Liebe*r Leser*in,

wieder geht ein Jahr vorüber. Diesmal jedoch definitiv ein Jahr, dass uns allen sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Jahr, das in unserem privaten und beruflichen Leben, im öffentlichen wie auch im digitalen Raum grundlegende Veränderungen, Einschnitte und Belastungen verursacht hat. Ich hoffe, dass Sie und Ihre Mitarbeitenden, Familien und Klient*innen die letzten Monate gut überstanden haben und wünsche uns allen, dass wir unsere Akkus über die anstehenden Feiertage wieder etwas aufladen können, um auch die nächsten Wochen und Monate mit der notwenigen Energie angehen zu können.

Herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit und das uns entgegengebrachte Vertrauen. Wir freuen uns auf die gemeinsamen Projekte und Aktivitäten im hoffentlich wieder besser planbaren nächsten Jahr.

Herzliche Grüße

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Dokumentation der Online-Jahrestagung „Konsum.Raum.Sucht- – Raumverschiebungen aktuell: digital – privat – öffentlich – politisch“

Im Mittelpunkt unserer Jahrestagung „Konsum.Raum.Sucht.“ am 18. November 2020 standen die diversen Verschiebungen in Hinblick auf zugängliche Räume und Wege, sowohl für den beobachtbaren Suchtmittelkonsum als auch für die Inanspruchnahme von Suchthilfe und Beratung. Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Einschränkung staatlich verordneten Maßnahmen haben diese Entwicklungen beschleunigt und verstärkt.

Die Web-Konferenz, die mit fast 90 Teilnehmenden sehr gut nachfragt war, wurde eröffnet mit einem Vortrag von Dr. Bernd Werse vom Centre for Drug Research der Universität Frankfurt, der Ergebnisse einer bundesweiten Studie zur Drogenhilfe in der Corona-Krise vorstellte (Vortrag zum Download oder YouTube-Video). Das größte Problem für Angehörige 'harter Szenen' während der Lockdown-Maßnahmen war die deutlich größere Schwierigkeit, Geld zu "machen" (mit z.B. Flaschensammeln, Betteln oder Prostitution). Der Umgang mit der Pandemie fiel in den Städten bzw. Regionen sehr unterschiedlich aus und stellt für Drogengebrauchende eine große Hausforderung dar: Von weitgehender Schließung bis weitgehender Aufrechterhaltung der Drogenhilfeangebote, von starker Verschärfung der Lage insbesondere von Obdachlosen bis zu schnellen, unbürokratischen Hilfen. Auf Basis dieser Erkenntnisse folgten dann die an den vier Räumen – digital, privat, öffentlich und politisch – orientierten Kurz-Inputs mit anschließender Diskussionsrunde von Christine Tügel, Jugendhilfe e.V., Ralf Schünemann, Such(t)- und Wendepunkt e.V., Dr. Stefanie von Berg, Bezirksamt Altona, Gudrun Greb, ragazza e.V. und Benjamin Lemke, delphi - Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung mbH zur Situation allgemein und Hamburg im Besonderen. Detaillierte Inhalte der Diskussionsrunde können Sie hier herunterladen.

Nach der Pause stellte Andrea Jäger von der Sucht- und Drogen-Koordination der Stadt Wien die über ein Jahrzehnt aufgebauten unterstützenden Vernetzungsstrukturen für Aushandlungsprozesse im (halb)öffentlichen Raum vor, mit der die österreichische Hauptstadt erfolgversprechende Lösungsansätze wie beispielsweise Maßnahmen für eine sozial verträgliche Situation an Verkehrsknotenpunkten für Problematiken, mit denen jede Großstadt zu kämpfen hat, erarbeitet hat (Vortrag zum Download oder YouTube-Video).

Zum Abschluss hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, in nach den Schwerpunkten digital – privat – öffentlich – politisch eingerichteten Arbeitsgruppen die drängenden Fragen zu diskutieren und ein weiteres Vorgehen zu verabreden. Ein großes Anliegen war die Fortführung der Gespräche mit der Politik und Verwaltung zur Gestaltung der Situation im öffentlichen Raum wie auch die Weiterführung der Diskussion um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeit mit Klient*innen sowie in der Suchtprävention und Suchtselbsthilfe. Thematisiert wurden auch die Veränderungen der Organisations- und Arbeitskultur zum Beispiel durch Mobiles Arbeiten und Home Office in der Suchthilfe und der sozialen Arbeit, die zum Teil als erleichternd und Bereicherung empfunden werden, aber auf der Fürsorge- und Beziehungsebene für Führungskräfte und Mitarbeitende neue Herausforderungen mit sich bringen. Detaillierte Inhalte der digitalen Arbeitsgruppen können Sie hier herunterladen.

Bundesweite Aktionswoche Kinder aus Suchtfamilien „Vergessenen Kindern eine Stimme geben“ vom 14. bis 20. Februar 2021

In Deutschland wachsen fast 3 Mio. Kinder und Jugendliche mit einem suchtkranken Elternteil auf. Die häufigste Suchterkrankung stellt dabei die Alkoholabhängigkeit eines oder beider Elternteile dar. Jedes sechste Kind lebt zeitweilig in einer alkoholbelasteten Familie.

Ziel der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien (COA-Aktionswoche) ist es, die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Medien auf die mehr als 2,6 Millionen Kinder zu richten, die in Deutschland unter einem Suchtproblem ihrer Eltern leiden. Initiatoren der COA-Aktionswoche sind NACOA Deutschland und Such(t)- und Wendepunkt e.V. aus Hamburg. Auch wir (SUCHT.HAMBURG) sind seit vielen Jahren in der COA-Aktionswoche mit unterschiedlichen Aktionen aktiv, die diesmal in Kooperation mit Such(t)- und Wendepunkt e.V. (www.suchtundwendepunkt.de) und der Beratungsstelle Kompaß (https://kompass-hamburg.de) stattfinden.

Für Februar sind bislang die folgenden Aktivitäten geplant:

  • Webseminar: Kinderbücher zum Thema Sucht in der Familie - Mit Kindern über die elterliche Suchtbelastung ins Gespräch kommen am 16. Februar mit Zoom
  • Connect – Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien - Ein Netzwerk stellt sich und seine Arbeitsweise vor am 18. Februar online mit Zoom

Ausführliche Informationen zu den oben genannten Veranstaltungen finden Sie auf unserem Fortbildungsportal unter www.suchtpraevention-fortbildung.de. Alle Informationen zur COA-Aktionswoche stehen unter www.coa-aktionswoche.de zur Verfügung.

Neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu Computerspiel- und Internetnutzung

Die BZgA hat am 15. Dezember 2020 neue Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie 2019 veröffentlicht die bestätigen, dass die exzessive Mediennutzung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunimmt.

Die Ergebnisse zeigen, dass im Internet bei Jugendlichen und jungen Erwachsene nach wie vor Kommunikation und Unterhaltung im Vordergrund stehen. 12- bis 17-Jährige nutzen Computerspiele und das Internet durchschnittlich 22,8 Stunden pro Woche und 18- bis 25-Jährige durchschnittlich 23,6 Stunden pro Woche privat – also nicht für Schule, Studium oder Arbeit. Im Zeitraum von 2015 bis 2019 ist der Anteil der 12- bis 17-Jährigen und 18- bis 25-Jährigen mit einer problematischen Internetnutzung nochmals gestiegen. Er hat sich bei den Jugendlichen von 21,7 Prozent im Jahr 2015 auf 30,4 Prozent im Jahr 2019 und bei den jungen Erwachsenen von 15,2 Prozent in 2015 auf 23,0 Prozent in 2019 erhöht.

Internetbezogene Störungen treten im Jahr 2019 bei 7,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen auf. Im Jahr 2015 lag dieser Wert bei 5,7 Prozent. Sie treten aktuell bei 4,1 Prozent der 18- bis 25-Jährigen auf und lagen im Jahr 2015 bei dieser Altersgruppe bei 2,6 Prozent. Unter den 12- bis 17-jährigen weiblichen Jugendlichen und den 18- bis 25-jährigen jungen Frauen ist die internetbezogene Störung beziehungsweise die problematische Nutzung im Jahr 2019 etwas weiterverbreitet als unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern entsprechenden Alters. (zitiert nach: https://www.bzga.de/presse/pressemitteilungen/2020-12-15-neue-bzga-studiendaten-zur-computerspiel-und-internetnutzung/)

Die Situation während der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 war nicht Teil des Erhebungszeitraums der o.g. Studie. Mit Spannung werden weitere Studien erwartet die zeigen, ob sich die zwischenzeitliche Erhöhung der Nutzungszeiten aufgrund der Corona-Pandemie nachhaltig verfestigt oder eher als Episode zu betrachten ist.

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Neue Veröffentlichungen von SUCHT.HAMBURG

Plakatmotive zum „Risiko Rauschfahrten“

„Noch ein Drink kostet dich deinen Führerschein! Kiffen kostet dich deinen Führerschein!“ Mit diesen neuen Motiven sensibilisiert SUCHT.HAMBURG für die Gefahren von Rauschfahrten. Denn: Alkohol und illegale Drogen haben nichts im Straßenverkehr zu suchen. Man gefährdet nicht nur sich, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer*innen. Trotzdem wurden in Hamburg allein im Jahr 2019 3.067 Verkehrsteilnehmer*innen mit Alkohol, 963 mit Cannabis, 578 mit einer anderen illegalen Droge und 300 mit Medikamenten auffällig im Straßenverkehr. Damit ist ein deutlicher Anstieg zu den Vorjahren davor zu verzeichnen. So wurden in 2016 mit 2.187 registrierten Alkoholfällen und 385 Vorfälle im Zusammenhang mit dem Konsum einer anderen illegalen Droge als Cannabis deutlich weniger Personen im Straßenverkehr auffällig.

