Der neue Glücksspielstaatsvertrag – ein dunkler Schatten

Zum 1. Juli 2021 soll der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft treten, seit vielen Wochen wirft er für die Suchthilfe und Suchtprävention bereits seinen dunklen Schatten voraus. In dem Vertragswerk ist eine umfangreiche Neuregulierung des Glückspielwesens in Deutschland vorgesehen, aus dem „GlüÄndStV“ wird der „GlüNeuRStV“.

Über viele Monate hinweg haben die Bundesländer über die Inhalte des neuen Vertrags diskutiert, vor kurzem haben die Ministerpräsident*innen der Bundesländer in Berlin dem Vertragsentwurf im Großen und Ganzen ohne Änderungen zugestimmt. Danach müssen nun die Landesparlamente zustimmen. Sollte dies in den kommenden Monaten geschehen, wird sich zum Leidwesen der Spieler*innen und der Suchthilfe und Suchtprävention einiges im deutschen Glücksspielwesen ändern. Die vorgesehenen Änderungen können Sie hier in der Februarausgabe unserer Glücksspielnews unter www.automatisch-verloren.de nachlesen.  

Der Fachverband gegen Glücksspielsucht e.V. (fags) hat, wie auch zahlreiche weitere Verbände und Suchtforschungsinstitute, in einer Stellungnahme eine Vielzahl von Kritikpunkten am GlüNeuRStV vorgebracht, die wir im Folgenden kurz skizzieren:

Der fags kritisiert in seiner Stellungnahme (Stellungnahme zum Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glücksspielwesens in Deutschland Entwurf vom 17./18.01.2020, S. 1) die Gleichrangigkeit der Ziele des Staatsvertrags. So sollte der Schutz der Bevölkerung in Form von Verhinderung der Entstehung von Glücksspielsucht und daraus resultierender Schäden gegenüber den anderen Zielen klar höher gewichtet und als vorrangiges Ziel der Glücksspielgesetzgebung angesehen werden (ebd.). Alle weiteren Ziele des Staatsvertrages sollten diesen Zielen nachgeordnet werden (ebd., S. 2).

Die im GlüNeuRStV formulierten Regelungen zur Werbung sollten nach Auffassung des fags nicht liberaler gehandhabt werden, als Werbung für andere „gefährliche Güter“ wie z.B. Tabak (vgl. ebd.). Der fags fordert daher ein umfassendes Werbeverbot für riskante Formen des Glücksspiels (Spielautomaten, Sportwetten, Casinospiele, Poker jeweils online und terrestrisch), um den mit der weitgehenden Liberalisierung von Online-Glücksspielen verbundenen Risiken begegnen zu können (vgl. ebd.).

Das geplante Limitierungssystem für den Bereich des Online-Glücksspiels wird grundsätzlich begrüßt. Aus Sicht des fags ist es für eine suchtpräventive Wirkung jedoch zwingend, zumindest auch den mit hohem Suchtpotential einhergehenden Bereich der Spielhallen mit einzuschließen. Das im GlüNeuRStV vorgesehene Einsatzlimit von 1.000 € könne einfach umgangen werden „[…], wenn Spieler*innen nach Erreichen der Limitierung – etwa beim Spiel mit sog. „virtuellen Automatenspielen“ – leicht auf die nächste örtliche Spielhalle ausweichen können“ (ebd., S. 8).

Der fags regt vor diesem Hintergrund an, eine personengebundene Spielerkarte einzuführen. Diese ermöglicht die Implementierung eines anbieter- und spielformübergreifenden Limitierungssystems (vgl. ebd.).

Begrüßt wird die Einrichtung eines zentralen und spielformübergreifendem Sperrsystems. Kritikpunkte sind jedoch die Möglichkeit der Aufhebung der Sperre nach relativ kurzer Zeit durch einen Antrag. Die Mindestsperrdauer kann auf Antrag des Spielers auf mindesten drei Monate festgelegt werden (vgl. ebd., S. 12).

„Dieser kurze Zeitraum mag für Menschen mit leichterem Glücksspielproblemen, die eine Pause einlegen möchten, angemessen sein. Für Glücksspielsüchtige stellt diese gravierende Änderung keine Option dar. Auch aus ethischer Perspektive muss sichergestellt werden, dass Glücksspielsüchtigen, die immerhin zu den Hauptumsatzträgern von Glücksspielanbietern gehören, der Weg zu diesen Unternehmen nicht gerade zu geebnet wird“ (ebd.).

Bzgl. der Beendigung bzw. Aufhebung einer Sperre wird gefordert, dass die Aufhebung einer Selbst- oder Fremdsperre für Glücksspielsüchtige (zumindest vor Ablauf von fünf Jahren) erst dann möglich ist, wenn die gesperrte Person keine glücksspielbezogenen Probleme mehr zeigt und dies entsprechend belegen kann (vgl. ebd.).

Die Einrichtung einer gemeinsamen zentralen Glücksspielaufsichtsbehörde wird grundsätzlich befürwortet. Es ist davon auszugehen, dass die Behörde technisch und personell sehr gut ausgestattet sein wird. Damit die Behörde ihre Unabhängigkeit sicherstellen kann, sollen Compliance-Regeln und andere Instrumente sichergestellt werden. Im Weiteren regt der fags an, den GlüÄndStV zu verlängern, bis die gemeinsame Aufsicht aufgebaut ist. „Erst dann sollte der Markt für Internetglücksspiel geöffnet werden“ (ebd., S. 17).“

Wir bleiben dran an dem Thema und informieren Sie.

Bundesweite Tagung „Qualität in der Suchtprävention“ verschoben

Zum Schutz der Gesundheit von uns allen haben wir uns angesichts der aktuellen Lage im Kontext der SarsCov2-Pandemie gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dazu entschlossen, die bundesweite Einladungstagung "Qualität in der Suchtprävention", die am 14. und 15. Mai in Lübeck stattfinden sollte, ins nächste Jahr zu verschieben. Es ist nun geplant, die Tagung voraussichtlich am 20. und 21. Mai 2021 in Lübeck mit einem ähnlichen Programm durchzuführen.