In diesem Zusammenhang steht auch die Veröffentlichung „Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Ausgewählte Ergebnisse einer Sekundäranalyse der Verkehrsunfallstatistik sowie der Alko-Dro-Daten der Polizei“. Die Publikation kann hier heruntergeladen werden. Die Plakatmotive können Sie hier einsehen und herunterladen.

Neue Materialien der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) hat vor kurzem drei neue Materialien veröffentlicht. „Erwachsenwerden in Familien Suchtkranker“ ist eine Arbeitshilfe, die die Situation von Jugendlichen ab 16 Jahren und jungen Erwachsenen, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen, in den Blick nimmt. Die Broschüre richtet sich an Fachkräfte und Ehrenamtliche im Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen sowie der Arbeitswelt.

Die Publikation „Riskante Partnerschaft – Ratgeber für Männer“ wurde aktualisiert und steht ab sofort zur Verfügung. „ProzentRechnung – Broschüre zu den Risiken von Alkoholkonsum“ ist ein neues Medium über die Auswirkungen des Alkoholkonsums. Insbesondere thematisiert wird das Krebsrisiko, das durch Alkohol nachweislich erhöht ist.

Diese und weitere Materialien können unter www.dhs.de heruntergeladen oder kostenfrei bestellt werden.

Kita-MOVE - Motivierende Kurzintervention im Elterngespräch 2021

Gespräche mit Eltern sind nicht immer einfach, gerade, wenn es um persönliche Themen wie Erziehung und Gesundheit geht. Und: Im pädagogischen Alltag gibt es zwar häufige, aber meist nur kurze „zwischen Tür und Angel“-Begegnungen mit den Eltern. Kita-MOVE unterstützt pädagogische Fachkräfte aus Kindertagesstätten, Familienzentren und den Frühen Hilfen dabei, in solchen Situationen Eltern auch zu vermeintlich „schwierigen“ Themen positiv anzusprechen und Impulse für Veränderungen zu geben.

SUCHT.HAMBURG bietet am 19.4., 26.4. und 3.5.2021 eine dreitägige Fortbildung des bundesweit agierenden Projektes Kita-MOVE an. Die Fortbildung bietet hilfreiche Instrumente, um diese Alltagssituationen und Gesprächsanlässe kompetent und gezielt zu nutzen. Erzieher*innen und Pädagog*innen werden in ihrer Professionalität im Elternkontakt gestärkt und gleichzeitig entlastet. Die Fortbildung knüpft an vorhandenes Wissen an, gibt Neues dazu und lässt viel Raum zum Ausprobieren. Kita-MOVE versteht sich als Angebot vor dem Angebot, weil es dazu beitragen kann, Eltern partnerschaftlich zu begegnen und sie für die Annahme von externen Hilfen zu gewinnen. Weitere Informationen zu Kita-MOVE finden sich unter www.kita-move.de. Informationen zur Fortbildung finden Sie hier.

Neustart des Hamburger Basiscurriculums Jugend und Sucht im April 2021

Nachdem der Start des neuen Durchgangs 2020 aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, startet nun im April 2021 eine neue Runde des über zwei Jahre laufenden Basiscurriculums Jugend und Sucht. Innerhalb dieser Zeitspanne können Fortbildungsangebote der Module Theorie – Information – Grundwissen sowie Praxisansätze – Interventionen belegt werden, um sich für den Abschluss in 2023 zu qualifizieren.

Bei dem Angebot für Hamburger Fachkräfte aus den Bereichen Jugendhilfe und Schule sowie angrenzender Bereiche handelt es sich um eine Kooperation von der Beratungsstelle Kompaß, Kajal, DZSKJ, SPZ und SUCHT.HAMBURG. Die Auftaktveranstaltung findet am 23. April statt, Anmeldungen sind ab sofort unter www.suchtpraevention-fortbildung.de bzw. www.basiscurriculum-hamburg.de möglich.

Vortiv – Serviceplattform für kommunale Alkoholprävention

Ab sofort steht mit www.vortiv.de ein neues Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur kommunalen Alkoholprävention zur Verfügung. VORTIV richtet sich an kommunale Akteur*innen, Präventionsfachkräfte und Mitarbeitende der Kommunalverwaltungen und beinhaltet folgende Angebote: Persönliche Beratung zur Planung und Umsetzung kommunaler Alkoholpräventionsmaßnahmen entsprechend den Bedarfen vor Ort, Fortbildungen vor Ort oder digital zum kommunalen Netzwerkmanagement in der Alkoholprävention, Informationen zu rechtlichen Handlungsmöglichkeiten der kommunalen Alkoholprävention sowie einen Überblick zu allen Angeboten der BZgA für Kommunen im Kontext Alkoholprävention mit der Möglichkeit, diese Angebote zu nutzen.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Badesalze, Kräutermischungen, Amphetamine, Ko-Tropfen & Co. Online-Informationsveranstaltung am 13. Januar Mehr Informationen und Anmeldung

Kinder mit drogenkonsumierenden Eltern- Risiken, Herausforderungen und Hilfen am 20. Januar Mehr Informationen und Anmeldung

Trauma: Wissensgrundlagen und Handlungshinweise für den Umgang mit psychisch traumatisierten Kindern und Jugendlichen am 25. Januar Mehr Informationen und Anmeldung

Suchtgefährdung bei Jugendlichen - Epidemiologie, Risikofaktoren, Erklärungsmodelle am 16. Februar Mehr Informationen und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention II - Aufbau-Webseminar am 25. März Mehr Informationen und Anmeldung

Kita MOVE - Heikle Themen ansprechen Veränderung ermöglichen. Dreitägige Fortbildung am 19. und 26. April sowie 3. Mai Mehr Informationen und Anmeldung

Termine

Bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien vom 14. bis 20. Februar 2021 Mehr Informationen

Kongress Armut und Gesundheit „Aus der Krise zu Health in all policies“ vom 16. bis 18. März 2021 Mehr Informationen

42. fdr+sucht+kongress „Update Konsum – Upgrade Hilfe“ des Fachverbandes Drogen- und Suchthilfe e.V. am 3. und 4. Mai 2021 in Berlin Mehr Informationen

25. Suchttherapietage „Veränderte Gesellschaft, veränderte Sucht: Therapie und Prävention wie gehabt?“ vom 10. bis 12. Mai in Hamburg Mehr Informationen

17. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag vom 18. bis 20. Mai 2021 in Essen Mehr Informationen

Save the Date: Einladungstagung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Qualität in der Suchtprävention 20. und 21. Mai 2021 Web-Konferenz

Save the Date:  Gemeinsamer Suchtkongress des Fachverbands Sucht und des Bundesverbands für stationäre Suchtkrankenhilfe e.V. 23. bis 25. Juni 2021 in Münster Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

Unsere Gremien finden aufgrund der Sars-Cov-2-Pandemie weiterhin als Online-Meetings statt. Bitte beachten Sie die jeweilige Ankündigung auf unserer Webseite.

AK Vielfalt 21. Januar 2021

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 25. Januar 2021

AK Sucht.Jugend 10. Februar 2021

AK Enter tba.

FASD-Netzwerktreffen 21. April 2021

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell auch unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Liebe*r Leser*in,

nachdem wir im Sommer unseren Blick noch auf die für viele Kolleg*innen neuen Möglichkeiten der virtuellen Kollaboration richteten, haben sich inzwischen zahlreiche Online-Formate etabliert und sind zum selbstverständlichen Bestandteil unserer täglichen Arbeit geworden. In den letzten Tagen und Wochen ist an der ein oder anderen Stelle aber auch eine leichte „Online-Müdigkeit“ zu spüren, vielleicht geht es Ihnen auch so? Sicher liegt dies auch daran, dass es nach einer Phase der zeitweisen Entspannung der Corona-Pandemie im Sommer, nun wieder zu deutlichen Einschränkungen zunächst im privaten, aber auch im beruflichen Raum kommt. Die Perspektive, den Herbst und Winter mit wenigen sozialen Kontakten zu verbringen, ist für die wenigsten von uns angenehm.

Im beruflichen Kontext wurde in den letzten Wochen nicht nur in Hamburg sehr viel angestoßen und umgesetzt, so dass die ein oder andere ruhige Stunde mit spannenden und erkenntnisreichen neuen Veröffentlichungen in Sachen Suchtprävention und Suchthilfe genutzt werden könnte. Dazu und zu den in den kommenden Wochen zahlreich anstehenden Online-Veranstaltungen, informieren wir Sie in unserer 15. Ausgabe von Mittelpunkt.

Herzliche Grüße und kommen Sie gut durch die kommende Zeit!

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Webkonferenz „Konsum.Raum.Sucht - Raumverschiebungen aktuell: digital – privat – öffentlich – politisch“ am 18. November 2020

Am 18. November findet unsere Jahrestagung erstmals als Webkonferenz statt. Gegenstand der Jahrestagung sind diverse Verschiebungen im Hinblick auf zugängliche Räume und Wege sowohl für den Suchtmittelkonsum als auch für die Inanspruchnahme von Suchthilfe, die in den letzten Jahren zu beobachten sind und durch die Corona-Pandemie beschleunigt und verstärkt wurden. Diese Raumverschiebungen sollen im Rahmen unserer Jahrestagung näher betrachtet werden. Hierfür werden erste empirische Ergebnisse aus Forschungsprojekten und Befragungen, die zeitnah während der Corona-Pandemie gestartet sind, eingebunden. Vier Räume werden in den Blick genommen: 1. Digitaler Raum: Inwieweit werden alte und neue Zielgruppen durch die Digitalisierung der Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe erreicht? 2. Privater Raum: Wie können besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen während des Corona-bedingt verstärkten Rückzugs ins Private durch Suchthilfe und -prävention begleitet und unterstützt werden? 3. Öffentlicher Raum: Wie können Aushandlungsprozesse zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen in Bezug auf öffentlich wahrnehmbaren Suchtmittelkonsum gemeinsam gestaltet werden? 4. Politischer Raum: Welche positiven und negativen Effekte lassen sich mit den Corona-bedingt staatlich verordneten Maßnahmen in Hinblick auf Konsum identifizieren?

Als Referent*innen konnten Dr. Bernd Werse (Centre for Drug Research, Universität Frankfurt) und
Andrea Jäger (Sucht- und Drogen-Koordination Stadt Wien) gewonnen werden. Gäste der Diskussionsrunden und Arbeitsgruppen sind Christine Tügel (Jugendhilfe e.V.), Ralf Schünemann (Such(t)- und Wendepunkt e.V.), Dr. Stefanie von Berg (Bezirksamt Altona), Gudrun Greb (ragazza e.V.), Benjamin Lemke (Delphi - Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung mbH). Das ausführliche Programm finden Sie direkt unter https://www.suchtpraevention-fortbildung.de/veranstaltung/875. Die Anmeldung zur kostenfreien Onlinetagung ist bis zum 3. November möglich.

Sekundäranalyse zur Verbreitung und Hintergründen des jugendlichen Cannabiskonsums in Deutschland

Gefördert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat SUCHT.HAMBURG auf Basis der Daten der seit 2004 in Hamburg und später dann auch in anderen Regionen Deutschlands durchgeführten Schüler*innen- und Lehrkräftebefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS) eine tiefergehende Analyse der Verbreitung und Entwicklung des jugendlichen Cannabiskonsums und seiner Hintergründe veröffentlicht. Zielsetzung der Analyse ist eine verlässliche Einschätzung zur Verbreitung des jugendlichen Cannabiskonsums im Zeitverlauf sowie Erkenntnisse zu den Umständen und Einflussfaktoren, die den Umgang Verzicht auf Cannabisprodukte der Jugendlichen begünstigen zu gewinnen. Auf dieser Basis sollen zukünftig wirkungsvolle suchtpräventive Maßnahmen abgeleitet werden.

Als wichtigste Ergebnisse der Analyse wurde festgestellt, dass es trotz schwankender Entwicklung der Prävalenzzahlen in den vergangenen Jahren es zwar keinen eindeutigen Trend, aber deutliche Hinweise für eine weitgehende Etablierung des Kiffens in der Jugendgeneration gibt. Demgegenüber steht die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Jugendlichen unter 18 Jahren in ihrem Leben noch nie gekifft hat. Neun von zehn dieser Jugendlichen, die noch nie gekifft haben, geben schlichtweg mangelndes Interesse als Grund für ihren Konsumverzicht an, drei Viertel von ihnen fühlen sich zusätzlich durch die Angst vor den möglichen Gesundheitsgefahren und zwei Drittel durch die Befürchtung, abhängig werden zu können, vom Umgang mit Haschisch und/oder Marihuana abgeschreckt.

Bei näherer Betrachtung der cannabiskonsumierenden Jugendlichen zeigt sich besonders für männliche Jugendliche, die im großstädtisch geprägten Milieu aufwachsen, über ein höheres Geldbudget verfugen und sich selbst eher einer der höheren Schichten zugehörig fühlen, dass von Cannabiskonsum eine erhöhte Attraktivität ausgeht. Neugier, der Wunsch, Neues und Aufregendes zu erleben sowie das Bedürfnis, den Alltag zu vergessen, werden als die häufigsten Motive für den Umgang mit Cannabis genannt. Dem Cannabiskonsum scheint eine zunehmend kompensatorische Funktion zuzukommen.

Den vollständigen Bericht mit den ausführlichen Ergebnissen der Analyse finden Sie auf unserer Webseite unter www.sucht-hamburg.de/information/publikationen.

Expertise zur Suchtprävention 2020 veröffentlicht

Im Oktober wurde die aktualisierte Neuauflage der Expertise zur Suchtprävention von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht. Das Fachheft richtet sich an Personen, die auf allen handlungspolitischen Ebenen in Kommunen und Bundesländern für Suchtprävention verantwortlich und betraut sind und ermöglicht, aktuelle Erkenntnisse der Präventionsforschung in der suchtpräventiven Praxis zu berücksichtigen.

Für die Neuauflage der „Expertise zur Suchtprävention 2020“ wurden Übersichtsarbeiten über wirksame Maßnahmen zur Suchtprävention systematisch erfasst und ausgewertet. Die Schlussfolgerungen werden praxisbezogen und übersichtlich dargestellt und geben Fachkräften Hinweise, welche Wirkung mit welchem Präventionsansatz in den Handlungsfeldern Familie, Schule, Hochschule, Medien, Gesundheitsversorgung, Kommune und gesetzliche Rahmenbedingungen zu erwarten ist. Diskutiert werden Präventionsansätze, die eine Verhinderung, Verzögerung oder Reduktion des Konsums von Tabak, Alkohol, Cannabis und anderen illegalen psychoaktiven Substanzen bewirken können, sowie Interventionsansätze zur Prävention von Glücksspielsucht (Quelle: https://www.bzga.de/presse/pressemitteilungen/2020-10-14-wirksame-strategien-der-suchtpraevention-fuer-die-praxis/).

Die „Expertise“ kann unter www.bzga.de/infomaterialien/fachpublikationen/fachpublikationen/band-52-expertise-zur-suchtpraevention-2020/ kostenlos bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Neue Veröffentlichungen von SUCHT.HAMBURG

Cannabis und Du? Neues Video und Begleitmaterial für Fachkräfte

Miteinander ins Gespräch kommen zum Thema Cannabis. Das ist das zentrale Ziel des fünf-minütigen Videoclips „Cannabis und Du?“ und des zugehörigen Begleitmaterials für Fachkräfte, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind.

Das Video, das von Filmemacher Marc Witkowski gedreht wurde, richtet sich an Fachkräfte, die mit Jugendlichen das Thema Cannabis aufgreifen möchten. Mit O-Tönen von Jugendlichen bietet es einen niedrigschwelligen Zugang und eignet sich als Türöffner für Gespräche mit Heranwachsenden mit und ohne Konsumerfahrungen. Ziel ist es, einen ergebnisoffenen Austausch anzustoßen, Nicht-Konsument*innen in ihrem Verhalten zu bestärken und konsumierende Jugendliche zu motivieren, eigene Einstellungen und Verhaltensweisen kritisch zu reflektieren. Ergänzt wird das Angebot durch das Begleitmaterial mit Informationen rund um den Cannabiskonsum sowie Tipps und Anregungen für den Einsatz des Videos in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen. Das Material umfasst eine Abschrift der Aussagen der Jugendlichen sowie eine Sammlung möglicher Leitfragen für ein Gespräch mit Jugendlichen und Impulse für vertiefende Übungen.

Verfügbar sind Film und Handreichung sowie weitere Informationen und Materialien zur Cannabisprävention unter www.bleib-stark.com oder im Webshop von SUCHT.HAMBURG unter www.sucht-hamburg.de/shop.

Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen

Vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde die Aktualisierung unserer Dokumentation der Fallzahlentwicklungen der im Zeitraum 2000 bis 2018 wegen einer akuten Alkoholintoxikation im Krankenhaus vollstationär behandelten 10- bis unter 20-jährigen Patient* innen in Hamburg und der Bundesrepublik Deutschland. Die Publikation kann hier heruntergeladen werden.

ZEITUNG für Suchtprävention

Im August 2020 ist 52. Ausgabe der ZEITUNG für Suchtprävention erschienen. In der 52. Ausgabe beschäftigen wir uns mit den Themen Glücksspiel und Jugendschutz, Kinderbücher zum Thema Sucht sowie Substanzkonsum und sexuelle Übergriffe. Die ZEITUNG kann in unserem Shop heruntergeladen oder bestellt werden.

Suchtprävention in Hamburg. Zusammenfassende Auswertung der im Dokumentationssystem Dot.sys erfassten Maßnahmen 2012 bis 2019

Nachdem das bundesweite Dokumentationsystem für Maßnahmen der Suchtprävention der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Dot.sys) fast zwei Jahre pausierte, haben die auf Landesebene tätigen Hamburger Einrichtungen ihre suchtpräventiven Maßnahmen für das Jahr 2019 und zum Teil rückwirkend auch für das Jahr 2018 nach dem Restart von Dot.sys dokumentiert. In dem vorliegenden Bericht werden die Eingaben zusammenfassend für gesamt Hamburg ausgewertet und damit an die Berichte der Dokumentationsjahre 2015 und 2016 angeknüpft. Der Bericht steht unter www.sucht-hamburg.de/information/publikationen zur Verfügung.

7. Alternativer Sucht- und Drogenbericht

Am 7. Oktober wurde in Berlin der inzwischen siebte Alternative Sucht- und Drogenbericht, herausgegeben von akzept e.V. Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik und Deutsche AIDS-Hilfe e.V., vorgestellt.