Sobald eine verlässliche Planung der Tagung möglich ist, informieren wir über die nächsten Schritte.

Weitere Neuigkeiten und Materialien
Dauerzoff wegen Mediennutzung? Neuer Internetclip für Eltern

Damit Medien nicht zum Dauerstreitthema werden, wurde gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) Hamburg ein neuer Videoclip entwickelt, der Eltern anregen soll, sich frühzeitig Unterstützung zu holen, wenn das Nutzungsverhalten des Kindes aus dem Ruder läuft. Das Video soll weiterhin auf das Beratungsangebot Time to Balance unter www.webfehler-hamburg.de aufmerksam machen, wo es mittels eines Selbsttests eine Einschätzung des Nutzungsverhaltens gibt, Eltern im Chat Fragen stellen und sich austauschen können und praktische Tipps für die Medienerziehung erhalten.

Jahresbericht von SUCHT.HAMBURG 2019

Druckfrisch ist der Jahresbericht 2019 von SUCHT.HAMBURG erschienen. Er gibt einen Überblick über die Arbeit in unseren Projekten, zu Fort- und Weiterbildungsangeboten sowie über unsere Netzwerk- und Koordinierungstätigkeiten. Der Jahresbericht kann hier heruntergeladen oder bestellt werden.

Übersichten zur muttersprachigen Beratung im Suchthilfesystem

Neu aktualisiert sind liegen die Informationen für Fachkräfte des Suchtkrankenhilfesystems in Hamburg über die „Angebote in Fremd- und Muttersprachen der Suchtprävention und Suchthilfe Hamburg“ sowie über die „Muttersprachige Selbsthilfegruppen in Hamburg“ vor. Diese Informationen richten sich vor allem an Fachpersonen (Suchtberater*innen, Sozialarbeiter*innen usw.) für die direkte und schnelle Vernetzung und Kooperation im Einzelfall. Hierfür bietet das Hamburger Suchthilfesystem eine Vielfalt an (Mutter-) Sprachen und die deutsche Gebärdensprache an. Die Informationen können unter https://www.sucht-hamburg.de/information/publikationen heruntergeladen werden.

ZEITUNG für Suchtprävention

Im Januar ist die 51. Ausgabe unserer ZEITUNG für Suchtprävention erschienen. Themen sind Rauchen und Dampfen, Herausforderungen für die Suchtprävention und 40 Jahre Suchtselbsthilfe. Die ZEITUNG kann in unserem Shop unter www.sucht-hamburg.de heruntergeladen oder bestellt werden.

Mehr als ein Jahrzehnt kultursensible Aufklärung über das Suchthilfesystem in Hamburg

Mit dem Projekt HERKUNFT-ANKUNFT-ZUKUNFT vermittelt SUCHT.HAMBURG Informationen rund   um   das   Thema   Sucht für   und   mit   Migrant*innen. Im   Mittelpunkt   steht   die Enttabuisierung von Sucht in verschiedenen Communities.

Unterstützt wird SUCHT.HAMBURG dabei von geschulten Schlüsselpersonen aus den jeweiligen Communities, die ihr Wissen ehrenamtlich in Muttersprache einbringen. Vor kurzem haben zehn weitere sogenannte Keypersons die insgesamt bereits 6. Schulung zur interkulturellen Schlüsselperson abgeschlossen und ergänzen nun das Team der dreizehn bereits seit längerem aktiven Keypersons. Hamburgweit sind so Informationsveranstaltungen oder Inputs in Elterncafés, Kulturvereinen, Jugendclubs oder Wohnzimmergesprächen zum Thema Sucht abrufbar, die in Arabisch, Dari, Englisch, Farsi, Italienisch, Kurdisch, Paschto, Polnisch, Portugiesisch, Romanes, Spanisch, Tschechisch, Türkisch und jetzt neu in Tigrinja und stattfinden können. Diese Vielfalt ist einmalig in Deutschland.

Mehr Drogentote im Jahr 2019

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren gestiegen. Im vergangenen Jahr verstarben 1.398 Menschen direkt oder indirekt durch den Gebrauch illegaler Drogen, 122 Menschen (9,6%) mehr als im Jahr 2018. Häufigste Ursache waren Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin. Todesfälle durch Kokain, Amphetamine und synthetische Drogen haben in den letzten fünf Jahren von 143 auf 268 zugenommen und sich somit fast verdoppelt.

Die Bundesdrogenbeauftrage fordert in diesem Zusammenhang eine noch flächendeckendere Substitutionsversorgung, die auch in der aktuellen Coronakrise nicht auf der Strecke bleiben dürfe. Im Weiteren setzt sich Frau Ludwig für einen flächendeckenden Einsatz von Naloxon als Nasenspray ein. Naloxon kann die Wirkungen einer Überdosierung von Opiaten für einige Zeit aufheben und somit Leben retten. In einem Modellprojekt wird aktuell erprobt, wie Naloxon besser in Praxis angewendet werden kann.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Aufgrund des aktuell bestehenden Veranstaltungsverbots bis 30. April 2020 führen wir im folgenden geplante Fortbildungen ab Mai 2020 auf.

KlarSicht-Mitmachparcours Koffervariante - Suchtprävention zu den Themen Tabak und Alkohol an Mitmach-Stationen am 8. und 9. Mai Informationen und Anmeldung

Suchtgefährdung bei Jugendlichen - Epidemiologie, Risikofaktoren, Erklärungsmodelle am 12. Mai Informationen und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention II Aufbauseminar am 12. Juni Informationen und Anmeldung

Badesalze, Kräutermischungen, Amphetamine, Ko-Tropfen und Co. Am 18. Juni Informationen und Anmeldung

Termine

Unter Vorbehalt

Suchttherapietage „Veränderte Gesellschaft, veränderte Sucht: Therapie und Prävention wie gehabt?“ vom 02. bis 05. Juni 2020 in Hamburg Mehr Informationen

Lina Jahrestreffen am 24. Juni in Hamburg Mehr Informationen

Save the Date: Deutscher Suchtkongress 2020 14. bis 16. September in Berlin Mehr Informationen

Save the Date: 13. Internationaler akzept Kongress „Barrieren in der Gesundheitsversorgung Drogenabhängiger überwinden“ am 24. und 25. September in Nürnberg Mehr Informationen

Save the Date: 59. DHS Fachkonferenz SUCHT "Suchthilfe: kommunal denken - gemeinsam handeln" vom  9. bis 11. November 2020 in Potsdam Mehr Informationen

Save the Date: Jahrestagung von SUCHT.HAMBURG am 18. November 2020

Gremien von SUCHT.HAMBURG

Aufgrund des aktuell bestehenden Veranstaltungsverbots bis 30. April 2020 führen wir im folgenden geplante Arbeitskreise und Gremien ab Mai 2020 auf.

AK Vielfalt 7. Mai 2020

AK Sucht.Jugend 3. Juni 2020

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 8. Juni 2020

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Liebe*r Leser*in,

die vergangenen Wochen und Monate mit den weitreichenden Maßnahmen zur Einschränkung der Ausbreitung der Corona-Pandemie haben unser bisheriges Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Bislang als selbstverständlich wahrgenommenen Treffen mit Familie und Freunden, Austausch und Fortbildungen mit Kolleg*innen und Fachkräften zum Beispiel konnten über lange Zeit nicht stattfinden und unterliegen aktuell noch immer starken Einschränkungen. Wir freuen uns wahrscheinlich alle darauf, wenn wir uns privat wie beruflich wieder unter den früheren Bedingungen bewegen können.

Für unsere Tätigkeit als Fachstelle kann ich sagen, dass nicht alles, was wir aktuell erleben, was sich kurzfristig geändert hat oder wir neu aufgenommen haben, wieder zurückgenommen oder eingestellt werden soll und wir zum alten, liebgewonnen Handeln zurückkehren werden. Die Möglichkeiten der virtuellen Kollaboration zum Beispiel, Web-Seminare oder Online-Konferenzen mit Kolleg*innen und Fachkräften aus Hamburg wie auch anderen Bundesländern, sind wichtige Erfahrungen und wertvolle Kompetenzen, die wir in den vergangenen Monaten erwerben konnten. Wir haben in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Web-Seminaren und virtuellen Austauschformen für Fachkräfte wie auch für Endaddressat*innen angeboten, die wir auch zukünftig regelmäßig vorhalten werden. Wir wollen damit nicht zuletzt auch einen Beitrag zur Digitalisierung der Suchthilfe und Suchtprävention leisten. Dazu bedarf es sicherlich noch mehr, aber ein Anfang ist mit Sicherheit gemacht.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Online-Fortbildungen, digitale Prävention und virtuelle Gremienarbeit

Die Auswirkungen zur Einschränkung der Corona-Pandemie haben nicht nur in Hamburg, sondern auch in den anderen Bundesländern zu einem wahren Schub in Sachen Digitalisierung suchtpräventiver Maßnahmen und Suchthilfeangeboten geführt. Viele Aufgaben, wie zum Beispiel Fortbildungen oder Netzwerk- und Gremienarbeit konnten bzw. können immer noch nicht oder nur sehr eingeschränkt vor Ort bzw. Face-to-Face stattfinden. Es braucht sehr große Räume, die den meisten Einrichtungen und freien Trägern nicht zur Verfügung stehen. Ein Ausweichen auf virtuelle Angebote war und ist das Mittel der Wahl, um unsere Zielgruppen gerade in diesen belastenden Zeiten mit den notwendigen Unterstützungsangeboten zu erreichen.

Nachdem zunächst im März und April einige Fortbildungen und Gremien leider abgesagt werden mussten, haben wir unter anderem in Kooperation mit dem SuchtPräventionsZentrum des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung neue Fortbildungsformate als Web-Seminare entwickelt und kurzfristig umgesetzt. Die Angebotspalette reicht von kürzeren Inputs zur Vermittlung von Informationen bis hin zu mehrstündigen Online-Workshops mit virtuellen Arbeitsgruppenphasen wie zum Beispiel bei unserem Seminar Grundlagen der Suchtprävention. Die Nachfrage nach den Web-Seminaren ist sehr groß, die Rückmeldungen der Teilnehmenden sehr gut.

Sehr große Resonanz erhielt auch unsere Onlinekonferenz „Kein Tag ohne Medien“, die wir am 23. Juni gemeinsam mit Expert*innen aus der Medienpädagogik, Suchtprävention und Suchthilfe durchführen konnten. Die Veranstaltung, die mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Hamburg durchgeführt wurde, brachte rund 60 Eltern, Fachkräfte und Expert*innen zusammen, um Empfehlungen für einen guten Umgang mit digitalen Medien in der Familie zu diskutieren.

Über Medien reden, das war der Tipp der Expert*innen, der für alle Altersgruppen genannt wurde. Vor allem wenn es nicht nur das Aushandeln von Regeln beinhaltet, sondern dadurch auch Interesse und Wertschätzung für diesen Teil der Lebenswelt zum Ausdruck gebracht wird. Bevor sich jedoch Probleme verfestigen, sollten Eltern nicht zögern und unbedingt professionelle Hilfe wie die Erziehungsberatungsstellen oder die Jugendsuchtberatung in Anspruch genommen werden.

Die Onlinekonferenz war Teil des Angebots „Time to Balance“ – eine Onlineberatung für Eltern und Erwachsene zur Förderung einer selbstbestimmten und kontrollierten Mediennutzung unter www.webfehler-hamburg.de.