In der Pressemitteilung zum Bericht werden drei zentrale Forderungen genannt, um die Zahl der Todesfälle durch legale und illegale Drogen senken, schädliche Folgen von Abhängigkeit reduzieren und gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Folgekosten drastisch reduzieren zu können: 1. Angebote zur Schadensminimierung beim Drogenkonsum sollen überall verfügbar sein und auch bei Tabak und Alkohol angeboten werden. 2. Eine staatlich regulierte Abgabe von bisher illegalen Substanzen kann kriminellen Drogenhandel reduzieren, Menschen vor den Gefahren der Illegalität bewahren und Jugend- und Verbraucherschutz ermöglichen. 3. Eine effiziente Drogenpolitik würde rasch gelingen, wenn die Bundesregierung Kompetenz in einem drogenpolitischen Fachbeirat zusammenführen würde. Ausführliche Informationen finden sich unter www.alternativer-drogenbericht.de

Neue Materialien in einfacher Sprache der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) hat die Reihe von Materialien in einfacher Sprache um zwei Broschüren zum Thema Shisha-Rauchen und Passiv-Rauchen erweitert. Die Hefte informieren zu Fragen wie „Was passiert beim Shisha-Rauchen?“, „Wo rauchen wir passiv?“ und zahlreiche andere Fragestellungen rund ums Shisha- und Passiv-Rauchen und zeigen Hilfeangebote auf.

Die Broschüren können auf der Webseite der DHS www.dhs.de heruntergeladen oder auch in schriftlicher Form kostenfrei bestellt werden.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Trinken, dampfen, kiffen: aktuelle Konsumtrends Hamburger Jugendlichen und pädagogische Handlungsmöglichkeiten. Webseminar am 12. November Mehr Informationen und Anmeldung

Essstörungen bei jugendlichen Mädchen – Ursachen. Webseminar am 26. November Mehr Informationen und Anmeldung

Hinschauen und Handeln, was tun, wenn Drogen/Suchtmittel im Spiel sein könnten? Webseminar am 30. November Mehr Informationen und Anmeldung

Flaschenpost und Dosenmonster - Kinderbücher zum Thema Sucht in der Familie. Webseminar am 1. Dezember Mehr Informationen und Anmeldung

Achtsamkeit und Selbstregulation im Kindes- und Jugendalter - Möglichkeiten für die Suchtprävention und Suchttherapie. Präsenzveranstaltung am 15. Dezember Mehr Informationen und Anmeldung

Termine

Bundesweiter Aktionstag „Suchtberatung - Kommunal wertvoll!“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. unter Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten des Bundes am 04. November 2020 Mehr Informationen

Online-Sprechstunde der Hamburger Drogen- und Suchthilfe organisiert von Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. am 4. November 2020 Mehr Informationen

29. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. „Suchtmedizin in Zeiten von Corona“ vom 6. bis 8. November 2020 Hybridveranstaltung in Berlin Mehr Informationen

59. (Online-) Fachkonferenz SUCHT "Suchthilfe: kommunal denken - gemeinsam handeln" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. am 10. und 11. November 2020 Mehr Informationen

Online-Jahrestagung "Konsum.Raum.Sucht." von SUCHT.HAMBURG am 18. November 2020 Mehr Informationen und Anmeldung

„Flucht, Trauma und Sucht“ Seminar der Deutschen Aidshilfe e.V. vom 20. bis 22. November 2020 in Berlin Mehr Informationen

32. (Online-) Jahrestagung des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V.am 26. und 27. November 2020 Mehr Informationen

„Psychiatrie und Psychotherapie in der sozialen Lebenswelt“ digitaler DGPPN-Kongress 2020 vom 26. bis 28. November Mehr Informationen

„grundrauschen: Sucht – Flucht – Junge* sein“ Video-Fortbildung der Fachstelle Jungenarbeit NRW, Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit in NRW e.V. am 2. Dezember 2020 Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

Unsere Gremien finden aufgrund der Sars-Cov-2-Pandemie bis auf weiteres ausschließlich als Online-Meetings statt. Bitte beachten Sie die jeweilige Ankündigung auf unserer Webseite.

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 16. November 2020

AK Enter 24. November 2020

FASD-Netzwerktreffen 25. November 2020

AK Vielfalt 26. November 2020

AK Sucht.Jugend 2. Dezember 2020

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell auch unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Liebe*r Leser*in,

seit unserem letzten Newsletter hat sich innerhalb kürzester Zeit fast alles verändert. Die Welt steht einerseits still und andererseits wird an zahlreichen Stellschrauben gedreht, um alles Wichtige am Laufen zu halten. Das Wichtigste ist aktuell die Versorgung von kranken und hilfebedürftigen Menschen und daran haben auch die Kolleg*innen, die in der Suchthilfe tätig sind einen großen Anteil. Unser Dankeschön geht an Euch, die ihr weiterhin eure Klient*innen betreut, sie unterstützt und versorgt, persönlich, telefonisch oder digital!

In eigener Sache: Leider mussten auch wir eine Vielzahl von Veranstaltungen absagen und einige Angebote vorrübergehend einstellen. Wir sind weiter für Sie da und Sie erreichen uns wie gewohnt telefonisch oder per E-Mail.

Bleiben Sie gesund!

PS: In unserem aktuellen Newsletter finden sie wie üblich Informationen zu aktuellen Entwicklungen in der Suchthilfe und Suchtprävention in Hamburg und darüber hinaus.

Herzliche Grüße

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Informationen zum Coronavirus für Fachkräfte in der Suchthilfe

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) stellt auf ihrer Webseite ab sofort wichtige Informationen zum Coronavirus für alle Fachkräfte in der Suchthilfe zur Verfügung. Unter dem direkten Link https://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/informationen-fuer-fachkraefte-in-der-suchthilfe.html finden sich derzeit:

  • Gemeinsame Presseerklärung von Fachgesellschaften und Verbänden der Suchtkrankenbehandlung
  • Schreiben der DG Suchtmedizin an die Kassenärztliche Vereinigung
  • Anschreiben der Drogenbeauftragten an substituierende Ärzte
  • Stellungnahme der Suchtfachverbände „Therapie von Abhängigkeitserkrankten muss dringend fortgeführt werden“
  • Sars-CoV/Covid-19 Pandemie und Substitutionstherapie - Hinweise für substituierende Ärzte DGS
  • „Hilferuf der ambulanten Drogen-Aids- und Suchthilfe. COVID 19 - Schnelle Hilfen für Drogengebrauchende und Obdachlose!“ Akzept e.V., Deutsche Aidshilfe und jes-Bundesverband
  • Schreiben der DHS an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie (COVID-19) auf die ambulante medizinische Rehabilitation Abhängigkeitskranker sowie die (Reha-)Nachsorge
  • Stellungnahme des fdr+ „Notwendigkeit für Vereine, Verbände, Zielgruppen bzw. Institutionen und deren Arbeitsbereiche im Zusammenhang mit dem erhöhten Auftreten des Sars-CoV-2- Virus und den angeordneten Einschränkungen bzw. veränderten (Arbeits-) Bedingungen“
  • Informationen zur Opioid-Substitution und Sars-CoV2/Covid-19 – Hinweise für substituierende Ärzte
  • Hinweise der Konferenz der Vorsitzenden von Qualitätssicherungskomissionen der Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland
  • und viele weitere.

Die Informationen zum Coronavirus für Fachkräfte in der Suchthilfe werden von der DHS fortlaufend aktualisiert. Vielen Dank an die DHS für diesen Service!

Der neue Glücksspielstaatsvertrag – ein dunkler Schatten

Zum 1. Juli 2021 soll der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft treten, seit vielen Wochen wirft er für die Suchthilfe und Suchtprävention bereits seinen dunklen Schatten voraus. In dem Vertragswerk ist eine umfangreiche Neuregulierung des Glückspielwesens in Deutschland vorgesehen, aus dem „GlüÄndStV“ wird der „GlüNeuRStV“.

Über viele Monate hinweg haben die Bundesländer über die Inhalte des neuen Vertrags diskutiert, vor kurzem haben die Ministerpräsident*innen der Bundesländer in Berlin dem Vertragsentwurf im Großen und Ganzen ohne Änderungen zugestimmt. Danach müssen nun die Landesparlamente zustimmen. Sollte dies in den kommenden Monaten geschehen, wird sich zum Leidwesen der Spieler*innen und der Suchthilfe und Suchtprävention einiges im deutschen Glücksspielwesen ändern. Die vorgesehenen Änderungen können Sie hier in der Februarausgabe unserer Glücksspielnews unter www.automatisch-verloren.de nachlesen.  

Der Fachverband gegen Glücksspielsucht e.V. (fags) hat, wie auch zahlreiche weitere Verbände und Suchtforschungsinstitute, in einer Stellungnahme eine Vielzahl von Kritikpunkten am GlüNeuRStV vorgebracht, die wir im Folgenden kurz skizzieren:

Der fags kritisiert in seiner Stellungnahme (Stellungnahme zum Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glücksspielwesens in Deutschland Entwurf vom 17./18.01.2020, S. 1) die Gleichrangigkeit der Ziele des Staatsvertrags. So sollte der Schutz der Bevölkerung in Form von Verhinderung der Entstehung von Glücksspielsucht und daraus resultierender Schäden gegenüber den anderen Zielen klar höher gewichtet und als vorrangiges Ziel der Glücksspielgesetzgebung angesehen werden (ebd.). Alle weiteren Ziele des Staatsvertrages sollten diesen Zielen nachgeordnet werden (ebd., S. 2).

Die im GlüNeuRStV formulierten Regelungen zur Werbung sollten nach Auffassung des fags nicht liberaler gehandhabt werden, als Werbung für andere „gefährliche Güter“ wie z.B. Tabak (vgl. ebd.). Der fags fordert daher ein umfassendes Werbeverbot für riskante Formen des Glücksspiels (Spielautomaten, Sportwetten, Casinospiele, Poker jeweils online und terrestrisch), um den mit der weitgehenden Liberalisierung von Online-Glücksspielen verbundenen Risiken begegnen zu können (vgl. ebd.).

Das geplante Limitierungssystem für den Bereich des Online-Glücksspiels wird grundsätzlich begrüßt. Aus Sicht des fags ist es für eine suchtpräventive Wirkung jedoch zwingend, zumindest auch den mit hohem Suchtpotential einhergehenden Bereich der Spielhallen mit einzuschließen. Das im GlüNeuRStV vorgesehene Einsatzlimit von 1.000 € könne einfach umgangen werden „[…], wenn Spieler*innen nach Erreichen der Limitierung – etwa beim Spiel mit sog. „virtuellen Automatenspielen“ – leicht auf die nächste örtliche Spielhalle ausweichen können“ (ebd., S. 8).

Der fags regt vor diesem Hintergrund an, eine personengebundene Spielerkarte einzuführen. Diese ermöglicht die Implementierung eines anbieter- und spielformübergreifenden Limitierungssystems (vgl. ebd.).

Begrüßt wird die Einrichtung eines zentralen und spielformübergreifendem Sperrsystems. Kritikpunkte sind jedoch die Möglichkeit der Aufhebung der Sperre nach relativ kurzer Zeit durch einen Antrag. Die Mindestsperrdauer kann auf Antrag des Spielers auf mindesten drei Monate festgelegt werden (vgl. ebd., S. 12).

„Dieser kurze Zeitraum mag für Menschen mit leichterem Glücksspielproblemen, die eine Pause einlegen möchten, angemessen sein. Für Glücksspielsüchtige stellt diese gravierende Änderung keine Option dar. Auch aus ethischer Perspektive muss sichergestellt werden, dass Glücksspielsüchtigen, die immerhin zu den Hauptumsatzträgern von Glücksspielanbietern gehören, der Weg zu diesen Unternehmen nicht gerade zu geebnet wird“ (ebd.).

Bzgl. der Beendigung bzw. Aufhebung einer Sperre wird gefordert, dass die Aufhebung einer Selbst- oder Fremdsperre für Glücksspielsüchtige (zumindest vor Ablauf von fünf Jahren) erst dann möglich ist, wenn die gesperrte Person keine glücksspielbezogenen Probleme mehr zeigt und dies entsprechend belegen kann (vgl. ebd.).

Die Einrichtung einer gemeinsamen zentralen Glücksspielaufsichtsbehörde wird grundsätzlich befürwortet. Es ist davon auszugehen, dass die Behörde technisch und personell sehr gut ausgestattet sein wird. Damit die Behörde ihre Unabhängigkeit sicherstellen kann, sollen Compliance-Regeln und andere Instrumente sichergestellt werden. Im Weiteren regt der fags an, den GlüÄndStV zu verlängern, bis die gemeinsame Aufsicht aufgebaut ist. „Erst dann sollte der Markt für Internetglücksspiel geöffnet werden“ (ebd., S. 17).“

Wir bleiben dran an dem Thema und informieren Sie.

Bundesweite Tagung „Qualität in der Suchtprävention“ verschoben

Zum Schutz der Gesundheit von uns allen haben wir uns angesichts der aktuellen Lage im Kontext der SarsCov2-Pandemie gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dazu entschlossen, die bundesweite Einladungstagung "Qualität in der Suchtprävention", die am 14. und 15. Mai in Lübeck stattfinden sollte, ins nächste Jahr zu verschieben. Es ist nun geplant, die Tagung voraussichtlich am 20. und 21. Mai 2021 in Lübeck mit einem ähnlichen Programm durchzuführen.

Sobald eine verlässliche Planung der Tagung möglich ist, informieren wir über die nächsten Schritte.

Weitere Neuigkeiten und Materialien
Dauerzoff wegen Mediennutzung? Neuer Internetclip für Eltern

Damit Medien nicht zum Dauerstreitthema werden, wurde gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) Hamburg ein neuer Videoclip entwickelt, der Eltern anregen soll, sich frühzeitig Unterstützung zu holen, wenn das Nutzungsverhalten des Kindes aus dem Ruder läuft. Das Video soll weiterhin auf das Beratungsangebot Time to Balance unter www.webfehler-hamburg.de aufmerksam machen, wo es mittels eines Selbsttests eine Einschätzung des Nutzungsverhaltens gibt, Eltern im Chat Fragen stellen und sich austauschen können und praktische Tipps für die Medienerziehung erhalten.

Jahresbericht von SUCHT.HAMBURG 2019

Druckfrisch ist der Jahresbericht 2019 von SUCHT.HAMBURG erschienen. Er gibt einen Überblick über die Arbeit in unseren Projekten, zu Fort- und Weiterbildungsangeboten sowie über unsere Netzwerk- und Koordinierungstätigkeiten. Der Jahresbericht kann hier heruntergeladen oder bestellt werden.

Übersichten zur muttersprachigen Beratung im Suchthilfesystem

Neu aktualisiert sind liegen die Informationen für Fachkräfte des Suchtkrankenhilfesystems in Hamburg über die „Angebote in Fremd- und Muttersprachen der Suchtprävention und Suchthilfe Hamburg“ sowie über die „Muttersprachige Selbsthilfegruppen in Hamburg“ vor. Diese Informationen richten sich vor allem an Fachpersonen (Suchtberater*innen, Sozialarbeiter*innen usw.) für die direkte und schnelle Vernetzung und Kooperation im Einzelfall. Hierfür bietet das Hamburger Suchthilfesystem eine Vielfalt an (Mutter-) Sprachen und die deutsche Gebärdensprache an. Die Informationen können unter https://www.sucht-hamburg.de/information/publikationen heruntergeladen werden.

ZEITUNG für Suchtprävention

Im Januar ist die 51. Ausgabe unserer ZEITUNG für Suchtprävention erschienen. Themen sind Rauchen und Dampfen, Herausforderungen für die Suchtprävention und 40 Jahre Suchtselbsthilfe. Die ZEITUNG kann in unserem Shop unter www.sucht-hamburg.de heruntergeladen oder bestellt werden.

Mehr als ein Jahrzehnt kultursensible Aufklärung über das Suchthilfesystem in Hamburg

Mit dem Projekt HERKUNFT-ANKUNFT-ZUKUNFT vermittelt SUCHT.HAMBURG Informationen rund   um   das   Thema   Sucht für   und   mit   Migrant*innen. Im   Mittelpunkt   steht   die Enttabuisierung von Sucht in verschiedenen Communities.

Unterstützt wird SUCHT.HAMBURG dabei von geschulten Schlüsselpersonen aus den jeweiligen Communities, die ihr Wissen ehrenamtlich in Muttersprache einbringen. Vor kurzem haben zehn weitere sogenannte Keypersons die insgesamt bereits 6. Schulung zur interkulturellen Schlüsselperson abgeschlossen und ergänzen nun das Team der dreizehn bereits seit längerem aktiven Keypersons. Hamburgweit sind so Informationsveranstaltungen oder Inputs in Elterncafés, Kulturvereinen, Jugendclubs oder Wohnzimmergesprächen zum Thema Sucht abrufbar, die in Arabisch, Dari, Englisch, Farsi, Italienisch, Kurdisch, Paschto, Polnisch, Portugiesisch, Romanes, Spanisch, Tschechisch, Türkisch und jetzt neu in Tigrinja und stattfinden können. Diese Vielfalt ist einmalig in Deutschland.

Mehr Drogentote im Jahr 2019

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren gestiegen. Im vergangenen Jahr verstarben 1.398 Menschen direkt oder indirekt durch den Gebrauch illegaler Drogen, 122 Menschen (9,6%) mehr als im Jahr 2018. Häufigste Ursache waren Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin. Todesfälle durch Kokain, Amphetamine und synthetische Drogen haben in den letzten fünf Jahren von 143 auf 268 zugenommen und sich somit fast verdoppelt.

Die Bundesdrogenbeauftrage fordert in diesem Zusammenhang eine noch flächendeckendere Substitutionsversorgung, die auch in der aktuellen Coronakrise nicht auf der Strecke bleiben dürfe. Im Weiteren setzt sich Frau Ludwig für einen flächendeckenden Einsatz von Naloxon als Nasenspray ein. Naloxon kann die Wirkungen einer Überdosierung von Opiaten für einige Zeit aufheben und somit Leben retten. In einem Modellprojekt wird aktuell erprobt, wie Naloxon besser in Praxis angewendet werden kann.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Aufgrund des aktuell bestehenden Veranstaltungsverbots bis 30. April 2020 führen wir im folgenden geplante Fortbildungen ab Mai 2020 auf.

KlarSicht-Mitmachparcours Koffervariante - Suchtprävention zu den Themen Tabak und Alkohol an Mitmach-Stationen am 8. und 9. Mai Informationen und Anmeldung

Suchtgefährdung bei Jugendlichen - Epidemiologie, Risikofaktoren, Erklärungsmodelle am 12. Mai Informationen und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention II Aufbauseminar am 12. Juni Informationen und Anmeldung

Badesalze, Kräutermischungen, Amphetamine, Ko-Tropfen und Co. Am 18. Juni Informationen und Anmeldung

Termine

Unter Vorbehalt

Suchttherapietage „Veränderte Gesellschaft, veränderte Sucht: Therapie und Prävention wie gehabt?“ vom 02. bis 05. Juni 2020 in Hamburg Mehr Informationen

Lina Jahrestreffen am 24. Juni in Hamburg Mehr Informationen

Save the Date: Deutscher Suchtkongress 2020 14. bis 16. September in Berlin Mehr Informationen

Save the Date: 13. Internationaler akzept Kongress „Barrieren in der Gesundheitsversorgung Drogenabhängiger überwinden“ am 24. und 25. September in Nürnberg Mehr Informationen

Save the Date: 59. DHS Fachkonferenz SUCHT "Suchthilfe: kommunal denken - gemeinsam handeln" vom  9. bis 11. November 2020 in Potsdam Mehr Informationen

Save the Date: Jahrestagung von SUCHT.HAMBURG am 18. November 2020

Gremien von SUCHT.HAMBURG

Aufgrund des aktuell bestehenden Veranstaltungsverbots bis 30. April 2020 führen wir im folgenden geplante Arbeitskreise und Gremien ab Mai 2020 auf.