Einen Tag später am 24. Juni fand das „lina-net-Jahrestreffen“ zum ersten Mal als digitales Netzwerktreffen statt. 17 Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern (verschiedene Suchtberatungs- und Jugendhilfeeinrichtungen) nahmen am digitalen Austauschangebot teil.

Im Mittelpunkt des diesjährigen lina-net-Treffens stand der Gastgeber PFIFF – Fachdienst für Familien, dessen Arbeitsschwerpunkt die Beratung, Qualifizierung und Begleitung von Pflegefamilien ist. Seit 20 Jahren betreut PFIFF das Projekt „Patenschaften für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern“, das von den Mitarbeiterinnen Ortrud Beckmann und Sandra Gau vorgestellt wurde. In der Landschaft der Patenprogramme für Kinder psychisch kranker Eltern in Deutschland hat das Programm von PFIFF eine Pionierrolle gespielt. Mittlerweile gibt es zwar viele Nachahmer, die aber fast alle mit geringeren fachlichen Standards arbeiten als PFIFF. Nach der Vorstellung des Patenschaftsprogramms diskutierten die Teilnehmer*innen die Übertragbarkeit des Konzepts auf Kinder suchtbelasteter Eltern und stellten viele Parallelen, aber auch Besonderheiten in der Lebenssituation suchtbelasteter Familien fest, die es bei der Konzeption eines zielgruppenspezifischen Patenschaftsprogramms zu beachten gälte.

Für SUCHT.HAMBURG ziehen wir ein sehr positives Fazit aus den weiterführenden Erfahrungen und vielen neuen Kompetenzen, die wir in den vergangenen arbeitsintensiven Wochen machen und erwerben durften. Die digitalen Angebote werden ein fester Bestandteil unserer Tätigkeiten bleiben und auch unsere Jahrestagung „Konsum.Raum.Sucht“ (mehr Informationen) wird am 18. November als Online-Konferenz stattfinden.

Neue Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung liegen vor

Am 1. Juli hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gemeinsam mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig die Ergebnisse der Repräsentativbefragung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019“ vorgestellt. Als grober Trend lässt sich erkennen, dass der Konsum legaler Drogen unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen rückläufig ist, der Gebrauch illegaler Substanzen allen voran Cannabis jedoch leicht zunimmt.

Zunächst zu den erfreulichen Erkenntnissen: Die Quote der Raucher*innen ist unter den 12- bis 25-Jährigen auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Befragungen vor über 40 Jahren. 85,1 Prozent der Jugendlichen geben an, in ihrem Leben noch nie geraucht zu haben. Die Nieraucher*innenquote bei 18- bis 25-Jährigen liegt bei 45,9 Prozent. Noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken haben 36,9 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen in Deutschland. Mindestens einmal in der Woche Alkohol trinken 9,5 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen und 32,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen. Im Jahr 2004 lagen die Zahlen bei den 12- bis 17-Jährigen noch bei 21,2 Prozent und bei den 18- bis 25-Jährigen bei 43,6 Prozent.

Die Entwicklungen des Cannabiskonsums zeigen, dass dieser unter 12- bis 17-jährigen Jugendlichen und 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich ansteigt. Der Anstieg der 12-Monats-Prävalenz des Cannabiskonsums beginnt bei männlichen und weiblichen Jugendlichen im Jahr 2011 und liegt im Jahr 2019 fast wieder auf ähnlichem Niveau wie in 2004. In den Gruppen der 18- bis 25-jährigen Frauen und Männer steigen die 12-Monats-Prävalenzen des Cannabiskonsums seit 2008. Junge Frauen erreichen im Jahr 2019 die höchste und junge Männer die zweithöchste 12-Monats-Prävalenz seit 1993 (Quelle: Orth, B. & Merkel, C. 2020. Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019.).

Die ausführlichen Studienergebnisse und den Bericht finden Sie hier.

Endlich: Tabakwerbeverbot im Bundestag verabschiedet

Nach jahrelangen Diskussionen hat der Bundestag am 2. Juli endlich ein weitreichendes Tabakwerbeverbot verabschiedet. Danach ist ab dem kommenden Jahr Kinowerbung fürs Rauchen verboten, wenn der jeweilige Film für Unter-18-Jährige freigegeben ist.

Ab 1. Januar 2022 gilt ein Werbeverbot auf Außenflächen wie Plakatwänden oder Haltestellen - wenn auch zunächst einmal nur für herkömmliche Tabakprodukte. Für Tabakerhitzer greift das Außenwerbeverbot ab dem Jahr 2023, ein Jahr 2020 später wird dann auch die Außenwerbung für E-Zigaretten verboten. Der Bundesrat muss dem Gesetz nun noch zustimmen. (Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/bundestag-753.html)

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Bundesdrogenbeauftragte startet Social Media Kampagne zur Cannabisprävention

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig startet gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Social Media Kampagne, um die Cannabisprävention auszuweiten und erstmalig auch in den sozialen Medien auf die gesundheitlichen Risiken von Cannabiskonsum für Jugendliche aufmerksam zu machen. Die Kampagne soll die bundesweiten Aktivitäten der BZgA unterstützen und richtet sich im Schwerpunkt an unter 18-jährige Jugendliche. Wir sind gespannt und drücken die Daumen für einen guten Start!

Weltdrogenbericht der UNODC

Ende Juni wurde der Weltdrogenbericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC veröffentlicht. Im sechsteiligen Bericht geht es unter anderem um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Verfügbarkeit von illegalen Drogen. Die UNODC teilt in ihrem Bericht mit, dass in vielen Ländern in allen Weltregionen Engpässe bei etlichen Drogen bestehen. Dies ist besonders für Abhängige problematisch, denn es droht ein Ausweichen auf andere Substanzen, die möglicherweise noch schädlicher sind. So könnten zum Beispiel Heroinsüchtige auf gefährlichere Alternativen wie Fentanyl ausweichen. Das Opioid ist mindestens 50-mal stärker als Morphin und es kommt es leicht zu einer tödlichen Überdosierung.