AK Vielfalt 7. Mai 2020

AK Sucht.Jugend 3. Juni 2020

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 8. Juni 2020

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Fachkräfte diskutieren online über Veränderungen und Strategien zur Bearbeitung von Suchtmittelmissbrauch in der Corona-Krise!

Im Mittelpunkt der Jahrestagung „Konsum.Raum.Sucht. – Raumverschiebungen aktuell: digital – privat – öffentlich – politisch“ am 18. November 2020 standen die diversen Verschiebungen in Hinblick auf zugängliche Räume und Wege, sowohl für den beobachtbaren Suchtmittelkonsum als auch für die Inanspruchnahme von Suchthilfe und Beratung. Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Einschränkung staatlich verordneten Maßnahmen haben diese Entwicklungen beschleunigt und verstärkt.

Die Web-Konferenz, die mit fast 90 Teilnehmenden sehr gut nachfragt war, wurde eröffnet mit einem Vortrag von Dr. Bernd Werse vom Centre for Drug Research der Universität Frankfurt, der Ergebnisse einer bundesweiten Studie zur Drogenhilfe in der Corona-Krise vorstellte (Vortrag zum Download oder YouTube-Video). Das größte Problem für Angehörige 'harter Szenen' während der Lockdown-Maßnahmen war die deutlich größere Schwierigkeit, Geld zu "machen" (mit z.B. Flaschensammeln, Betteln oder Prostitution). Der Umgang mit der Pandemie fiel in den Städten bzw. Regionen sehr unterschiedlich aus und stellt für Drogengebrauchende eine große Hausforderung dar: Von weitgehender Schließung bis weitgehender Aufrechterhaltung der Drogenhilfeangebote, von starker Verschärfung der Lage insbesondere von Obdachlosen bis zu schnellen, unbürokratischen Hilfen. Auf Basis dieser Erkenntnisse folgten dann die an den vier Räumen – digital, privat, öffentlich und politisch – orientierten Kurz-Inputs mit anschließender Diskussionsrunde von Christine Tügel, Jugendhilfe e.V., Ralf Schünemann, Such(t)- und Wendepunkt e.V., Dr. Stefanie von Berg, Bezirksamt Altona, Gudrun Greb, ragazza e.V. und Benjamin Lemke, delphi - Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung mbH zur Situation allgemein und Hamburg im Besonderen. Detaillierte Inhalte der Diskussionsrunde können Sie hier herunterladen.

Nach der Pause stellte Andrea Jäger von der Sucht- und Drogen-Koordination der Stadt Wien die über ein Jahrzehnt aufgebauten unterstützenden Vernetzungsstrukturen für Aushandlungsprozesse im (halb)öffentlichen Raum vor, mit der die österreichische Hauptstadt erfolgversprechende Lösungsansätze wie beispielsweise Maßnahmen für eine sozial verträgliche Situation an Verkehrsknotenpunkten für Problematiken, mit denen jede Großstadt zu kämpfen hat, erarbeitet hat (Vortrag zum Download oder YouTube-Video).

Zum Abschluss hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, in nach den Schwerpunkten digital – privat – öffentlich – politisch eingerichteten Arbeitsgruppen die drängenden Fragen zu diskutieren und ein weiteres Vorgehen zu verabreden. Ein großes Anliegen war die Fortführung der Gespräche mit der Politik und Verwaltung zur Gestaltung der Situation im öffentlichen Raum wie auch die Weiterführung der Diskussion um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeit mit Klient*innen sowie in der Suchtprävention und Suchtselbsthilfe. Thematisiert wurden auch die Veränderungen der Organisations- und Arbeitskultur zum Beispiel durch Mobiles Arbeiten und Home Office in der Suchthilfe und der sozialen Arbeit, die zum Teil als erleichternd und Bereicherung empfunden werden, aber auf der Fürsorge- und Beziehungsebene für Führungskräfte und Mitarbeitende neue Herausforderungen mit sich bringen. Detaillierte Inhalte der digitalen Arbeitsgruppen können Sie hier herunterladen.

Vorträge zum Download:

Dr. Bernd Werse - Drogenhilfe in der Coronakrise.Ergebnisse einer bundesweiten Studie.

Andrea Jäger - Unterstützende Vernetzungsstrukturen für Aushandlungsprozesse im (halb)öffentlichen Raum.

Die beiden Vortäge können auch auf unserem YouTube-Kanal angesehen werden

Liebe*r Leser*in,

die vergangenen Wochen und Monate mit den weitreichenden Maßnahmen zur Einschränkung der Ausbreitung der Corona-Pandemie haben unser bisheriges Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Bislang als selbstverständlich wahrgenommenen Treffen mit Familie und Freunden, Austausch und Fortbildungen mit Kolleg*innen und Fachkräften zum Beispiel konnten über lange Zeit nicht stattfinden und unterliegen aktuell noch immer starken Einschränkungen. Wir freuen uns wahrscheinlich alle darauf, wenn wir uns privat wie beruflich wieder unter den früheren Bedingungen bewegen können.

Für unsere Tätigkeit als Fachstelle kann ich sagen, dass nicht alles, was wir aktuell erleben, was sich kurzfristig geändert hat oder wir neu aufgenommen haben, wieder zurückgenommen oder eingestellt werden soll und wir zum alten, liebgewonnen Handeln zurückkehren werden. Die Möglichkeiten der virtuellen Kollaboration zum Beispiel, Web-Seminare oder Online-Konferenzen mit Kolleg*innen und Fachkräften aus Hamburg wie auch anderen Bundesländern, sind wichtige Erfahrungen und wertvolle Kompetenzen, die wir in den vergangenen Monaten erwerben konnten. Wir haben in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Web-Seminaren und virtuellen Austauschformen für Fachkräfte wie auch für Endaddressat*innen angeboten, die wir auch zukünftig regelmäßig vorhalten werden. Wir wollen damit nicht zuletzt auch einen Beitrag zur Digitalisierung der Suchthilfe und Suchtprävention leisten. Dazu bedarf es sicherlich noch mehr, aber ein Anfang ist mit Sicherheit gemacht.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

Online-Fortbildungen, digitale Prävention und virtuelle Gremienarbeit

Die Auswirkungen zur Einschränkung der Corona-Pandemie haben nicht nur in Hamburg, sondern auch in den anderen Bundesländern zu einem wahren Schub in Sachen Digitalisierung suchtpräventiver Maßnahmen und Suchthilfeangeboten geführt. Viele Aufgaben, wie zum Beispiel Fortbildungen oder Netzwerk- und Gremienarbeit konnten bzw. können immer noch nicht oder nur sehr eingeschränkt vor Ort bzw. Face-to-Face stattfinden. Es braucht sehr große Räume, die den meisten Einrichtungen und freien Trägern nicht zur Verfügung stehen. Ein Ausweichen auf virtuelle Angebote war und ist das Mittel der Wahl, um unsere Zielgruppen gerade in diesen belastenden Zeiten mit den notwendigen Unterstützungsangeboten zu erreichen.

Nachdem zunächst im März und April einige Fortbildungen und Gremien leider abgesagt werden mussten, haben wir unter anderem in Kooperation mit dem SuchtPräventionsZentrum des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung neue Fortbildungsformate als Web-Seminare entwickelt und kurzfristig umgesetzt. Die Angebotspalette reicht von kürzeren Inputs zur Vermittlung von Informationen bis hin zu mehrstündigen Online-Workshops mit virtuellen Arbeitsgruppenphasen wie zum Beispiel bei unserem Seminar Grundlagen der Suchtprävention. Die Nachfrage nach den Web-Seminaren ist sehr groß, die Rückmeldungen der Teilnehmenden sehr gut.

Sehr große Resonanz erhielt auch unsere Onlinekonferenz „Kein Tag ohne Medien“, die wir am 23. Juni gemeinsam mit Expert*innen aus der Medienpädagogik, Suchtprävention und Suchthilfe durchführen konnten. Die Veranstaltung, die mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Hamburg durchgeführt wurde, brachte rund 60 Eltern, Fachkräfte und Expert*innen zusammen, um Empfehlungen für einen guten Umgang mit digitalen Medien in der Familie zu diskutieren.

Über Medien reden, das war der Tipp der Expert*innen, der für alle Altersgruppen genannt wurde. Vor allem wenn es nicht nur das Aushandeln von Regeln beinhaltet, sondern dadurch auch Interesse und Wertschätzung für diesen Teil der Lebenswelt zum Ausdruck gebracht wird. Bevor sich jedoch Probleme verfestigen, sollten Eltern nicht zögern und unbedingt professionelle Hilfe wie die Erziehungsberatungsstellen oder die Jugendsuchtberatung in Anspruch genommen werden.

Die Onlinekonferenz war Teil des Angebots „Time to Balance“ – eine Onlineberatung für Eltern und Erwachsene zur Förderung einer selbstbestimmten und kontrollierten Mediennutzung unter www.webfehler-hamburg.de.

Einen Tag später am 24. Juni fand das „lina-net-Jahrestreffen“ zum ersten Mal als digitales Netzwerktreffen statt. 17 Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern (verschiedene Suchtberatungs- und Jugendhilfeeinrichtungen) nahmen am digitalen Austauschangebot teil.

Im Mittelpunkt des diesjährigen lina-net-Treffens stand der Gastgeber PFIFF – Fachdienst für Familien, dessen Arbeitsschwerpunkt die Beratung, Qualifizierung und Begleitung von Pflegefamilien ist. Seit 20 Jahren betreut PFIFF das Projekt „Patenschaften für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern“, das von den Mitarbeiterinnen Ortrud Beckmann und Sandra Gau vorgestellt wurde. In der Landschaft der Patenprogramme für Kinder psychisch kranker Eltern in Deutschland hat das Programm von PFIFF eine Pionierrolle gespielt. Mittlerweile gibt es zwar viele Nachahmer, die aber fast alle mit geringeren fachlichen Standards arbeiten als PFIFF. Nach der Vorstellung des Patenschaftsprogramms diskutierten die Teilnehmer*innen die Übertragbarkeit des Konzepts auf Kinder suchtbelasteter Eltern und stellten viele Parallelen, aber auch Besonderheiten in der Lebenssituation suchtbelasteter Familien fest, die es bei der Konzeption eines zielgruppenspezifischen Patenschaftsprogramms zu beachten gälte.

Für SUCHT.HAMBURG ziehen wir ein sehr positives Fazit aus den weiterführenden Erfahrungen und vielen neuen Kompetenzen, die wir in den vergangenen arbeitsintensiven Wochen machen und erwerben durften. Die digitalen Angebote werden ein fester Bestandteil unserer Tätigkeiten bleiben und auch unsere Jahrestagung „Konsum.Raum.Sucht“ (mehr Informationen) wird am 18. November als Online-Konferenz stattfinden.

Neue Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung liegen vor

Am 1. Juli hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gemeinsam mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig die Ergebnisse der Repräsentativbefragung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019“ vorgestellt. Als grober Trend lässt sich erkennen, dass der Konsum legaler Drogen unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen rückläufig ist, der Gebrauch illegaler Substanzen allen voran Cannabis jedoch leicht zunimmt.

Zunächst zu den erfreulichen Erkenntnissen: Die Quote der Raucher*innen ist unter den 12- bis 25-Jährigen auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Befragungen vor über 40 Jahren. 85,1 Prozent der Jugendlichen geben an, in ihrem Leben noch nie geraucht zu haben. Die Nieraucher*innenquote bei 18- bis 25-Jährigen liegt bei 45,9 Prozent. Noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken haben 36,9 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen in Deutschland. Mindestens einmal in der Woche Alkohol trinken 9,5 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen und 32,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen. Im Jahr 2004 lagen die Zahlen bei den 12- bis 17-Jährigen noch bei 21,2 Prozent und bei den 18- bis 25-Jährigen bei 43,6 Prozent.

Die Entwicklungen des Cannabiskonsums zeigen, dass dieser unter 12- bis 17-jährigen Jugendlichen und 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich ansteigt. Der Anstieg der 12-Monats-Prävalenz des Cannabiskonsums beginnt bei männlichen und weiblichen Jugendlichen im Jahr 2011 und liegt im Jahr 2019 fast wieder auf ähnlichem Niveau wie in 2004. In den Gruppen der 18- bis 25-jährigen Frauen und Männer steigen die 12-Monats-Prävalenzen des Cannabiskonsums seit 2008. Junge Frauen erreichen im Jahr 2019 die höchste und junge Männer die zweithöchste 12-Monats-Prävalenz seit 1993 (Quelle: Orth, B. & Merkel, C. 2020. Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019.).

Die ausführlichen Studienergebnisse und den Bericht finden Sie hier.

Endlich: Tabakwerbeverbot im Bundestag verabschiedet

Nach jahrelangen Diskussionen hat der Bundestag am 2. Juli endlich ein weitreichendes Tabakwerbeverbot verabschiedet. Danach ist ab dem kommenden Jahr Kinowerbung fürs Rauchen verboten, wenn der jeweilige Film für Unter-18-Jährige freigegeben ist.

Ab 1. Januar 2022 gilt ein Werbeverbot auf Außenflächen wie Plakatwänden oder Haltestellen - wenn auch zunächst einmal nur für herkömmliche Tabakprodukte. Für Tabakerhitzer greift das Außenwerbeverbot ab dem Jahr 2023, ein Jahr 2020 später wird dann auch die Außenwerbung für E-Zigaretten verboten. Der Bundesrat muss dem Gesetz nun noch zustimmen. (Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/bundestag-753.html)

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Bundesdrogenbeauftragte startet Social Media Kampagne zur Cannabisprävention

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig startet gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Social Media Kampagne, um die Cannabisprävention auszuweiten und erstmalig auch in den sozialen Medien auf die gesundheitlichen Risiken von Cannabiskonsum für Jugendliche aufmerksam zu machen. Die Kampagne soll die bundesweiten Aktivitäten der BZgA unterstützen und richtet sich im Schwerpunkt an unter 18-jährige Jugendliche. Wir sind gespannt und drücken die Daumen für einen guten Start!

Weltdrogenbericht der UNODC

Ende Juni wurde der Weltdrogenbericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC veröffentlicht. Im sechsteiligen Bericht geht es unter anderem um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Verfügbarkeit von illegalen Drogen. Die UNODC teilt in ihrem Bericht mit, dass in vielen Ländern in allen Weltregionen Engpässe bei etlichen Drogen bestehen. Dies ist besonders für Abhängige problematisch, denn es droht ein Ausweichen auf andere Substanzen, die möglicherweise noch schädlicher sind. So könnten zum Beispiel Heroinsüchtige auf gefährlichere Alternativen wie Fentanyl ausweichen. Das Opioid ist mindestens 50-mal stärker als Morphin und es kommt es leicht zu einer tödlichen Überdosierung.

Weitere Themen sind zum Beispiel der weiterhin weltweit steigende Drogenkonsum, aktuelle Drogentrends oder die Zunahme des Cannabiskonsums in Ländern, die Cannabis legalisiert haben. Die Berichte stehen in englischer Sprache hier zum Download zur Verfügung.

Save the Date: Online-Konferenz „Konsum.Raum.Sucht“

In den letzten Jahren sind sowohl für den Suchtmittelkonsum als auch für die Inanspruchnahme von Hilfeangeboten diverse Veränderungen im Hinblick auf den gewählten Raum zu beobachten. Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Einschränkung staatlich verordneten Maßnahmen haben diese Veränderungen vermutlich beschleunigt und verstärkt. Diese „Raumverschiebungen“ werden im Format einer Online-Konferenz von SUCHT.HAMBURG am 18. November näher betrachtet und diskutiert werden.

Die Online-Konferenz ersetzt unsere diesjährige Jahrestagung und richtet sich an interessierte Akteur*innen aus dem Bereich der Suchthilfe, Suchtprävention, Gesundheit und Bildung sowie aus anderen Berufsfeldern (z.B. Jugendhilfe, Politik und Behörden). Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Mehr Informationen und Anmeldung.

 "Problematisches Computerspielen und Computerspielstörung (Gaming Disorder)"

Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. und des Fachverbands Medienabhängigkeit e.V. erarbeitete in einem Positionspapier zentrale Fragen und Forderungen der Bereiche Prävention und Frühintervention, Beratung, Behandlung und Rehabilitation sowie Forschung des problematischen Computerspielens und der Computerspielstörung (Gaming Disorder).

Gemäß der „Bestandsaufnahme und Positionierung in den Bereichen Prävention und Frühintervention, Beratung, Behandlung und Rehabilitation sowie Forschung“ (Quelle: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/news/Ergebnispapier_AG_Problematisches_Computerspielen_und_Gaming_Disorder.pdf) sollen Ansätze der Prävention von problematischem Computerspielen und der Computerspielstörung(Gaming Disorder) im Kindes-und Jugendalter für junge Menschen, deren Eltern und Familien in bestehende Angebote der Medienbildung und Medienkompetenzförderung integriert werden. Eltern sollen darüber hinaus bei Angeboten zur Stärkung der Erziehungskompetenz auch im Umgang mit digitalen Medien in der Familie gestärkt werden. Im Bereich der Frühintervention haben sich die Zusammenarbeit von Jugendsozialarbeit und Jugendsuchtberatung sowie Clearingstellen zur Einschätzung der individuellen Problemlage und zur weiteren Vermittlung an geeignete Beratungsstellen hilfesuchender junger Menschen und deren Familien als hilfreich erwiesen.

Das ausgeprägte Bild der Computerspielstörung (Gaming Disorder) soll jedoch der ambulanten und stationären Behandlung vorbehalten sein. Je nach Ausprägungsgrad stehen unterschiedliche ambulante, teilstationäre oder stationäre Angebote zur Verfügung.

Alle weiteren Empfehlungen und dies ausführliche Diskussion findet sich unter www.dhs.de

Corona-Einschränkungen: Empfehlungen und FAQ für Fachkräfte in den Frühen Hilfen

Im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus sind Fachkräfte in den Frühen Hilfen langfristig in ihrem Arbeitsalltag von Umstellungen und Einschränkungen betroffen. Um sie in dieser Zeit zu unterstützen, hat das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) auf seiner Internetseite www.fruehehilfen.de Empfehlungen sowie Antworten auf häufige Fragen und Linktipps veröffentlicht.

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Fortbildungsveranstaltungen finden derzeit - nach der jeweils gültigen Verordnung des Hamburger Senats zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus - nur in eingeschränkter Form statt. Einige Angebote werden digital durchgeführt.

Suchtgefährdung bei Jugendlichen - Epidemiologie, Risikofaktoren, Erklärungsmodelle am 13. August Informationen und Anmeldung

Essstörungen im Jugendalter. Prävention und Intervention im Kontext Schule am 10. September Informationen und Anmeldung

Störungen durch Cannabis im Kindes- und Jugendalter - Erscheinungsmuster und Behandlung am 22. September Informationen und Anmeldung

Trauma und Sucht bei weiblichen Jugendlichen - Hintergründe, Erklärungsmodelle, Forschungsergebnisse, Versorgungssituation am 27. Oktober Informationen und Anmeldung

Termine

Aufgrund der aktuell geltenden Einschränkungen für Veranstaltungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus wurden zahlreiche Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Hier finden Sie eine Auswahl der (Stand 3.7.20) geplanten Veranstaltungen.