Weitere Themen sind zum Beispiel der weiterhin weltweit steigende Drogenkonsum, aktuelle Drogentrends oder die Zunahme des Cannabiskonsums in Ländern, die Cannabis legalisiert haben. Die Berichte stehen in englischer Sprache hier zum Download zur Verfügung.

Save the Date: Online-Konferenz „Konsum.Raum.Sucht“

In den letzten Jahren sind sowohl für den Suchtmittelkonsum als auch für die Inanspruchnahme von Hilfeangeboten diverse Veränderungen im Hinblick auf den gewählten Raum zu beobachten. Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Einschränkung staatlich verordneten Maßnahmen haben diese Veränderungen vermutlich beschleunigt und verstärkt. Diese „Raumverschiebungen“ werden im Format einer Online-Konferenz von SUCHT.HAMBURG am 18. November näher betrachtet und diskutiert werden.

Die Online-Konferenz ersetzt unsere diesjährige Jahrestagung und richtet sich an interessierte Akteur*innen aus dem Bereich der Suchthilfe, Suchtprävention, Gesundheit und Bildung sowie aus anderen Berufsfeldern (z.B. Jugendhilfe, Politik und Behörden). Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Mehr Informationen und Anmeldung.

 "Problematisches Computerspielen und Computerspielstörung (Gaming Disorder)"

Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. und des Fachverbands Medienabhängigkeit e.V. erarbeitete in einem Positionspapier zentrale Fragen und Forderungen der Bereiche Prävention und Frühintervention, Beratung, Behandlung und Rehabilitation sowie Forschung des problematischen Computerspielens und der Computerspielstörung (Gaming Disorder).

Gemäß der „Bestandsaufnahme und Positionierung in den Bereichen Prävention und Frühintervention, Beratung, Behandlung und Rehabilitation sowie Forschung“ (Quelle: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/news/Ergebnispapier_AG_Problematisches_Computerspielen_und_Gaming_Disorder.pdf) sollen Ansätze der Prävention von problematischem Computerspielen und der Computerspielstörung(Gaming Disorder) im Kindes-und Jugendalter für junge Menschen, deren Eltern und Familien in bestehende Angebote der Medienbildung und Medienkompetenzförderung integriert werden. Eltern sollen darüber hinaus bei Angeboten zur Stärkung der Erziehungskompetenz auch im Umgang mit digitalen Medien in der Familie gestärkt werden. Im Bereich der Frühintervention haben sich die Zusammenarbeit von Jugendsozialarbeit und Jugendsuchtberatung sowie Clearingstellen zur Einschätzung der individuellen Problemlage und zur weiteren Vermittlung an geeignete Beratungsstellen hilfesuchender junger Menschen und deren Familien als hilfreich erwiesen.

Das ausgeprägte Bild der Computerspielstörung (Gaming Disorder) soll jedoch der ambulanten und stationären Behandlung vorbehalten sein. Je nach Ausprägungsgrad stehen unterschiedliche ambulante, teilstationäre oder stationäre Angebote zur Verfügung.

Alle weiteren Empfehlungen und dies ausführliche Diskussion findet sich unter www.dhs.de

Corona-Einschränkungen: Empfehlungen und FAQ für Fachkräfte in den Frühen Hilfen

Im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus sind Fachkräfte in den Frühen Hilfen langfristig in ihrem Arbeitsalltag von Umstellungen und Einschränkungen betroffen. Um sie in dieser Zeit zu unterstützen, hat das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) auf seiner Internetseite www.fruehehilfen.de Empfehlungen sowie Antworten auf häufige Fragen und Linktipps veröffentlicht.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Fortbildungsveranstaltungen finden derzeit - nach der jeweils gültigen Verordnung des Hamburger Senats zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus - nur in eingeschränkter Form statt. Einige Angebote werden digital durchgeführt.

Suchtgefährdung bei Jugendlichen - Epidemiologie, Risikofaktoren, Erklärungsmodelle am 13. August Informationen und Anmeldung

Essstörungen im Jugendalter. Prävention und Intervention im Kontext Schule am 10. September Informationen und Anmeldung

Störungen durch Cannabis im Kindes- und Jugendalter - Erscheinungsmuster und Behandlung am 22. September Informationen und Anmeldung

Trauma und Sucht bei weiblichen Jugendlichen - Hintergründe, Erklärungsmodelle, Forschungsergebnisse, Versorgungssituation am 27. Oktober Informationen und Anmeldung

Termine

Aufgrund der aktuell geltenden Einschränkungen für Veranstaltungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus wurden zahlreiche Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Hier finden Sie eine Auswahl der (Stand 3.7.20) geplanten Veranstaltungen.

Online-Fachtagung: Mädchen* und Frauen* nach der Flucht am 2. September Mehr Informationen

"Professionalisierung kommunaler Alkoholprävention" der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen am 8. und 15. September Mehr Informationen

29. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. „Sexualität und Sucht“ vom 6. bis 8. November 2020 in Berlin Mehr Informationen

59.  Fachkonferenz SUCHT "Suchthilfe: kommunal denken - gemeinsam handeln" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. am 10. und 11. November 2020 Mehr Informationen

Save the Date: Online-Konferenz "Konsum.Raum.Sucht." von SUCHT.HAMBURG am 18. November 2020 Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

Die Sitzungen finden ggf. als Online-Meetings statt, bitte beachten Sie die jeweilige Ankündigung auf unserer Webseite.

AK Sucht.Jugend 12. August 2020

AK Vielfalt 10. September 2020

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 14. September 2020

AK Enter 22. September 2020

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Zum Schutz der Gesundheit von uns allen haben wir uns angesichts der aktuellen Lage im Kontext der SarsCov2-Pandemie gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung entschlossen, die bundesweite Tagung "Qualität in der Suchtprävention" ins nächste Jahr zu verschieben.

Es ist nun geplant, die Tagung voraussichtlich am 20. und 21. Mai 2021 in Lübeck mit einem ähnlichen Programm durchzuführen.

Sobald eine verlässliche Planung der Tagung möglich ist, informieren wir über die nächsten Schritte.

Liebe Leser*in,

schon wieder ist ein arbeitsreiches Jahr vorüber und einige von Ihnen fragen sich möglicherweise wo die Zeit geblieben ist, schreiben noch letzte wichtige Berichte oder bereiten anstehende Aufgaben des Jahres 2020 vor.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie spätestens in der kommenden Woche die notwendige Zeit finden innezuhalten, das Jahr Revue passieren zu lassen und die hoffentlich freien Tage so zu verbringen, wie Sie es sich wünschen. Vielleicht gehört auch die Lektüre unseres Newsletters dazu, dann erwarten Sie Berichte zur Auswertung der Statistik der ambulanten Suchthilfe in Hamburg, zu den Tagungen der Drogenbeauftragten und der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, Erkenntnisse zum Thema eZigarettenkonsum von Jugendlichen sowie zahlreiche Veranstaltungs- und Fortbildungshinweise.
Ich bedanke mich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und freue mich, auch im kommenden Jahr wieder mit Ihnen gemeinsam für die Anliegen der Suchtkrankenhilfe und Suchtvorbeugung aktiv zu sein.

Herzliche Grüße

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Ambulante Suchthilfe in Hamburg hat im Jahr 2018 15.068 Personen beraten und betreut!

Anfang Dezember wurde der Ergebnisbericht der Basisdatendokumentation der ambulanten Suchthilfe (BADO) in Hamburg veröffentlicht. Über 15.000 Personen suchten demnach in 2018 eine ambulante Suchthilfeeinrichtung in Hamburg auf, 30 Prozent davon sind Frauen. Nahezu unverändert sind die Angaben (Mehrfachnennungen) der Klient*innen zu den konsumierten Hauptdrogen: 66 % der Klient*innen nannten Alkohol, 46 % Cannabis, 33 % Kokain, 29 % Opioide/Heroin, 15 % Amphetamine, jeweils 14 % Sedativa bzw. Crack und 6 % Halluzinogene als Hauptdrogen, weitere 13 % hatten eine Glücksspielproblematik (Quelle: BADO e.V. [Hrsg.] 2019: Suchthilfe in Hamburg. Statusbericht 2018 der Hamburger Basisdatendokumentation in der ambulanten Suchthilfe und der Eingliederungshilfe. Hamburg).

In einer speziellen Auswertung durch Forscher*innen des Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung in Hamburg wurde analysiert, wie sich die Klient*innen der Suchthilfeeinrichtungen auf zu 13 Regionen zusammengefasste 98 Stadtteile in Hamburg verteilen. In diesem Zusammenhang wurden Erreichungsquoten mit stadtteilspezifischen Sozialdaten korreliert. In diese Sonderauswertung flossen die Daten von 35.620 verschiedenen Klient*innen ein, die in den Jahren 2014 – 2018 in einer Suchthilfeeinrichtung beraten wurden. Als zentrale Erkenntnisse nennen die Forscher*innen:

  • Die Erreichungsquote (bezogen auf die Einwohnerzahl) war insgesamt hoch. Es wurden etwa 2,7 % der Hamburger*innen (Altersgruppe 18 - 64 Jahren) in Einrichtungen der Suchthilfe beraten oder betreut.
  • Die Erreichungsquote hängt von verschiedenen von Faktoren ab, wie z.B. der nicht bekannten Anzahl von Personen mit einer Suchtproblematik, der unterschiedlichen kulturell oder durch die Schwere der Erkrankung bedingten Erreichbarkeit von Menschen mit Suchtproblemen, dem Vorhandensein und der Bekanntheit von Suchthilfeeinrichtungen.
  • Die Erreichungsquoten für Frauen und Männer waren nahezu gleich.

Darüber hinaus gibt einen sehr starken Zusammenhang zwischen dem Sozialindex und den Erreichungsquoten in den 98 berücksichtigten Stadtteilen: Je größer die Problemlagen laut Sozialindex für die Stadtteile sind, desto mehr Klient*innen werden aus diesen Stadtteilen erreicht.

Weitere Informationen zur BADO und Downloadmöglichkeit unter www.bado.de.

Kinder und Jugendliche greifen eher zur Zigarette, wenn sie vorher E-Zigaretten geraucht haben

Eine aktuelle Studie des Instituts für Therapieforschung Nord zum E-Zigarettenkonsum und späterem Konsum konventioneller Zigaretten zeigt, dass Kinder und Jugendliche eher zur Zigarette greifen, wenn sie vorher E-Zigaretten geraucht haben (Quelle: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1041-9970).

Dies bestätigen auch vertiefende Auswertungen zum Dampfen und Rauchen der aktuellen SCHULBUS-Studie von SUCHT.HAMBURG. Nicht nur dass das Dampfen von eZigaretten und eShishas insgesamt auf dem Vormarsch ist, sondern mit zunehmender Dauer des eZigarettengebrauchs steigt auch der Anteil derer, die von nikotinfreien auf nikotinhaltige Liquids umsteigen. Im Weiteren betrachtete Theo Baumgärtner in der speziellen Auswertung diejenigen Dampfer*innen, die auch angeben schon mal Tabak konsumiert (65% der Dampfer*innen) zu haben. Von diesen sogenannten Dual Usern geben etwa 35% an, mindestens ein Jahr vor dem Konsum eines tabakhaltigen Produktes bereits gedampft zu haben. Es mehren sich also die Hinweise, dass eZigaretten den Einstieg in den späteren Tabakkonsum begünstigen.