Online-Fachtagung: Mädchen* und Frauen* nach der Flucht am 2. September Mehr Informationen

"Professionalisierung kommunaler Alkoholprävention" der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen am 8. und 15. September Mehr Informationen

29. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. „Sexualität und Sucht“ vom 6. bis 8. November 2020 in Berlin Mehr Informationen

59.  Fachkonferenz SUCHT "Suchthilfe: kommunal denken - gemeinsam handeln" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. am 10. und 11. November 2020 Mehr Informationen

Save the Date: Online-Konferenz "Konsum.Raum.Sucht." von SUCHT.HAMBURG am 18. November 2020 Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

Die Sitzungen finden ggf. als Online-Meetings statt, bitte beachten Sie die jeweilige Ankündigung auf unserer Webseite.

AK Sucht.Jugend 12. August 2020

AK Vielfalt 10. September 2020

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 14. September 2020

AK Enter 22. September 2020

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Das Bundesteilhabegesetz fordert die Umsetzung von Inklusion im Sinne der Förderung von gleichberechtigter Teilhabe für alle Menschen mit oder ohne Beeinträchtigungen, was zu Veränderungen von Strukturen und Abläufen in den Einrichtungen der Suchthilfe führt. Aus diesem Anlass standen partizipative Ansätze in Suchtprävention und Suchthilfe im Fokus der Jahrestagung am 13. November 2019.

Den Auftakt machte Prof. Dr. med. Gerhard Trabert, Hochschule RheinMain mit einemFachvortrag zum Thema Stärkung der psychosozialen Gesundheit von chronisch mehrfach beeinträchtigten Menschen. Prof. Dr. Trabert legte in seinem Vortrag einen Schwerpunkt auf strukturelle Benachteiligungen, denen chronisch kranke Menschen ausgesetzt sind und die mit sozialer Arbeit nicht beseitigt werden können. Ein wesentlicher Aspekt sei es im weiteren, die vielfältigen Ressourcen, über die – auch - chronisch kranke Menschen verfügen, in der Arbeit stets mit einzubeziehen und damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Selbstwertgefühls der Betroffenen zu leisten. Als Beispiel berichtete er von einem Projekt, bei dem Obdachlose Spenden für Kinder in Weißrussland sammelten.

Zu partizipativen Ansätzen in der Suchtprävention berichtete danach Dr. Petra Narimani, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin. Dr. Narimani benannte Partizipation als Vorbedingung für Inklusion und machte darauf aufmerksam, dass dies keine neue Methode sei. Sie benannte dabei unter anderem Action Research (Aktionsforschung nach Kurt Lewin) als eine Methode, die als Spirale sich wiederholender Schritte gut in der Suchthilfe und Suchtprävention eingesetzt werden kann.

In einer anregenden Podiumsdiskussion diskutierten Dr. Petra Narimani, Birgit Schröder (Der Paritätische Hamburg), Payam Abassi (Narcotics Anonymous) und Dietrich Hellge-Antoni (Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz) nach den Impulsvortägen gemeinsam mit dem Publikum, wie inklusiv die Suchthilfe bereits sei und welche Herausforderungen es noch zu überwinden gilt. Eine Frage die sich den Suchtberater*innen zukünftig wahrscheinlich häufiger stellen wird ist, wie weit das Recht auf Teilhabe gehen kann, wenn es um Therapieziele geht und der bzw. die Klient*in zum Beispiel kontrolliert weiter konsumieren möchte, wenngleich dies aus Sicht der Suchtberater*in nicht zielführend wäre.

Zusammenfassung der Workshopsessions am Nachmittag:

gesundhigh – ein Präventionsprogramm (Alida-Schmidt-Stiftung)
Vor dem Hintergrund eines Leitungswechsels in der Einrichtung entstand für die betreuen Frauen/ Klientinnen das Gesundheitsprojekt gesundhigh. In insgesamt sieben Workshops innerhalb eines Jahres wurde mit allen Mitarbeitenden eine gemeinsame Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragestellungen der Zusammenarbeit und Inhalte begonnen mit dem Ziel, die Gesundheit der Klientinnen zu fördern. In dem Projekt wurden Fragen bearbeitet wie z.B. wie sich die intrinsische Motivation der Klientinnen aktivieren lässt, wie sich die Ziele der Klientinnen besser berücksichtigen lassen, interaktive Methoden entwickelt und ein Peer-to-peer-Ansatz ausprobiert.

Rosa – Fallbesprechung einer Familie in der eine Suchtmittelabhängigkeit besteht (IGLU Beratungsstelle, Palette e.V.)
Im Workshop stellten zwei Mitarbeiterinnen der IGLU Beratungsstelle anhand des Falls Rosa aus ihrer Beratungsarbeit vor, wie ein aus ihrer Erfahrung relativ typischer Lebensweg eines Kindes aus einer drogenbelasteten Familie aussieht. Danach beschäftigten sich die Workshop-Teilnehmer*innen in vier Arbeitsgruppen u.a. mit der Frage, inwiefern Rosa partizipativ auf ihrem Lebensweg begegnet wurde und wie man selbst als Fachkraft in seinem eigenen Arbeitsfeld mit Rosa gearbeitet. Die Erkenntnis der Workshop-Teilnehmer*innen fiel relativ ernüchternd aus: Leider ist ein partizipatives Arbeiten in Familien mit Drogenproblemen noch nicht selbstverständlich.

Partizipation von Kindern suchtbelasteter Eltern (Such(t)- und Wendepunkt e.V.)
Im Workshop wurde einerseits die Arbeit von Such(t)- und Wendepunkt e.V. (SuW) vor der Fragestellung vorgestellt, wie partizipativ der Anbieter von Familienhilfe für alkoholbelastete Familien bereits arbeitet. Einen Schwerpunkt im Workshop stellte die Vorstellung der Wochenendfreizeiten für 8-13jährige Kinder aus alkoholbelasteten Familien dar. In die Vorbereitung und Ausgestaltung der vom Verein 4- bis 6-mal jährlich angebotenen Wochenendausflüge werden die Kinder einbezogen. Auf diese Weise fand SuW heraus, dass den Kindern Zeit für freies Spiel besonders wichtig ist.

Geistige Behinderung und Suchterkrankung – Chancen und Grenzen Partizipativer Ansätze (TGJ Suchtberatung)
Robert Scheibe von der TGJ Suchtberatung diskutierte in der von ihm geleiteten Session mit den anwesenden Teilnehmer*innen die besonderen Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit „Geistiger Behinderung und Suchterkrankung“ ergeben. Durch die zunehmende Ambulantisierung in der Behindertenhilfe nehmen auch die Anforderungen an die betroffene Personengruppe zu, so dass bestimmte Aufgaben nunmehr allein oder mit weniger Unterstützung als im bisher elterlichen oder stationären Wohnumfeld bewältigt werden müssen. Die gewonnene Eigenverantwortung und Unabhängigkeit der Betroffenen geht allerdings auch mit einem erhöhten Risiko der Entwicklung von Suchtproblemen einher, die eine adäquate Präventions- und Unterstützungsstrategie durch die Systeme der Behinderten- und Suchtkrankenhilfe bedürfen.

Partizipation am Beispiel einer fremdsprachigen Selbsthilfegruppen der Narcotics Anonymous (NA)
Payam Abassi stellte im Rahmen eines Forums einen partizipativen Ansatz am Beispiel einer fremdsprachigen Selbsthilfegruppe vor. Es wurde herausgearbeitet, wie wichtig die gemeinsame und gemeinschaftliche Unterstützung der Mitglieder im Meeting für die Stabilisierung im Rahmen einer Entwöhnung oder aber auch zur Förderung der Motivation, den eigenen Konsumstatus zu verändern sein kann. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Faktor, dass auch Besucher*innen, die schon lange in Deutschland (Hamburg) leben, des hier persischsprachigen Meetings ein Heimat- und Zughörigkeitsgefühl entwickeln, dass ihnen weitere Sicherheit und Stabilität gibt. Im Forum fand ein überaus anregender Austausch zu der eigenen Geschichte von Payam Abassi, aber auch der Verbreitung und Rolle der NAs besonders im persischsprachigen Raum und für die erfolgreiche Nachsorge einer Suchtbehandlung statt.

Planspiel: Partizipation Betroffener – Fachausschuss Suchtselbsthilfe NRW (Blaues Kreuz Deutschland e.V.)
Ziel des Projektes Partizipation Betroffener ist es, ein gemeinsames Verständnis von Betroffenenkompetenz in allen Feldern der haupt- und ehrenamtlichen Suchthilfe zu entwickeln und daraus Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, um die Fähigkeiten, Erfahrungen und Bedarfe Betroffener systematisch zur Weiterentwicklung des Suchthilfesystems in NRW, insbesondere in den Kommunen einzubinden. Für die Erhebung der Kompetenzen wurde ein Planspiel entwickelt und umgesetzt und erste Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Die Workshopteilnehmer*innen waren besonders beeindruckt, wie gut die verschiedenen Akteure der haupt- und ehrenamtlichen Suchthilfe einbezogen werden konnten und dass die Selbsthilfe intensiv in die Erarbeitung der Suchthilfekonzeption der Stadt Krefeld einbezogen wurde.

Vorträge zum Download:

Prof. Dr. Gerhard Trabert - Psychosoziale Gesundheit von chronisch mehrfach beeinträchtigten Menschen stärken. Aber wie?

Dr. Petra Narimani - Partizipative Ansätze in der Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe: Möglichkeiten, Chancen, Herausforderungen

Die beiden Vortäge können auch auf unserem YouTube-Kanal angesehen werden