Wenngleich nun vor kurzem das in Deutschland längst überfällige Werbeverbot für Tabakwaren und eZigaretten auf den Weg gebracht wurde, soll es aufgrund einer Übergangsfrist noch bis Ende 2023 Werbung für eZigaretten geben. Und die spricht insbesondere Jugendliche an, wie vor kurzem auch die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig in einem Interview (https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/e-zigaretten-drogenbeauftragte-fordert-werbeverbot-a-1291400.html) kritisierte.

Für die Suchtprävention bedeutet dies unter anderem, dass im Umgang mit eZigaretten kein Unterschied zur Tabakprävention gemacht werden darf und neben der Arbeit mit Jugendlichen auch deren Eltern und Fachkräfte verstärkt in den Blick genommen werden müssen.

Den ausführlichen Artikel mit dem Titel „Ist Dampfen das neue Rauchen?“ von Theo Baumgärtner finden Sie in der 51. Ausgabe unserer ZEITUNG für Suchtprävention, die im Januar 2020 erscheinen wird.

"Sucht im Fokus - Kommunen engagiert vor Ort!" - Jahrestagung der Drogenbeauftragten des Bundes am 25. November 2019 und Workshop der Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht am 26. November 2019 in Berlin

Im November ludt Daniela Ludwig, die neue Drogenbeauftragte des Bundes, zur Jahrestagung "Sucht im Fokus - Kommunen engagiert vor Ort!" ein. Mehr als 300 Expertinnen und Experten aus der Suchthilfe, Suchtprävention, dem Gesundheitswesen und Wissenschaft waren der Einladung gefolgt.

Im Rahmen der Tagung wurden Fragen um die Sicherstellung der notwendigen Unterstützung für suchtkranke Menschen, Vernetzung von Suchhilfe und Suchtberatung mit den Kommunen und auch die Digitalisierung in Suchthilfe- und -prävention diskutiert. Dazu die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig: „Wir müssen sicherstellen, dass die Suchthilfe und Beratung, die Prävention und Hilfe vor Ort auch in Zukunft funktioniert! Natürlich sind die Anforderungen an die Kommunen nicht immer vergleichbar, aber vieles lässt sich durch gutes Netzwerken und Lernen voneinander besser und schneller bewältigen. Auch die Möglichkeiten der Digitalisierung als Ergänzung zur persönlichen, klassischen Beratung spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese Potentiale gilt es zu nutzen, um die Hilfsangebote – analog und digital - zukünftig noch wirkungsvoller zu machen.“ (Quelle: https://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2019/iv-quartal/jahrestagung-der-drogenbeauftragten-2019-sucht-im-fokus-kommunen-engagiert-vor-ort.html)

Ein Tag später ludt die Deutsche Drogenbeobachtungstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) in Berlin zum Workshop „Sucht sucht Verbündete – Kommunen als Gestalter und Partner“ ein. In dem Workshop diskutierten etwa 50 Expert*innen aus den Ländern über die Rolle von Kommunen beim Umgang mit dem Themenkomplex Drogen und Sucht im städtischen Raum.

Gerade in den größeren Städten haben sich die Herausforderungen in den letzten Jahren, wie etwa wahrgenommene Veränderungen im öffentlichen Raum und die noch stärkere Notwendigkeit vernetzter Behandlung aufgrund vielfältiger sozialer Probleme, zum Teil deutlich verändert.

Überaus anregend war in diesem Rahmen die Vorstellung des Konzeptes „Sicher gemeinsam – Herausforderungen im öffentlichen Raum in Wien“ durch Isabella Lehner-Oberndorfer von der Sucht- und Drogenkoordination Wien (https://sdw.wien). Das Konzept hat unter anderem zum Ziel, Suchtentwicklung zu verhindern oder zu mindern, Menschen mit einer Suchtproblematik sollen in das gesellschaftliche Leben integriert sein, der Kreislauf aus Arbeitslosigkeit, Sucht und sozialer Desintegration durchbrochen und Marginalisierung verhindert werden. Im Fokus steht dabei ein sozial verträgliches Mit- oder Nebeneinander aller Nutzer*innengruppen im öffentlichen Raum.

Als Erfolgsfaktoren wurden neben der Kooperation mit einer Vielzahl strategischer Partner*innen aus der Suchthilfe, dem Gesundheitswesen, den Verkehrsbetrieben, der Stadtreinigung uvm. die geteilte Verantwortung und das gemeinsame Handeln ausgehend vom Bürgermeister der Stadt Wien für die Lösung von sozialen Problemen und den konkreten Problemlagen im öffentlichen Raum benannt.

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Zusammenfassung der Tagung zu Partizipation und Teilhabe in der Suchthilfe am 13. November 2019 von SUCHT.HAMBURG

Das Bundesteilhabegesetz fordert die Umsetzung von Inklusion im Sinne der Förderung von gleichberechtigter Teilhabe für alle Menschen mit oder ohne Beeinträchtigungen, was zu Veränderungen von Strukturen und Abläufen in den Einrichtungen der Suchthilfe führt. Aus diesem Anlass standen partizipative Ansätze in Suchtprävention und Suchthilfe im Fokus unserer Jahrestagung am 13. November 2019. Eine ausführliche Zusammenfassung und die Vorträge zum Download finden Sie hier. Die beiden Impulsvorträge können auch in unserem YouTube-Kanal angesehen werden.

Alkohol? Kenn dein Limit! Unterrichtsmaterial

Das neue Unterrichtsmaterial der BZgA zur Kampagne Alkohol-kenn dein Limit! zum Thema Klassenreisen mit dem Titel „Abgefahren – es geht auch ohne“ erscheint Anfang des Jahres 2020. Es enthält Unterrichtsvorschläge zur Vorbereitung alkohol- und drogenfreier Klassenreisen für die Sekundarstufen 1 und 2 und ein kleines Manual mit Tipps und Hilfestellungen.

Ein heikles Thema gezielt ansprechen – Fortbildung zu Methoden motivierender Gesprächsführung am 23. und 24. Januar 2020

Die zweitägige Fortbildung bietet eine Einführung in die Grundlagen zur motivierenden Gesprächsführung nach Miller und Rollnick und enthält zahlreiche Übungssequenzen. Sie richtet sich an die Kooperationspartner der Netzwerke rund um Schwangerschaft, Familie und Sucht lina-net und connect, sowie an weitere Interessierte aus diesen Arbeitsfeldern. Ziel ist es, dass es den Fachkräften in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern gelingt, den Konsum von Suchtmitteln und die damit verbundenen Risiken mit ihren Klient*innen und Betreuten anzusprechen und einen Weg zur Veränderung des Verhaltens mit ihnen zu entwickeln. Informationen und Anmeldung

Kita-MOVE - Motivierende Kurzintervention im Elterngespräch

Gespräche mit Eltern sind nicht immer einfach, gerade, wenn es um persönliche Themen wie Erziehung und Gesundheit geht. Und: Im pädagogischen Alltag gibt es zwar häufige, aber meist nur kurze „zwischen Tür und Angel“-Begegnungen mit den Eltern. Kita-MOVE unterstützt pädagogische Fachkräfte aus Kindertagesstätten, Familienzentren und den Frühen Hilfen dabei, in solchen Situationen Eltern auch zu vermeintlich „schwierigen“ Themen positiv anzusprechen und Impulse für Veränderungen zu geben.

SUCHT.HAMBURG bietet am 24.3., 25.3. und 6.4.2020 eine dreitägige Fortbildung des bundesweit agierenden Projektes Kita-MOVE an. Die Fortbildung bietet hilfreiche Instrumente, um diese Alltagssituationen und Gesprächsanlässe kompetent und gezielt zu nutzen. Erzieher*innen und Pädagog*innen werden in ihrer Professionalität im Elternkontakt gestärkt und gleichzeitig entlastet. Die Fortbildung knüpft an vorhandenes Wissen an, gibt Neues dazu und lässt viel Raum zum Ausprobieren. Kita-MOVE versteht sich als Angebot vor dem Angebot, weil es dazu beitragen kann, Eltern partnerschaftlich zu begegnen und sie für die Annahme von externen Hilfen zu gewinnen. Weitere Informationen zu Kita-MOVE finden sich unter www.kita-move.de. Informationen zur Fortbildung finden Sie hier.

Nächster Kurs des Hamburger Basiscurriculums Jugend und Sucht ab Mai 2020

Am 8. Mai 2020 startet ein neuer Durchgang des über zwei Jahre laufenden Basiscurriculums Jugend und Sucht. Innerhalb dieser Zeitspanne können Fortbildungsangebote der Module Theorie – Information – Grundwissen sowie Praxisansätze – Interventionen belegt werden, um sich für den Abschluss in 2022 zu qualifizieren. Bei dem Angebot für Hamburger Fachkräfte aus den Bereichen Jugendhilfe und Schule sowie angrenzender Bereiche handelt es sich um eine Kooperation von der Beratungsstelle Kompaß, Kajal, DZSKJ, SPZ und SUCHT.HAMBURG. Anmeldungen sind unter www.suchtpraevention-fortbildung.de bzw. www.basiscurriculum-hamburg.de ab April 2020 möglich.

Positionspapier der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. zur Bürgerschaftswahl

Zur Bürgerschaftswahl im Februar 2020 hat die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) insgesamt 19 Forderungen an die Politik formuliert, um die Bedürfnisse und Auffassungen der Drogen- und Suchtkrankenhilfe in Hamburg zu verdeutlichen. Von einer verlässlichen Anpassung der Tarifsteigerungen in der Hamburger Suchtkrankenhilfe über guten Jugendschutz und Werbeverbote bis hin zu besserem Gesundheitsschutz durch kontrollierte Abgabe von Cannabis reichen die Forderungen der HLS, die diese anlässlich der Wahl Anfang 2020 an die Politik stellt. Ausführliche Informationen

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Ein heikles Thema gezielt ansprechen - Methoden motivierender Gesprächsführung vom 23. bis 24. Januar 2020 Informationen und Anmeldung

KlarSicht-Präventionsparcours Koffervariante - Fortbildung für Multiplikator*innen in Schule und Jugendarbeit am 7. und 14. Februar 2020 Informationen und Anmeldung

Eigenständig werden - Unterrichtsprogramm für die Jahrgangsstufen 1-4, 5&6 am 8. Februar 2020 Informationen und Anmeldung

Aufwachsen mit alkoholbelasteten Eltern – Grundlagenfortbildung am 10. Februar 2020 Informationen und Anmeldung

Dissozialität und Drogenkonsum - Schwerpunkt: Lebenswelt Jugendstrafvollzug am 19. März 2020 Informationen und Anmeldung

Trauma: Wissensgrundlagen und Handlungshinweise - für den Umgang mit psychisch traumatisierten Kindern und Jugendlichen am 3. April 2020 Informationen und Anmeldung

Mehr aktuelle Fortbildungsangebote in Hamburg finden Sie auf unserem Fortbildungsportal

Termine

Fachtagung „Digitalisierung konkret" am 12. Februar 2020 in Kiel Mehr Informationen

Einladungstagung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Qualität in der Suchtprävention 14. und 15. Mai 2020 in Lübeck

42. fdr+sucht+kongress des Fachverbandes Drogen- und Suchthilfe e.V. (fdr+) 25. bis 26. Mai 2020 in Berlin Mehr Informationen

Save the Date: Suchttherapietage „Veränderte Gesellschaft, veränderte Sucht: Therapie und Prävention wie gehabt?“ vom 02. bis 05. Juni 2020 in Hamburg Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 27. Januar 2020

AK Sucht.Jugend 5. Februar 2020

AK Vielfalt 20. Februar 2020

FASD-Netzwerktreffen 29. April 2020

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine